Politischer Film von gestern aus der Sicht von heute in Solothurn
Die 62. Solothurner Filmtage widmen dem Filmkollektiv Zürich ihre Retrospektive. Das 1975 gegründete Kollektiv hat den Film als ausgesprochen politisch verstanden. Das Filmfestival fragt nun, warum die Filme bis heute aktuell sind.

Eine Art unausgesprochenes Programm des Filmkollektivs Zürich war, dass sich die Filmemacherinnen und -macher inhaltlich mit dem Schweizer Alltag befassten. Dabei waren es vor allem ästhetische Fragen – das «wie» – die die Mitglieder des Kollektivs miteinander verbunden haben.
«Wir betrachten unsere Gestaltungsarbeit als etwas wesentlich Politisches», sagte Gründungsmitglied und bis zuletzt Geschäftsleitungsmitglied Urs Graf zum 20-jährigen Bestehen in einem Interview. Das Filmkollektiv Zürich wurde 1975 gegründet. 2018 wurde es aufgelöst.
Bei der Gründung definierten die Filmschaffenden und -techniker eine neue gemeinschaftliche Form des Filmemachens. Während in der Westschweiz um Alain Tanner der «Groupe 5» entstand, taten sich in Zürich Hans und Nina Stürm, Mathias Knauer, Urs Graf, Beatrice Michel, Marlies Graf Dätwyler und Filmtechniker wie Renato Berta, André Pinkus, Robert Boner oder Carlo Varini zusammen. Im Schweizer Filmschaffen begründeten sie mit ihrem kollektiven Ansatz eine Zeitenwende.
Mit eigenen Kameras und Tonausrüstungen zogen sie los, um zu filmen. «Eine direkt politische Form des Dokumentarfilms» sei entstanden, wie die Solothurner Filmtage am Dienstag schrieben. Das Filmkollektiv Zürich hat in seinen Werken Themen wie Wohnungsnot, Atomkraft oder Selbstbestimmung aufgegriffen.
Brücke zur Gegenwart
Die Solothurner Filmtage wollen nun mit ihrer Retrospektive die Brücke zur Gegenwart schlagen und diese Themen aus heutiger Perspektive diskutieren, wie es in der Mitteilung heisst. Deswegen werden die Filmvorführungen begleitet von Gesprächen mit den Filmschaffenden. Zudem werden in zwei Diskussionsrunden Vertreterinnen und Vertreter aus der aktuellen Politik einbezogen.
Im Rahmen der Retrospektive oder des «Rencontre», wie die Filmtage ihr Spezialprogramm nennen, werden 12 Werke des Filmkollektivs Zürich gezeigt. Fünf davon wurden neu digitalisiert und untertitelt. Für das Programm «Rencontre» arbeiten die Filmtage mit der Cinématèque suisse zusammen.
Die 62. Solothurner Filmtage finden vom 20. bis 27. Januar 2027 statt.






