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Sina Ziegler: «Wunsch ist, am Ironman Hawaii teilzunehmen»

Shannon Senn
Shannon Senn

Wil,

Sina Ziegler gewann bei ihrer ersten Ironman-Langdistanz den Meistertitel ihrer Altersklasse. Sie blickt auf ihren Weg zurück und spricht über ihre Ziele.

Sina Ziegler
Die Kaltbrunner Profi-Triathletin Sina Ziegler stellte sich beim Ironman Switzerland in Thun erstmals der Langdistanz. - zVg

3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und einen Marathon laufen: Beim Ironman Switzerland in Thun stellte sich die Kaltbrunner Profi-Triathletin Sina Ziegler erstmals der Langdistanz.

Die 25-Jährige gewann auf Anhieb den Schweizer Meistertitel in ihrer Altersklasse und überzeugte mit Rang 15 im Profifeld. Sie spricht über ihren Weg zum Triathlon, die intensive Vorbereitung und ihren grossen Traum von der Ironman-WM.

Redaktion: Sina Ziegler, wie sind Sie überhaupt zum Triathlon-Sport gekommen?

Sina Ziegler: Hauptsächlich durch meinen Vater. Er machte hobbymässig am Ironman Rapperswil mit und ich schaute ihm ein paar Mal dabei zu. Ich machte zu dieser Zeit noch Leichtathletik.

Sina Ziegler
Sina Ziegler: «Mein Ziel war es, meine erste Langdistanz erfolgreich zu absolvieren.» - zVg

Irgendwann fand in der Lintharena in Näfels ein Kidstriathlon, also ein Triathlon für Kinder, statt. Ich nahm teil und habe gewonnen, das motivierte mich natürlich.

Redaktion: Und jetzt haben Sie an Ihrer ersten Ironman-Langdistanz teilgenommen.

Ziegler: Genau. Das war eine neue Challenge für mich. Davor habe ich immer die Mitteldistanz gemacht, die nur halb so lang ist. Dort war ich lange sehr erfolgreich.

Mit dem Wechsel ins Profifeld wurde die Konkurrenz jedoch deutlich stärker, weil ich nicht mehr nur gegen Athletinnen meines Alters antrat. Für die Schweizermeisterschaft wurde ich dann wieder in meiner Altersklasse gewertet.

Redaktion: Und dort sind Sie bei der ersten Teilnahme Schweizermeisterin geworden.

Ziegler: Ja, und darüber habe ich mich riesig gefreut. Es war schön, wieder einmal vorne mitzumischen und auf dem Podest zu stehen.

Dieses Gefühl habe ich ein bisschen vermisst, seit ich in der Profiklasse war. Dieser Sieg und der Vergleich im Profifeld gaben mir die Bestätigung, dass ich auf dieser Distanz viel Potenzial habe.

Redaktion: Was ging Ihnen im Ziel als erstes durch den Kopf?

Ziegler: Ich war einfach froh, im Ziel zu sein. Ich hatte in den Wochen vor dem Wettkampf mit Hüftproblemen zu kämpfen und wusste daher nicht, wie es beim Marathon laufen wird.

Gleichzeitig merkte ich, dass mir diese Distanz liegt. Dass ich Schweizermeisterin geworden war, wusste ich im Ziel noch gar nicht. Erst als ich später die Resultate anschaute, wurde mir klar, dass es für den ersten Platz gereicht haben müsste.

Redaktion: Haben Sie vor dem Start mit einem solchen Resultat gerechnet?

Ziegler: Ich habe mich ehrlich gesagt gar nicht so sehr damit befasst, auf welchem Platz ich lande. Mein Fokus lag darauf, meine erste Langdistanz erfolgreich zu meistern.

Rückblickend überrascht mich der Sieg aber nicht allzu sehr. Im Profifeld sind die meisten Athletinnen älter als ich. Es war daher durchaus realistisch, dass ich in meiner Altersklasse ganz vorne mitmischen konnte.

Sina Ziegler
Beim Ironman Switzerland in Thun gewann Sina Ziegler auf Anhieb den Schweizer Meistertitel in ihrer Altersklasse und überzeugte mit Rang 15 im Profifeld. - zVg

Redaktion: Im Profifeld haben Sie den 15. Rang erreicht. Was bedeutet das für Sie?

Ziegler: Am Rang selbst orientiere ich mich gar nicht so sehr, sondern mehr am Rückstand zu den anderen. Trotzdem ist es natürlich schön zu wissen, dass ich auch im Profifeld eine gute Leistung zeigen kann und konkurrenzfähig bin.

Redaktion: Und welche Disziplin verlief für Sie am besten?

Ziegler: Das Velofahren. Es ist unterdessen auch meine klare Stärke. Als Kind fährt man im Triathlon nicht so viel Velo, deshalb musste ich mich später auch zuerst daran gewöhnen. Unterdessen mache ich es aber fast am liebsten.

Redaktion: Wie genau haben Sie sich für den Ironman in Thun vorbereitet?

Ziegler: Grundsätzlich dauerte diese Vorbereitung gut vier Jahre – also so lange, wie ich intensiv Triathlon mache. Ich trainiere 25 Stunden pro Woche. Für den Wechsel von der Mittel- zur Langdistanz habe ich dann im letzten Herbst meine Trainings etwas angepasst, indem ich zum Beispiel längere Strecken Velo fahre.

Redaktion: Und wo trainieren sie meistens?

Ziegler: Eigentlich immer in der Region. Das Linthgebiet ist ideal zum Trainieren, das war mir lange gar nicht bewusst – es war einfach selbstverständlich. Die kilometerlangen, flachen Strecken eignen sich perfekt für Intervalltrainings auf dem Velo.

Andere müssen das in einer Halle machen, und ich kann dafür nur vor die Haustüre. Rennen tu ich am liebsten im Benkner Büchel, weil es einfach eine schöne Strecke ist. Und fürs Schwimmen gehe ich in die Lintharena.

Redaktion: Neben dem vielen Training studieren Sie ja auch noch.

Ziegler: Genau, ich mache meinen Master in Rechtswissenschaft und schliesse nächsten Februar ab. Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bekommen, aber aktuell geht es eigentlich.

Verfolgst du Triathlon-Wettkämpfe?

Ich schreibe gerade meine Masterarbeit und habe im Moment keinen Unterricht. So kann ich meine Zeit frei einteilen, was ein grosses Privileg ist. Aber auch während den Unterrichtsblöcken ist es machbar, denn ich kann meinen Stundenplan selbst zusammenstellen.

In den Lernphasen ist es manchmal schon herausfordernd, aber wenn ich immer dranbleibe, geht es ganz gut.

Redaktion: Und haben Sie daneben noch Freizeit?

Ziegler: Ja, ich unternehme gerne etwas mit Freunden. Auch wenn wir dann meist etwas Sportliches machen, wie aufs Velo gehen. In den Ausgang gehe ich nie, aber ich habe es auch gar nicht vermisst.

Und im Sommer gehe ich nicht in die Ferien, sondern ins Trainingslager. Nach aussen sieht es vielleicht nach Verzicht aus, aber für mich ist es ganz normal. Ich sehe eher die Privilegien, die ich durch den Sport erfahre, wie beispielsweise neue Orte zu entdecken.

Redaktion: Wer hat Sie auf Ihrem bisherigen Weg besonders unterstützt?

Ziegler: In erster Linie, und zwar mit ganz viel Abstand, meine Eltern. Sie begleiten mich an fast alle Rennen, auch im Ausland, und richten oft ihre Wochenenden und Ferien nach mir. Da ich noch studiere, sind sie auch finanziell eine grosse Unterstützung.

Als zweites auch meine Trainer und Trainingskollegen, die mir mit ihrer Erfahrung und Motivation eine grosse Stütze sind. Und natürlich die Sponsoren. Ich bin in keinem Verband und organisiere alles selbst – ohne Sponsoren wäre das Ganze nicht tragbar.

Redaktion: Zum Schluss: Welche sportlichen Ziele haben Sie weiterhin?

Ziegler: Ich möchte mich weiterhin auf die Langdistanz konzentrieren und verletzungsfrei bleiben. Und langfristig ist es ein grosser Wunsch, als Profi an der Ironman-WM auf Hawaii teilzunehmen.

Hinweis

Dieses Interview ist zuerst in der «See und Gaster Zeitung» erschienen.

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