Stadt Zürich

«Szene isch Züri» wirbt für Fälschershop mit Millionenumsatz

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Zürich,

Der umstrittene Social-Media-Kanal «Szene isch Züri», der mit Videos aus dem Zürcher Nachtleben bekannt wurde, warb für gefälschte Markenkleider.

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Der inzwischen eingestellte Shop Deluxe Rep. - tiktok @deluxerep

Das Wichtigste in Kürze

  • «Szene isch Züri» bewarb einen Shop mit gefälschten Luxusartikeln.
  • Über das Firmenkonto gingen insgesamt 5,4 Millionen Franken ein.
  • 2,9 Millionen Franken flossen laut SRF an zwei Personen in China.
  • Die Staatsanwaltschaft Zug stellte das Verfahren Ende 2024 ein.

Prada-Taschen für rund 230 Franken, Balenciaga-Produkte für knapp 190 Franken und Versace-Gürtel für rund 110 Franken.

Was nach Luxus zum Schnäppchenpreis klingt, waren Fälschungen. Der inzwischen verschwundene Onlineshop Deluxerep verkaufte Nachbildungen bekannter Marken.

Deluxe Rep
Der frühere Onlineshop Deluxerep bot unter anderem vermeintliche Alexander-McQueen-Sneaker für rund 200 Franken an. Laut SRF handelte es sich bei Deluxerep um einen Shop für gefälschte Markenware. - tiktok @deluxerep

Beworben wurde Deluxerep über den Nachahmer-Account «szene_isch_zueri», der nicht mit dem Originalkanal «szeneischzueri» verwechselt werden darf.

Der umstrittene Social-Media-Kanal wurde vor allem mit Videos aus dem Zürcher Nachtleben bekannt. Er geriet wegen voyeuristischer Aufnahmen immer wieder in die Kritik.

Nun zeigt eine Recherche von SRF Investigativ: Hinter dem Fälschershop ging es um Millionen.

5,4 Millionen Franken auf Firmenkonto

Zwischen 2020 und 2023 gingen rund 5,4 Millionen Franken auf dem Konto der Betreiberfirma Prem1um GmbH aus Baar ZG ein.

Davon flossen laut SRF 2,9 Millionen Franken an zwei Personen in China.

Die Geldbewegungen wurden schliesslich auch für die UBS zum Thema. Im Sommer 2023 erstattete die Bank eine Verdachtsmeldung bei der Meldestelle für Geldwäscherei.

Bist du auch schon auf eine Markenfälschung hereingefallen?

Darauf eröffnete die Staatsanwaltschaft Zug ein Strafverfahren gegen zwei damalige Geschäftsführer der Firma. Einer stammt aus der Ostschweiz, der andere ist heute im Kanton Zug gemeldet.

Ermittelt wurde wegen Geldwäscherei und schwerer Verletzung des Markenschutzgesetzes.

Doch zu einer Anklage kam es nicht.

Verfahren wurde eingestellt

Im Dezember 2024 stellte die Staatsanwaltschaft Zug das Verfahren ein. Für die beiden Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Laut der Einstellungsverfügung, die SRF vorliegt, war Deluxerep bereits offline, als die Verdachtsmeldung einging.

Die Ermittler hätten deshalb keine IP-Adressen mehr auswerten können, um Hinweise auf den Tatort zu erhalten.

Insta
Auf dem Instagram-Kanal «Szene isch Züri» werden immer wieder umstrittene Szenen veröffentlicht. Nicht alle dargestellten Inhalte entsprechen dabei den Tatsachen. - Screenshot Instagram

Abklärungen der Polizei hätten zudem ergeben, dass die Beschuldigten nicht aus dem Kanton Zug gearbeitet hätten. Wie die Polizei zu dieser Einschätzung kam, geht aus der Verfügung nicht hervor.

Die Strafverfolger kamen schliesslich zum Schluss, dass sich mögliche Warenfälschungen und der Verdacht auf Geldwäscherei nicht «zielführend» weiter untersuchen liessen.

Markenexperte kritisiert Zuger Behörden

Für Marc Wullschleger, Präsident des Vereins Stop Piracy, ist das Vorgehen schwer nachvollziehbar.

«Es sieht aus, als hätte es sich die Staatsanwaltschaft einfach machen wollen. Und den Fall schnell vom Tisch haben», sagt er gegenüber SRF.

Marc Wullschleger
Marc Wullschleger, Präsident des Vereins Stop Piracy, kritisiert die Einstellung des Strafverfahrens gegen die Betreiber des Fälschershops. - stop-piracy.ch

Für ihn bleiben mehrere Fragen offen. Aus der Verfügung gehe etwa nicht hervor, ob die beiden Beschuldigten einvernommen, Wohnungen durchsucht oder Handys beschlagnahmt wurden.

Stattdessen sei die Frage nach der Zuständigkeit rasch in den Vordergrund gerückt.

«Da werde ich das Gefühl nicht los, dass man den Fall schnell abschliessen wollte», sagt Wullschleger.

Für den Markenexperten sendet die Einstellung ein schlechtes Signal. Sie zeige, «dass mit Markenfälschungen weiterhin viel Geld gemacht werden kann und die Verantwortlichen letztlich ungeschoren davonkommen.»

Staatsanwaltschaft äussert sich nicht im Detail

Die Staatsanwaltschaft Zug wollte gegenüber SRF keine Stellung zu den Kritikpunkten nehmen. Konkrete Ermittlungshandlungen würden nicht kommentiert, teilte sie mit. Auch die ehemaligen Geschäftsführer beantworteten aktuelle Fragen nicht.

Trägst du Markenkleider?

Bei einem früheren Kontakt hatte der Mann aus der Ostschweiz auf seine Unschuld verwiesen.

Sein damaliger Geschäftspartner erklärte, seit März 2023 nicht mehr zur Firma zu gehören. Auch mit «Szene isch Züri» habe er nichts zu tun.

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