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Swiss gibt Gratis-Internet – aber viele wollen offline bleiben

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger

Zürich,

Schon bald heisst es auch über den Wolken: Online rund um die Uhr. Die gesamte Lufthansa-Flotte bekommt Internet – doch eigentlich wollen wir's gar nicht!

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Internet gibt’s bald überall – auch auf der gesamten Lufthansa-Flotte. Doch viele Menschen sehnen sich eigentlich nach Offline-Zeit. (Symbolbild) - pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • In diesem Jahr wird auf der gesamten Lufthansa-Flotte Internet eingeführt.
  • Nicht alle freut’s: Für viele ist das Flugzeug ein Ort für Digital Detox, so ein Experte.
  • Obwohl sich viele nach Offline-Zeit sehnen, nutzen sie das Internet trotzdem.

Flugmodus ein – und abschalten.

Das Flugzeug gilt als einer der letzten Orte, an dem man guten Gewissens nicht erreichbar ist. Keine Antwort auf Mails, keine Reaktion auf Nachrichten – und alle haben Verständnis.

Über den Wolken herrscht Funkstille. Noch. Denn damit ist schon bald Schluss!

Die Lufthansa-Gruppe kündigte im Januar an, ab 2026 sämtliche bestehenden sowie neu ausgelieferten Flugzeuge mit schnellem Internet auszustatten. Der Partner Starlink soll über die leistungsfähigste Inflight-Internetverbindung der Branche verfügen.

Für Schweizer Reisende bedeutet das konkret: Auch Swiss International Air Lines und Edelweiss Air statten ihre Flotten vollständig mit Internet aus. Inklusive Streaming, cloudbasiertem Arbeiten und datenintensiven Anwendungen während des Flugs.

Lufthansa-Pressesprecherin Sarah Mikoleizik erklärt gegenüber Nau.ch: «Ab dem zweiten Halbjahr 2026 werden sukzessive alle Flugzeuge der Lufthansa Group-Flotte mit der Starlink-Technologie ausgestattet.»

Und weiter: «Ab Dezember 2026 wird Edelweiss ihre neue A350 Kabine erhalten. Derzeit ist geplant, die neu ausgestatteten A350-Flugzeuge bereits ab ihrem Start im Liniendienst mit Starlink auszustatten.»

Internet über den Wolken – gratis

Und das Angebot wird gratis sein. Mikoleizik versichert: «Das Highspeed-Internetangebot mit Starlink wird für alle Lufthansa Group Statusprogramm-Mitglieder (Miles & More, Anm. d. Red.) und Travel ID-Nutzer kostenlos sein.»

Eine Registrierung sei kostenlos – sogar noch während des Fluges: «So hat de facto jeder Gast die Möglichkeit, kostenfrei auf das Internetangebot an Bord zuzugreifen», so Mikoleizik.

christian montag
Christian Montag von der Universität Macau in China ist überzeugt, dass sich viele nach einer digitalen Auszeit sehnen. - zVg

Heisst also: Kostenloses WLAN für alle, die registriert sind. Auf Kurz- und Langstrecke.

Auch bei Austrian Airlines ist man längst online. Pressesprecherin Yvonne Wachholder sagt gegenüber Nau.ch: «Die ersten Flugzeuge der A320 Flotte wurden Ende 2016 mit Internet an Bord ausgerüstet.»

Und das Angebot scheint viel Anklang zu finden. Denn als Teil der Lufthansa-Gruppe geht auch bei der österreichischen Fluggesellschaft der Ausbau weiter: «Bis 2029 werden sukzessive alle Flugzeuge der Austrian Airlines-Flotte mit einem leistungsstarken Highspeed-Internetzugang über Starlink ausgestattet.»

Adieu Offline-Zeit – hallo Erwartungsdruck?

Was technisch nach Fortschritt klingt, sorgt psychologisch für Bauchweh. Denn viele Menschen sehnen sich nach digitaler Ruhe – nutzen das Netz dann aber trotzdem, sobald es verfügbar ist.

Aber warum?

Christian Montag von der Universität Macau in China ist Digitalexperte und erklärt das Phänomen gegenüber Nau.ch: «Vieles was wir online machen, geschieht mittlerweile gewohnheitsgemäss und wenig reflektiert.»

Freust du dich auf gratis Internet an Board?

Ein Schlüssel zum Verständnis sei das A/B-Testing der Industrie hinter den sozialen Medien, so der Digitalexperte. Über viele Jahre sei untersucht worden, wie sich durch Designelemente das Verhalten der Nutzenden beeinflussen lasse.

Mit dem Ziel, die Verweildauer auf den Plattformen gezielt zu verlängern: Push-Notifikationen, Likes, Endless Scrolling, Farbwelten, Personalisierung und weitere Faktoren.

Der «romantische» Rückzugsort

Gerade deshalb habe das Flugzeug bislang eine besondere Rolle gespielt. Denn hier wollen viele bewusst offline bleiben: «Ich glaube, dass Menschen diesen Ort ‹romantisieren›, weil es einer der letzten Offline-Rückzugsorte ist», so Montag.

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Der «romantische» Rückzugsort wird bald zum WLAN-Hotspot. (Symbolbild) - pexels

Noch müsse Internet an Bord meist bezahlt werden und sei oft instabil. Zudem wüssten Umfeld und Kollegen: Wer im Flieger sitzt, ist nicht erreichbar.

«Wenn jemand im Flugzeug ist, gibt es aktuell keine Erwartungshaltung, dass die Person sofort auf alles reagiert. Das entspannt natürlich auch diejenigen, die im Flieger sitzen», so Montag weiter.

Doch genau diese Entspannung könnte jetzt verschwinden.

Digital erschöpft – aber Verhaltensmuster sind zu stark

Digitale Erschöpfung, fest eingeübte Gewohnheiten und der gesellschaftliche Druck, permanent erreichbar zu sein, spielen laut Montag eine grosse Rolle: «Viele von uns sehnen sich nach Entschleunigung und einer Digitalauszeit. Wenn wir dann aber mal Urlaub haben und uns diese gönnen könnten, fällt uns dies nicht leicht. Die Digitalverhaltensmuster sind einfach sehr stark eingeübt.»

Eigentlich wünschen wir uns also Offline-Zeit. Doch sobald WLAN verfügbar ist, nutzen wir es trotzdem sofort – automatisch. Und das bald auch am letzten Offline-Ort: Im Flugzeug.

Kommentare

User #3262 (nicht angemeldet)

Wir wollen das nicht? Doch doch. Die meisten sind eh schon süchtig!

User #4505 (nicht angemeldet)

Nau ist am Ende 😅

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