Ostschweizer Ex-Bankleiter ist jetzt Bikeguide
Über viele Jahre leitete Roman Kaiser die Raiffeisenbank in Dussnang. Heute ist der Ex-Bankleiter als Bikeguide unterwegs.

Eigentlich hatte er alles, was er sich zum Glücklichsein wünschte: eine Frau an seiner Seite, die er liebte und mit der er alles teilte, eine Arbeit, die ihn erfüllte und ihm finanzielle Sicherheit gab, und einen gesunden Körper, der ihn grösste Anstrengungen überwinden liess.
Alles lief in geordneten Bahnen. Doch von einem Moment brach die heile Welt zusammen. Als vor bald fünf Jahren seine Lebensgefährtin Ruth völlig unerwartet verstarb, war nichts mehr wie davor.
Über 40 Jahre auf dem Sattel
Mittlerweile hat Roman Kaiser sein Glück wiedergefunden. Dabei geholfen haben ihm vor allem ein unerschütterlicher Optimismus und nicht zuletzt auch seine sportlichen Aktivitäten.
«Der Bikesport begleitet mich mehr als 40 Jahre. Schon während der Zeit, als ich noch die Bank leitete, fand ich auf meinem Bike einen Ausgleich zum Berufsalltag», erzählt er.
Ganz besonders angetan hatten es ihm schon immer steile Anstiege und anspruchsvolle Abfahrten. «Das Tannzapfenland bietet unmittelbar vor unserer Haustür alles, was sich ein Biker wünschen kann», betont Kaiser.

«Wenn ich abends Sitzungstermine hatte und mir untertags ein paar Minuten frei machen konnte, setzte ich mich auf den Sattel und trat in die Pedale. So konnte ich mich nicht nur körperlich fit halten, sondern auch gut abschalten und den Kopf freimachen für neue Ideen.»
Den vor kurzem eröffneten Top-Trail Tannzapfenland sieht der versierte Bikeguide als Bereicherung. «Was mir daran speziell gefällt, ist, dass sich jeder die Abfahrt selbst verdienen muss und nicht einfach mit der Bahn hochfahren kann».
Von der Bergwelt fasziniert
Wenn es an den Wochenenden die Zeit zuliess, unternahm Roman Kaiser auch regelmässig Ausflüge über die Region hinaus. In den Bergen Graubündens entdeckten er und seine verstorbene Partnerin gemeinsam die Leidenschaft für Touren im Gebirge.
Das Prättigau wurde gewissermassen zur zweiten Heimat und noch heute zieht es ihn immer wieder an den Fuss der Sulzfluh und an den Partnunsee. Gut 20 Jahre ist es nun her, seitdem Kaiser die Neugier packte und er Touren in fernen Ländern in Angriff nahm.
Die Landschaften im Jemen, in Marokko und insbesondere im Himalaya zogen ihn in ihren Bann. Darauf angesprochen, was die Faszination solcher Projekte ausmacht, muss er nicht lange überlegen.
«Es ist eine Mischung aus Reiselust, Neugier, Exotik und körperlicher Herausforderung, die mich auf meinen Touren begleitet. Fremde Landschaften und Kulturen sowie die Begegnungen mit den Menschen haben mich bereichert. Mein Horizont hat sich insgesamt erweitert.»
Touren auf dem Dach der Welt
Seine jüngste Biketour brachte den Dussnanger einmal mehr in den Himalaya, wo er eine rund sechsköpfige Gruppe sicher bis über 5000 m ü.M. führte. «In dieser Höhe sind eine gute Kondition und Akklimatisation absolut entscheidend», weiss Kaiser.

Dass er schon mehrfach Touren im Hochgebirge und speziell auf dem Dach der Welt durchgeführt hat, gibt ihm die nötige Sicherheit. Zusätzlich kann er im Notfall auf die Unterstützung seines Auftraggebers, der Mountainbikereisen.ch GmbH zählen, bei dem er unter Vertrag ist.
«Dass wir vor Ort einen langjährigen Partner haben, macht vieles einfacher. Wir sind gut vernetzt und wissen in jedem Fall, was zu tun wäre», betont der Bikeguide.
Mit dem Schicksal ausgesöhnt
Am Himalaya fasziniert ihn nicht nur die Landschaft. Auch die buddhistische Lebensanschauung hat den 60-Jährigen inspiriert und ihm ein Stück weit dabei geholfen, über den Verlust seiner Partnerin hinwegzukommen.
«Mein Zugang zu Leben und Tod hat sich verändert. Den Tod sehe ich keinesfalls als etwas Endgültiges. Ich sehe ihn als Übergang zu etwas Neuem, als Überschreiten einer Schwelle. Selbst wenn dieser Schritt schwerfällt und schmerzt», so der Tourenleiter.
Mit dem Schicksalsschlag hat er sich längst ausgesöhnt. Sein Glück hat Roman Kaiser nicht nur in einer neuen Aufgabe abseits des Bankschalters gefunden, sondern auch in einer neuen Beziehung.
Dass seine verstorbene Partnerin immer einen wichtigen Platz in seinem Leben behält, gehört auch in der neuen Partnerschaft wie selbstverständlich dazu. So verrät Roman Kaiser zum Abschluss des Gesprächs ein berührendes Geheimnis.
«Der Traum von Ruth war es immer gewesen, einmal die Mongolei zu bereisen. Leider konnten wir diese Reise nicht mehr gemeinsam realisieren. Als ich dann selbst eine Reise in das asiatische Land machte, nahm ich ein wenig ihrer Asche mit und verstreute sie an einem speziellen Ort. Auch im Himalaya, wo ich mit ihr gemeinsame Erinnerungen teile, habe ich dieses Ritual vorgenommen.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.








