Neue App hält Trotti für Bus: Das lief im Test schief

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Bern,

Eine neue Technologie in der SBB-App soll das Ticketkaufen überflüssig machen. Doch im Test wurden auch Trottis, Velos und Autos als ÖV erkannt.

sbb community
Die neue Be-In/Be-Out-Funktion soll Fahrten automatisch erkennen. In der Test-Community berichteten Nutzerinnen und Nutzer jedoch auch über Fehlbuchungen und Probleme bei der Fahrterkennung. - sbb

Das Wichtigste in Kürze

  • Alliance SwissPass testete zwei Monate lang Be-In/Be-Out.
  • Die App erkennt Ein- und Ausstieg im ÖV automatisch.
  • In der Community berichteten Testpersonen über Erkennungsfehler.
  • Auch Trottis, Velos und Autos wurden teils als ÖV erkannt.

Einsteigen, Platz suchen, losfahren. Kein Einchecken bei EasyRide. Wenn die App aktiv geschaltet ist, hat man automatisch ein Ticket.

Genau das verspricht Be-In/Be-Out, die neue Technologie von Alliance SwissPass. Diese erkennt automatisch, wann jemand ein- und aussteigt, und verrechnet die Fahrt im Nachhinein.

«Ich will nicht mehr zurück zu EasyRide»

Rund 3000 Testpersonen nutzten das System bis Ende Juni zwei Monate lang im Alltag. In der Community zeigt sich ein gemischtes Bild.

«Ich will nicht mehr zurück zu EasyRide», schreibt eine Testperson. Andere loben, dass sie nicht mehr ans Ein- und Auschecken denken müssen.

Auto wird zum Zug, Trotti zum Bus

Zwischen den positiven Stimmen mischt sich aber auch Frust. Mehrere Nutzer berichten von falsch erkannten Fahrten.

«Mein Auto wurde heute schon wieder als Zug erkannt», schreibt einer. Ein anderer meldet, die App habe sein E-Bike als Busfahrt erfasst.

Bei einer Testperson wurde sogar eine Fahrt mit dem Leih-Trottinett zum Bahnhof als Busfahrt gewertet. Der Fehler liess sich zwar korrigieren, sorgte aber für Diskussionen.

Alliance SwissPass bestätigt die Fehler

Alliance SwissPass bestätigt gegenüber Nau.ch, dass solche Fälle bekannt sind.

«In einzelnen Fällen hat das System Fahrten nicht korrekt erkannt. So wurden beispielsweise kurze Strecken mit dem Velo, Trottinett oder Auto teilweise als ÖV-Fahrten erfasst», sagt Mediensprecher Philipp Bosshard.

Philipp Bosshard Alliance SwissPass
Philipp Bosshard, Mediensprecher von Alliance SwissPass, bestätigt, dass die automatische Fahrterkennung im Feldtest vereinzelt Auto-, Velo- und Trottinettfahrten fälschlich als ÖV-Reisen erkannt hat. - Alliance SwissPass

Dank den Rückmeldungen der Testpersonen seien bereits erste technische Anpassungen vorgenommen worden. Jede Meldung helfe, die Technologie weiterzuentwickeln.

«Kontrolleur wusste nicht, wie es funktioniert»

Nicht nur die Fahrterkennung sorgte für Gesprächsstoff. Mehrere Nutzer berichten von Unsicherheiten bei Ticketkontrollen.

Einzelne mussten dem Kontrolleur zuerst erklären, wie das System überhaupt funktioniert. Andere klagen über einen deutlich höheren Akkuverbrauch.

Würdest du Be-In/Be-Out statt EasyRide nutzen?

Wie oft die App Fahrten falsch erkannte, will Alliance SwissPass derzeit nicht beziffern. Bekannt ist: Es gingen mehrere Anfragen beim Support ein.

Darunter fallen Fragen zur Nutzung, Korrekturen von Fahrten, Lob und weitere Rückmeldungen. Sämtliche Meldungen würden ausgewertet.

Konsumentenschutz warnt vor Preischaos

Genau hier setzen die Bedenken von Konsumentenschützern an. Die Stiftung für Konsumentenschutz sieht Potenzial, aber auch Risiken.

«Die automatische Fahrterkennung hat Potenzial, ist jedoch auch fehleranfällig», sagt die Stiftung gegenüber Nau.ch. Es brauche «schnelle, unkomplizierte und kostenlose» Korrekturwege.

SBB Siemens
Be-In/Be-Out soll Fahrten im öffentlichen Verkehr automatisch erkennen. Im Feldtest kam es aber auch zu Fehlbuchungen. - SBB

VCS: «Sitze ich im Bus oder fahre ich hinter ihm?»

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) begrüsst die Idee grundsätzlich. Entscheidend sei aber, dass sie zuverlässig funktioniere.

Die Herausforderung bringt der VCS auf den Punkt: Die App müsse unterscheiden können, «ob ich nun im Bus sitze oder auf dem Velo hinter dem Bus fahre».

VCS
Blick auf den Eingang am Sitz des Zürcher VCS. - keystone

Wichtig sei zudem, dass das System freiwillig bleibe. Wer es nicht nutzen wolle oder könne, dürfe nicht benachteiligt werden.

Neben Zuverlässigkeit und Preisbildung bleibt auch der Datenschutz ein Thema. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte steht laut eigenen Angaben mit Alliance SwissPass in Kontakt. Das System müsse rechtmässig, verhältnismässig, zweckgebunden und transparent sein.

Wann Be-In/Be-Out schweizweit eingeführt wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

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Kommentare

User #5755 (nicht angemeldet)

Früher hiess es, geh mit keinem Fremden mit, gib keinem Fremden deine Persönlichen Daten blablalba... Heute: oh ja lass mich jederzeit überall verfolgen macht ja nix 🤡🤡🤡

User #5053 (nicht angemeldet)

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