Pilz-Kontrolleur warnt: «Niemals auf eine Pilz-App verlassen»

Shannon Senn
Shannon Senn

Wil,

Die trockenen Monate machen es den Pilzen in diesem Jahr schwer. Trotzdem ist Peter Lenz wieder auf der Suche nach besonderen Arten.

Peter Lenz besitzt zahlreiche Bücher, mit denen er sein fundiertes Wissen stets erweitern kann.
Peter Lenz besitzt zahlreiche Bücher, mit denen er sein fundiertes Wissen stets erweitern kann. - zVg

Schon seit den 1960er-Jahren sammelt Peter Lenz leidenschaftlich Pilze. Aufgewachsen in Amden, begleitete er schon als Kind seinen Vater in den Wald. Dieser war damals ebenfalls Pilzkontrolleur.

«Mein Bruder und ich durften unsere gesammelten Steinpilze jeweils für zehn Franken pro Kilogramm verkaufen», erinnert sich Lenz. «Das war damals viel Geld für uns.» Heute lebt der Rentner in Uznach.

Seine Begeisterung für Pilze blieb auch im Erwachsenenalter bestehen. 1992 trat er dem Pilzverein March bei, vier Jahre später übernahm er das Amt des Kassiers, das er bis heute ausübt. 2004 absolvierte er die Ausbildung zum Pilzkontrolleur.

Heute vertritt er Willy Kuster, der die Pilzkontrollen in Uznach durchführt. «Ich springe ein, wenn er verhindert ist, oder unterstütze ihn, wenn viel los ist», sagt Lenz.

Peter Lenz
Schon seit den 1960er-Jahren sammelt Peter Lenz leidenschaftlich Pilze. - zVg

Auch privat ist der Rentner regelmässig mit dem Pilzkorb unterwegs. Dieses Jahr sei die Ausbeute bisher allerdings bescheiden ausgefallen. «Normalerweise findet man in höheren Lagen bereits im Juli Eierschwämme», erklärt er.

Wegen des trockenen Sommers habe es bisher aber kaum welche gegeben. «Mit etwas Regen wird es hoffentlich besser.» Auch Morcheln seien früher in der Region deutlich häufiger gewesen.

«Früher konnte man hier im Frühling viele Morcheln finden. In den letzten Jahren ist es dafür aber oft zu trocken.» Besonders gerne geht Lenz schon früh im Jahr auf Pilzsuche, da die meisten Sammler erst im Herbst in die Wälder ziehen.

«Die Hauptsaison ist im September und Oktober. Viele wissen gar nicht, dass es schon vorher zahlreiche Pilze gibt.»

Ein unbekannter Lieblingspilz

In der Region wachsen zahlreiche Pilzarten – von Steinpilzen und Eierschwämmen über verschiedene Röhrlinge bis hin zu Täublingen. «Etwa 150 essbare Arten erkenne ich auf Anhieb», sagt Lenz.

Sein persönlicher Favorit ist allerdings ein eher unbekannter Pilz: der Märzellerling. «Den kennen die wenigsten. Man muss ihn wirklich kennen, sonst läuft man einfach daran vorbei.»

Besonders gerne bereitet er daraus einen Flammkuchen zu. Daneben gebe es natürlich noch viele weitere Arten, die auch er in einem Buch nachschlagen müsse. Schliesslich existieren einige Giftpilze, die einem essbaren enorm ähnlich sehen.

Beispielsweise sei der giftige Pantherpilz nur sehr schwer vom essbaren Perlpilz zu unterscheiden. Dazu erzählt Lenz eine Anekdote: Beim Pilzesammeln in Amden kam er mit zwei Frauen ins Gespräch, die sich nach eigenen Angaben gut mit Pilzen auskannten.

Pilzen
Verschiedene Formen, Grössen und Farben: Peter Lenz hat schon unzählige Arten von Pilzen gesammelt. - zVg

«Auf meine Frage, ob sie ihre Funde kontrollieren liessen, sagten sie nein», sagt er. Als sie ihm ihre vermeintlichen Perlpilze zeigten, erkannte Lenz sofort, dass es sich um Pantherpilze handelte. «Als ich ihnen sagte, dass diese giftig seien, glaubten sie mir zunächst nicht.»

Erst nachdem er seinen Kontrollausweis zeigte und die entscheidenden Merkmale erklärte, liessen sie sich überzeugen. «Manchmal ist es wirklich schwierig, die Arten auseinanderzuhalten.»

Kontrolle schafft Sicherheit

Gerade deshalb empfiehlt Lenz, gesammelte Pilze immer bei einer offiziellen Prüfstelle kontrollieren zu lassen. Am besten bringe man sie in einem Korb oder einer Stofftasche vorbei.

Gehst du gerne auf Pilzsuche?

Von Plastiksäcken rät er ab: «Darin werden die Pilze feucht und verderben schneller.» Hilfreich sei es ausserdem, die Pilze bereits etwas vorzusortieren.

Unbekannte Arten sollten nur in kleiner Anzahl gesammelt und getrennt von den übrigen Pilzen aufbewahrt werden. «Falls sie giftig sind, kommen sie so nicht mit den essbaren Pilzen in Berührung.»

Wichtig sei auch, die Pilze möglichst rasch nach dem Sammeln kontrollieren zu lassen. Viele Arten verderben schnell – selbst im Kühlschrank. «Bei Eierschwämmen und Steinpilzen ist das weniger ein Problem, andere sind aber rasch voller Maden», erklärt Lenz.

Pilze
Lenz empfiehlt, gesammelte Pilze immer bei einer offiziellen Prüfstelle kontrollieren zu lassen. - zVg

Auch digitale Hilfsmittel könnten nützlich sein. «Mit den heutigen Apps kommt man überraschend weit. Die Gattung lässt sich oft gut bestimmen», sagt er. Eine professionelle Kontrolle könnten sie aber nicht ersetzen.

«Ich würde mich niemals zu hundert Prozent auf eine App verlassen.» Wer Pilze sammelt, sollte zudem die geltenden Vorschriften beachten. In einigen Gemeinden gelten Schontage, an denen das Sammeln verboten ist.

Die entsprechenden Regelungen lassen sich online nachschauen. Ausserdem dürfen pro Person höchstens zwei Kilogramm Pilze gesammelt werden.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «See und Gaster Zeitung» erschienen.

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