Remo Hegglin lockt Zuger Erinnerungen aus der Deckung
Remo Hegglin verbindet und archiviert Geschichten aus dem Kanton Zug mit dem «Betreff: Zug».

«Betreff: Zug» macht Geschichten, Erinnerungen und Entwicklungen aus dem Kanton digital zugänglich. Hinter dem Projekt steht ein neu gegründeter Verein, der die Plattform langfristig weiterentwickeln will.
Was bleibt von einem Kanton, wenn man nicht nur auf seine Gebäude, Strassen und bekannten Orte schaut? Es sind vor allem die Geschichten der Menschen, ihre Erinnerungen und Erlebnisse, die sichtbar machen, wie sich eine Region über die Jahre verändert hat.
Genau diesen Geschichten widmet sich die neue digitale Plattform «Betreff: Zug». Sie will festhalten, was den Kanton Zug bewegt. Von persönlichen Lebensgeschichten über politische und gesellschaftliche Entwicklungen bis hin zu kulturellen Ereignissen und besonderen Begebenheiten.
Seit der Gründung des Vereins «Betreff: Zug» am 2. September 2026 ist die Plattform mit ersten Beiträgen online. Hinter dem Projekt steht der Zuger Filmemacher und Kulturschaffende Remo Hegglin.
Die Idee dazu entstand aus seinem Interesse an Geschichten, die im Alltag vielleicht nur am Rand wahrgenommen werden, die aber dennoch etwas über Zug und seine Menschen erzählen.
Hegglin ist hauptsächlich für die Erstellung der Beiträge verantwortlich und möchte dabei unterschiedliche Stimmen und Perspektiven zusammenbringen. «Unser Ziel ist es, jene vielfältigen Geschichten aufzuspüren, die eng mit dem Kanton Zug verbunden sind», erklärt er.
Einzige Voraussetzung für eine Geschichte ist ein klarer Bezug zum Kanton. Ansonsten bleibt bewusst viel Raum: Eine politische Biografie kann ebenso Platz finden wie die Erinnerung an eine Person, ein gesellschaftliches Phänomenoder eine kulturelle Entwicklung. Auch bei der Form gibt es keine festen Vorgaben.
Texte, Gespräche, Audio-Beiträge und historische Quellen können Teil der Plattform werden. So soll mit der Zeit eine Sammlung entstehen, die einerseits grossen Ereignisse der Zuger Geschichte festhält, andererseits auch jene persönlichen Geschichten zeigt, die sonst leicht in Vergessenheit geraten.
Von Zeitzeugen bis zu historischen Quellen
Wie vielfältig die Geschichten auf «Betreff: Zug» sein können, zeigen bereits die ersten veröffentlichten Beiträge. Einer davon beschäftigt sich mit der politischen Laufbahn von Hanspeter Uster. In einem Audio-Feature wird seine Zeit als erster linker Sicherheitsdirektor des Kantons Zug aufgearbeitet.
Dabei steht neben der politische Funktion auch die Person dahinter und die Frage, welche Spuren eine solche politische Biografie im Kanton hinterlassen hat im Zentrum. Ein anderer Beitrag führt zurück zu Hans Windlin, dem ehemaligen Landschreiber, der als eigenwillige und nicht immer bequeme Persönlichkeit in Erinnerung geblieben ist.

Für die Aufarbeitung seiner Geschichte wurden unter anderem Erinnerungen seiner Tochter Sabine herangezogen. Persönliche Erlebnisse treffen dabei auf schriftliche Quellen, die für den Beitrag zusammengetragen und aufbereitet wurden.
Gerade diese Verbindung verschiedener Perspektiven gibt den Geschichten eine persönliche Nähe und macht vergangene Ereignisse auch für jene zugänglich, die sie nicht selbst erlebt haben. «Betreff: Zug» setzt damit bewusst auf unterschiedliche Formen der Geschichtsvermittlung.
Eine Geschichte muss nicht zwingend als klassischer Zeitungsartikel erzählt werden. Gespräche, Audio-Beiträge, persönliche Erinnerungen und historische Dokumente können ebenso ihren Platz finden.
Für Hegglin ist diese Mischung wichtig, denn gerade persönliche Erinnerungen können einen Zugang zu einer Zeit schaffen, der in offiziellen Dokumenten oft fehlt. Seine Erfahrung mit ähnlichen Oral-History-Projekten fliesst dabei in die Arbeitander Plattform ein.
Ein Verein als Fundament
Damit aus der Idee langfristig mehr als eine lose Sammlung einzelner Beiträge wird, wurde am 2. September der Verein «Betreff: Zug» gegründet. Er bildet das organisatorische Fundament der Plattform und soll deren Weiterentwicklung auch über die ersten Veröffentlichungen hinaus ermöglichen.
Im Vorstand engagieren sich Präsidentin Claudia Schmid-Bucher und Kassier René Kläy. Fachlich wird das Projekt durch den Zuger Historiker Thomas Zaugg unterstützt. Gleichzeitig soll er dazu beitragen, dass die historischen Inhalte sorgfältig eingeordnet und fachlich geprüft werden.
Gerade bei persönlichen Erinnerungen und mündlich überlieferten Geschichten ist eine solche Einordnung wichtig, da individuelle Wahrnehmungen immer auch von der eigenen Erinnerung geprägt sind. Die Plattform versteht sich zudem nicht als abgeschlossenes Archiv, das lediglich von einer kleinen Gruppe aufgebaut wird.
Vielmehr soll die Sammlung mit den Menschen im Kanton wachsen. Wer eigene Erinnerungen, Geschichten, Fotografien, Dokumente oder andere Quellen besitzt, die einen Bezug zu Zug haben, soll diese einbringen können.
«Jede Unterstützung, sei sie gross oder klein, trägt dazu bei, dass die Plattform weiter wächst und ein möglichst umfassendes Bild des Kantons Zug vermittelt», sagt Hegglin. Ebenfalls sollen Institutionen dabei eine Rolle spielen. Angedacht sind Kooperationen mit Archiven und Museen, aber auch mit Schulklassen.
Gerade der Austausch mit jüngeren Generationen könnte dazu beitragen, Zuger Geschichte aus einem weiteren Blickwinkel zu betrachten und gleichzeitig Interesse an der eigenen Region zu fördern.
Geschichte zum Mitmachen
Für Hegglin steht hinter «Betreff: Zug» deshalb nicht allein der Gedanke, Vergangenes zu bewahren. Die Plattform soll zeigen, wie sich der Kanton Zug verändert hat und welche Menschen, Ereignisse und Entwicklungen ihn dabei beeinflusst haben.
Dabei geht es nicht nur um die grossen historischen Eckpunkte. Oft sind es gerade die persönlichen Geschichten und Erinnerungen, die einen Einblick in eine Zeitgebenund sichtbar machen, wie das Leben in Zug einst aussah.
Mit den ersten Beiträgen ist dafür ein Anfang gemacht. Weitere Geschichten sollen laufend dazukommen. So soll über die Zeit eine digitale Sammlung entstehen, die unterschiedliche Generationen und Perspektiven miteinander verbindet.
Zuger Geschichte wird dabei nicht ausschliesslich aus der Sicht von Institutionen oder anhand offizieller Dokumente erzählt. Auch die Erinnerungen jener Menschen, die Entwicklungen miterlebt oder selbst mitgeprägt haben, sollen ihren Platz erhalten.

Wer eine solche Geschichte kennt oder selbst etwas zu erzählen hat, kann sich an «Betreff: Zug» wenden. Die Plattform lebt letztlich davon, dass Menschen ihr Wissen und ihre Erinnerungen teilen. So kann aus einzelnen Geschichten nach und nach ein vielfältiges Bild des Kantons entstehen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.








