St. Gallen finanziert Baumpflanzungen auf privaten Grundstücken!
St. Gallen finanziert Baumpflanzungen auf privaten Grundstücken gegen die Hitze. Die Kostenübernahme durch die Stadt sorgt auch für Kritik.

Mit zusätzlichen Bäumen will die Stadt St. Gallen die Folgen zunehmender Hitzeperioden im Siedlungsgebiet abmildern. Seit zwei Jahren unterstützt sie deshalb auch Baumpflanzungen auf privaten Grundstücken.
Damit sollen mehr schattige Flächen entstehen, die Hitzebelastung gesenkt und Grünflächen erhalten beziehungsweise ersetzt werden.
Etwa 170 Bäume gepflanzt
Das Angebot richtet sich an private Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, Unternehmen und Institutionen. Wer einen Baum pflanzen möchte, erhält Unterstützung bei der Auswahl einer geeigneten Art und eines passenden Standorts.

Stadtgrün übernimmt anschliessend die Kosten für den Baum sowie für die Pflanzung durch eine beauftragte Gartenbauunternehmung. Im ersten Jahr nach Einführung des Programms wurden rund 100 Bäume auf privatem Grund gepflanzt.
Im zweiten Jahr kamen etwa 70 weitere dazu. Das geht aus einem Artikel von «SRF» hervor. Genutzt wurde das Angebot vor allem von Besitzerinnen und Besitzern von Einfamilienhäusern.
Auch Baugenossenschaften, eine Kirche und ein Unternehmen beteiligten sich an der Aktion.
Finanzierung bereits bewilligt
Die Stadt verfolgt mit dem Programm kein festgelegtes Mengenziel. Im Vordergrund stehe, dass der Baumbestand tatsächlich wachse, sagt Adrian Stolz, Leiter der Dienststelle Stadtgrün gegenüber «SRF».
Neue Pflanzungen sollen unter anderem Bäume ersetzen, die wegen Neubauten oder Erweiterungen entfernt wurden. Gleichzeitig soll der Anteil an Grünflächen in der Stadt erhöht werden.
Die Stadt begründet die Unterstützung auf privatem Grund mit dem Nutzen für die Allgemeinheit. Bäume tragen nach Angaben von Stadtgrün zur Verbesserung des Stadtklimas bei, filtern Feinstaub, produzieren Sauerstoff und können an heissen Tagen für tiefere Temperaturen sorgen.
Die Finanzierung erfolgt über bereits bewilligte Mittel aus der städtischen Biodiversitätsstrategie. Neben der Baumpflanzungsaktion stellt die Stadt während Hitzeperioden weitere Informationen zur Verfügung.

Digitale Karten zeigen besonders stark erwärmte Gebiete sowie Brunnen und kühlere Aufenthaltsorte. Damit sollen sich Einwohnerinnen und Einwohner während Hitzewellen besser orientieren können.
Kritik für städtisches Vorgehen
Die Förderung von Bäumen auf privaten Grundstücken wird jedoch auch kritisch hinterfragt. Die St. Galler FDP-Stadtparlamentarierin Corina Saxer hält in einer Einfachen Anfrage an den Stadtrat fest, dass die Förderung des Baumbestandes grundsätzlich zu begrüssen sei.
Bäume würden das Stadtklima verbessern, zur Biodiversität und zur Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig stellt sich für Saxer die Frage, ob die öffentliche Hand private Investitionen auf privatem Grund vollständig finanzieren soll.
Angesichts der angespannten Finanzlage und notwendiger Sparanstrengungen müssten staatliche Leistungen auf ihre Notwendigkeit, Verhältnismässigkeit und Wirksamkeit überprüft werden. Aus liberaler Sicht solle der Staat private Verantwortung ergänzen und nicht ersetzen.
Stadt soll Kosten offenlegen
Die dauerhafte Vollfinanzierung privater Baumpflanzungen sei deshalb hinsichtlich Rechtsgrundlage, Mitteleinsatz und Prioritätensetzung kritisch zu prüfen.
Der St. Galler Stadtrat soll unter anderem darlegen, wie hoch die jährlichen Kosten des Programms sind, auf welcher gesetzlichen Grundlage es basiert und wie der öffentliche Nutzen sowie die Kosteneffizienz beurteilt werden.
Eine Antwort des Stadtrates steht noch aus. Zusätzlich zur Förderung neuer Bäume bleibt die Zahl der Fällungen ein Thema.
2025 wurden 93 Fällgesuche von Privaten von der Stadt bewilligt. Auf öffentlichem Grund musste die Stadt 2024 aus Sicherheitsgründen 72 Bäume entfernen, im vergangenen Jahr weitere 34.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.








