Krebs

    Öfters Krebs bei Menschen unter 50 – auch in der Schweiz?

    Laurin Zaugg
    Laurin Zaugg

    Bern,

    Immer mehr Menschen im Alter von unter 50 Jahren werden mit Krebs diagnostiziert. Worauf ist das zurückzuführen – und müssen wir uns Sorgen machen?

    Krebs
    Eine internationale Studie zeigt: Bei unter 50-Jährigen steigen die Krebsraten. - keystone, Pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Krebsraten bei Menschen unter 50 Jahren steigen, wie eine internationale Studie zeigt.
    • Auch in der Schweiz gibt es einzelne Krebsarten, bei denen die Anzahl Neuerkrankungen stark gestiegen ist.
    • Eine Expertin ordnet gegenüber Nau.ch ein, was die Gründe dafür sein könnten.

    Fortgeschrittenes Alter ist immer noch Risikofaktor Nummer eins für Krebs. Doch eine neue Studie, die letzte Woche publiziert wurde, lässt den Verdacht aufkommen, dass auch andere Faktoren zunehmenden Einfluss haben.

    Die Studie vom World Cancer Research Fund (WCRF) hat Krebsraten in den USA, England und den Niederlanden untersucht. Dabei zeigen die Erkenntnisse, dass immer mehr neue Fälle bei Menschen unter 50 Jahren diagnostiziert werden. Bei bestimmten Krebsarten ist der Anstieg in manchen Ländern erschreckend gross.

    In England beispielsweise haben sich die Ansteckungen mit Prostatakrebs bei unter 50-Jährigen seit 2001 vervierfacht. Doch woran liegt das? Und müssen wir uns auch in der Schweiz Sorgen machen?

    Die Studie, die letzten Dienstag erschienen ist, zeigt für die untersuchten Länder besorgniserregende Ergebnisse. In England wurde bei sieben Krebstypen ein «signifikanter Anstieg» bei den Erkrankungen bei unter 50-Jährigen, festgestellt.

    In den USA waren es fünf Krebstypen, bei denen die Ansteckungen in dieser Altersgruppe bedeutend zugenommen haben. In den Niederlanden waren es vier.

    Auch in der Schweiz wird die Krebsentwicklung bei unter 50-Jährigen beobachtet. Erst im vergangenen April hat ein Forschungsteam der Universität Freiburg eine Analyse veröffentlicht. Darin wurde die Entwicklung der Krebserkrankungen von 1982 bis 2021 untersucht.

    Die Analyse zeige für die Schweiz ein «differenziertes Bild». Das sagt Nicole Steck vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Sie leistet bei der Krebsliga Schweiz wissenschaftlichen Support.

    Früherkrankungen haben in der Schweiz prozentual abgenommen

    Steck erklärt: «Die absolute Zahl der Krebserkrankungen hat im untersuchten Zeitraum deutlich zugenommen von rund 25'000 Diagnosen jährlich auf über 46’000.» Das liege jedoch insbesondere an der Bevölkerungszunahme (rund 37 Prozent im Untersuchungszeitraum) und der Alterung der Bevölkerung.

    Bei den Früherkrankungen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: «Der Anteil der sogenannten ‹early onset›-Fällen hat in diesem Zeitraum von 13 auf 10 Prozent abgenommen», so Steck. Unter «early onset»-Fällen versteht man Krebserkrankungen bei 20- bis 50-Jährigen.

    Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es heute weniger Krebserkrankungen bei unter 50-Jährigen gibt. Im Untersuchungszeitraum ist das Durchschnittsalter in der Schweiz von ca. 35 auf über 44 Jahre angestiegen, weshalb es heute auch mehr Menschen über 50 Jahre gibt.

    Deshalb treten in dieser Altersgruppe auch mehr Krebserkrankungen auf. Dadurch kann der Anteil der Krebsfälle bei den unter 50-Jährigen sinken, obwohl die Anzahl der Erkrankungen in dieser Altersgruppe steigt.

    Prostatakrebsraten vervierfachen sich

    Betrachtet man die Entwicklungen bei einzelnen Krebsarten, ist auch in der Schweiz ein Anstieg bei early onset Fällen zu erkennen. Nicole Steck sagt: «Prozentmässig mit plus über 300 Prozent am stärksten zugenommen hat die altersstandardisierte Inzidenzrate von Prostatakrebs bei den unter 50-Jährigen.»

    Nicole Steck
    Nicole Steck leistet wissenschaftlichen Support bei der Krebsliga Schweiz. Zudem arbeitet sie am Institut für Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Bern. - linkedIn/@Nicole Steck

    Der Anstieg bei Prostatakrebsfällen ist in der Schweiz also gleich gross wie in England – jedoch nicht im selben Zeitraum.

    Der Zeitraum in der Schweizer Studie ist nämlich knapp doppelt so lange wie der Zeitraum der WCRF-Untersuchung. Mit rund 60 Fällen sei die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen hierzulande immer noch sehr tief, so Steck.

    Schweiz schneidet international sehr gut ab

    Auch bei Darmkrebs nehmen die Neuerkrankungen bei den unter 50-Jährigen in der Schweiz deutlich langsamer zu. In den knapp 40 Jahren zwischen 1982 und 2021 betrug der Anstieg etwas über einen Drittel.

    Zum Vergleich: Die Darmkrebsraten in England haben sich zwischen 2001 und 2023, also in etwas über 20 Jahren, mehr als verdoppelt.

    Bei den anderen, in der internationalen Studie untersuchten, Krebsarten sind die Zahlen für die Schweiz ebenfalls weniger besorgniserregend. Das zeigen auch Daten der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS). Die Raten von Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkrebs sind in der Schweiz sogar gesunken.

    Die Gründe für den Anstieg einzelner Krebserkrankungen bei den unter 50-Jährigen seien nicht ganz klar, sagt Nicole Steck: «Einerseits beeinflussen Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel und Ernährung die Entstehung gewisser Krebsarten.»

    Kennst du jemanden, der an Krebs erkrankt ist?

    Aber auch Umwelteinflüsse wie Luft- und Wasserverschmutzung, Pestizide und andere Chemikalien würden als mögliche Ursache untersucht. «Hinzu kommt, dass ein besseres Bewusstsein und Verbesserungen in der Diagnostik dazu geführt haben, dass Betroffene früher diagnostiziert werden.»

    Da die Ursachen nicht klar seien, lasse sich auch nicht einfach unterscheiden, warum einzelne Krebserkrankungen in einigen Ländern stärker ansteigen.

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    Kommentare

    User #2297 (nicht angemeldet)

    Wie die Krebsliga mitteilt, haben Krebsbetroffene gemäss Studien ein leicht erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen nach einer Infektion und sterben auch häufiger daran als Infizierte ohne Krebs. Entsprechend empfiehlt die Krebsliga Krebsbetroffenen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Impfstoffe sind geprüft und sicher und können schwere Verläufe und Todesfälle verhindern. Die Betroffenen sollten den Entscheid und den besten Zeitpunkt für eine Impfung mit ihrer Onkologin oder ihrem Onkologen besprechen.

    User #6472 (nicht angemeldet)

    Überlegt, immer die guten und Ruhigen Menscgen bekommen Krebs! Wieso? Zugleich auch Lösung?!

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