Toggenburg

So kämpft sich Toggenburger Weltklasse-Mountainbikerin zurück

Shannon Senn
Shannon Senn

Toggenburg,

Trotz einer schwierigen Saisonvorbereitung fährt Ramona Forchini wieder regelmässig in die Top 10. Die Toggenburgerin glaubt, dass noch mehr möglich ist.

Forchini
Für Ramona Forchini lief die Saisonvorbereitung nicht wie geplant. - BIXS

Eigentlich hätte der Weg zurück an die Weltspitze anders aussehen sollen. Doch Ramona Forchini musste ihre Saisonvorbereitung mehrmals neu planen.

Die Toggenburgerin liess sich davon nicht ausbremsen und fährt bereits wieder regelmässig in die Top 10. Sie ist überzeugt, dass noch mehr möglich ist.

Redaktion: Ramona Forchini, Ihre Saisonvorbereitung verlief alles andere als ideal. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ramona Forchini: Sie war definitiv nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Durch die häufigen Infekte musste ich immer wieder Trainingsblöcke anpassen oder ganz streichen. Auch der Weltcupauftakt in Südkorea musste ich absagen.

Statt gezielt an der Intensität zu arbeiten, ging es oft darum, überhaupt wieder eine stabile Grundlage aufzubauen. Natürlich war das nicht ideal, aber ich habe versucht, in jeder Phase das Beste daraus zu machen. Aktuell bin ich in Form, aber noch nicht in Hochform.

Ramona Forchini.
Ramona Forchini. - BIXS

Redaktion: Wie schwierig war es, damit umzugehen?

Forchini: Natürlich war das demotivierend. Man arbeitet monatelang auf eine Saison hin und muss den Plan immer wieder anpassen. Nach dem zweiten und dritten Rückschlag war das schon schwierig.

Irgendwann wusste ich nicht mehr, ob noch ein weiterer folgt, das hat mir etwas das Vertrauen und die Motivation genommen. Verloren war die Saison keinesfalls – aber die Zeit drängte.

Gleichzeitig habe ich versucht, den Fokus darauf zu legen, was ich beeinflussen kann, statt mich über das zu ärgern, was nicht mehr zu ändern ist. Ganz nach dem Motto: Nach Plan A, B und C folgt Plan D.

Redaktion: Hat das geklappt?

Forchini: Mehrheitlich ja. Die Erfahrung aus früheren Ausfällen hat mir geholfen. Ich wusste ungefähr, wie mein Körper reagiert und wie lange es dauert, bis ich wieder auf mein Niveau komme. Seit April läuft es zum Glück wieder runder.

Redaktion: Trotzdem mussten Sie die Schweizermeisterschaft in Leysin Mitte Juli absagen.

Forchini: Nach dem Weltcup in Andorra habe ich gemerkt, dass mein Körper etwas Zeit braucht, um sich vom grossen Rennblock zu erholen.

Gemeinsam mit dem Team haben wir entschieden, auf die Schweizer Meisterschaft zu verzichten, um die weiteren Saisonhöhepunkte nicht zu gefährden.

Redaktion: Das klingt, als seien Sie trotz der vielen Herausforderungen positiv gestimmt.

Forchini: Das bin ich auch. Ich habe gemerkt, dass trotzdem vieles möglich ist. In der Ausdauer bin ich mittlerweile stärker als in den vergangenen Jahren.

Was mir aktuell noch etwas fehlt, sind die kurzen, intensiven Belastungen, weil diese Trainingsblöcke in der Vorbereitung zu kurz kamen. Ich bin aber überzeugt, dass ich diesen Rückstand in den nächsten Wochen ausgleichen kann.

Forchini
Ramona Forchini: «Nach dem Weltcup in Andorra habe ich gemerkt, dass mein Körper etwas Zeit braucht, um sich vom grossen Rennblock zu erholen.» - BIXS

Redaktion: Und generell hat die Saison insgesamt vielversprechend begonnen. Wie blicken Sie auf die ersten Rennen zurück?

Forchini: Ich bin sehr zufrieden und auch erleichtert. Nach diesem Winter hätte ich nicht erwartet, bereits so konstant um die Top 10 mitzufahren.

Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Gleichzeitig gibt es mir Motivation, weil ich weiss, dass noch mehr möglich ist.

Redaktion: Sie wurden in dieser Saison mehrfach von Materialdefekten ausgebremst – unter anderem am Weltcup in Andorra, als Sie in den Top 5 waren.

Forchini: Ja, das stimmt leider. Solche Situationen gehören zum Sport dazu, auch wenn sie natürlich ärgerlich sind.

In dieser Saison hatten wir im Team immer wieder mit Defekten zu kämpfen. Für das BIXS Race Team ist das eine ungewohnte Situation, denn im vergangenen Jahr hatten wir kaum Probleme.

Verfolgst du die Schweizer Mountainbike-Fahrerinnen?

Durch einen Materialwechsel passt die Abstimmung der einzelnen Komponenten noch nicht überall optimal. Das Team arbeitet intensiv daran, die Probleme zu lösen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das bald in den Griff bekommen.

Redaktion: Worauf kommt es aus Ihrer Sicht an, um auch in den kommenden Rennen eine gute Leistung zu zeigen?

Forchini: Entscheidend ist, dass ich meine aktuelle Leistungsfähigkeit im Rennen konstant abrufen kann. Die gute Form ist da, jetzt geht es darum, die Rennen sauber durchzubringen und die kleinen Details zu optimieren. Wenn mir das gelingt, sind gute Resultate möglich.

Redaktion: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Resultat an der Europameisterschaft?

Forchini: Von unserer Heimeuropameisterschaft bin ich ganz ehrlich einfach nur enttäuscht. Mein realistisches Top-5-Ziel habe ich mit Rang 15 bei Weitem verpasst. Doch mehr als der Rang nervt mich das schlechte Gefühl auf dem Bike.

Ich merkte schnell, dass ich heute nicht die Beine habe, um dieses Ziel erreichen zu können. Ich fand den Flow leider nie und es war zäh vom Anfang bis zum Schluss.

Redaktion: Und worauf freuen Sie sich in den kommenden Wochen am meisten?

Forchini: Zum einen freue ich mich auf die WM Ende August in Italien. Die Strecke in Val di Sole liegt mir und ich verbinde viele positive Erinnerungen mit diesem Ort.

Eine Weltmeisterschaft ist immer etwas Besonderes – das sorgt natürlich nochmals für zusätzliche Motivation. Gleichzeitig freue ich mich auf die verbleibenden drei Weltcup-Rennen.

Redaktion: Zum Schluss: Wenn Sie am Ende der Saison zurückblicken: Was müsste passiert sein, damit Sie sagen können, dass es trotz aller Rückschläge eine erfolgreiche Saison war?

Forchini: Für mich wäre die Saison erfolgreich, wenn ich mein Potenzial konstant abrufen kann. Nach der schwierigen Vorbereitung wäre das ein schönes Zeichen.

Mein Ziel ist es, mich dauerhaft in den Top 10 zu etablieren. Und wenn am Ende sogar noch mehr möglich ist, nehme ich das natürlich sehr gerne mit.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Toggenburger Zeitung» erschienen.

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