Rettungsmediziner wollen Patienten bei Fehlalarm mehr verrechnen

    Die Notfallstationen sind überlastet. Um das Personal zu entlasten, gibt es verschiedene Ansätze: unter anderem die Erhöhung des Selbstbehalts bei Bagatellen.

    Notfall
    Die Schweizer Notfallstationen sind am Anschlag, das Personal überlastet. Nun wird nach Lösungen gesucht. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Schweizweit sind Notfallstationen am Anschlag.
    • Teil des Problems sind Bagatellfälle, die eigentlich keine Notfallbehandlung bräuchten.
    • Um das Personal zu entlasten, werden verschiedene Lösungsansätze diskutiert.

    Die Lage auf den Schweizer Notfallstationen spitzt sich zu. Vincent Ribordy, oberster Notfallmediziner des Landes, hat deshalb öffentlich Alarm geschlagen. Er bezeichnet das Ausmass der Belastung als «beispiellos».

    Notfall
    Ein Bild aus dem Notfallzentrum des Berner Inselspitals: Zurzeit sind viele Spitäler am Anschlag. - Keystone

    Es fehle überall an ausgebildetem Personal, so Ribordy. «Wir stehen am Rande des Zusammenbruchs. So kann es nicht weitergehen», warnt der Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin (SGNOR).

    Haben Sie den Notfall schon einmal aufgesucht?

    Als Lösungsansatz schlägt Ribordy unter anderem eine Zugangsbeschränkung für Notfallstationen vor. Ist das in der Schweiz überhaupt realistisch?

    Gabriela Kaufmann, Geschäftsführerin der SGNOR, geht auf Nachfrage von Nau.ch weiter auf die Vorschläge Ribordys ein: «Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel auf bestimmte, nicht absolut dringliche Notfälle eine erhöhte Selbstbeteiligung zu verlangen.»

    Sie stellt jedoch auch klar, dass die vorgeschlagene Zugangsbeschränkung in Zusammenarbeit mit allen Sozial- und Gesundheitspartnern geschehen müsse.

    Notfallstation
    Eine Möglichkeit das Notfall-Personal zu entlasten, wäre ein erhöhter Selbstbehalt bei Bagatellen. - Keystone

    Weiter sagt Kaufmann, dass es eine Option sei, weiterführende und nicht dringliche Abklärungen nur noch bedingt an bestimmten Tageszeiten anzubieten. So könnten beispielsweise weiterführende Röntgenuntersuchungen an Bedingungen geknüpft und nur dann durchgeführt werden, wenn Zeit dafür vorhanden ist.

    Eine landesweite Lösung hält Kaufmann jedoch für unrealistisch: «Schweizweit einheitliche Lösungen sind kaum möglich, da die Gesundheitsversorgung kantonal organisiert ist.»

    Spitäler sind zurückhaltend

    Die Spitäler halten sich mit Aussagen zu einer möglichen Notfall-Zugangsbeschränkung zurück. Das Universitätsspital Zürich und das Inselspital in Bern verweisen auf die SGNOR.

    Vincent Ribordy
    Vincent Ribordy ist der oberste Notfallmediziner der Schweiz. - Keystone

    Einzig das Universitätsspital Basel äussert sich – und hält wenig vom Vorschlag Ribordys. «Wir sind der regionale Maximalversorger, eine Zugangsbeschränkung ist bei uns nicht möglich», erklärt Kommunikations-Leiter Nicolas Drechsler auf Anfrage.

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