Multiple Krisen: Schweizer wägen jetzt stärker ab, wem sie spenden
Überall wird Geld für die humanitäre Hilfe benötigt. Eine Umfrage zeigt, dass sich Schweizer gut überlegen, wem sie was spenden.

Das Wichtigste in Kürze
- 95 Prozent sehen Solidarität als wichtig für das Zusammenleben.
- Doch 68 Prozent erleben die Schweizer Gesellschaft als solidarisch.
- 76 Prozent prüfen vor dem Spenden, ob Bedürftige Hilfe wirklich verdienen.
Der Solidaritätsgedanke ist in der Schweiz gemäss einer Umfrage der Glückskette tief verankert. Allerdings bewegen die vielen Krisen der Gegenwart viele Spenderinnen und Spender dazu, ihre Unterstützung stärker abzuwägen.
Es begann am 26. September 1946 mit einer Sendung von Radio Sottens, dem Vorläufer von RTS.
Mit den Jahren entwickelte sich die Glückskette zur erfolgreichen nationalen Spendenorganisation: In 275 Sammlungsaktionen kamen Spendeneinnahmen von insgesamt 2,2 Milliarden Franken zusammen, wie die Glückskette am Freitag mitteilte.
Schweizer zeigen sich gerne solidarisch
Unterstützt wurden Hilfsprojekte in 124 Ländern, viele auch in der Schweiz. Mit 227,7 Millionen Franken liegen die Spendeneinnahmen nach dem Tsunami 2004 in Südostasien an der Spitze.
Anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens hat die Glückskette zum dritten Mal einen Solidaritätsbarometer veröffentlicht.
95 Prozent der Bevölkerung halten gemäss den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage solidarisches Handeln als wichtig für das Zusammenleben. Dieser hohe Stellenwert zeige sich über Generationen und Bevölkerungsgruppen hinweg.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage auf, dass nur 68 Prozent die Schweizer Gesellschaft insgesamt als solidarisch erleben. So sehr Solidarität also als Grundwert hochgehalten wird, im Alltag wird sie offensichtlich nicht im gleichen Masse wahrgenommen.
Vielzahl der Krisen sorgt für genauere Abwägung
Die Vielzahl der gegenwärtigen Krisen lässt die Spenderinnen und Spender gemäss Umfrage genauer abwägen, wofür sie ihre Unterstützung einsetzen.
76 Prozent der Befragten fänden es wichtig zu prüfen, ob jemand die Unterstützung wirklich verdiene. 42 Prozent wollten die Hilfe auf Menschen beschränken, die unverschuldet in Not geraten seien.
Unter dem Strich bleibe aber die Spendenbereitschaft stabil: Bei 60 Prozent sei sie gleich geblieben, bei 28 Prozent habe sie zugenommen. Während 8 Prozent der Befragten von einem Rückgang gesprochen hätten.
Details zur Umfrage
Die repräsentative Umfrage wurde von gfs.bern und dem Ceps der Universität Basel durchgeführt. Vom 4. Juni bis 1. Juli 2026 wurden 1618 Einwohnerinnen und Einwohner ab 18 Jahren befragt.











