Mit der Kamelienschau in Locarno beginnt der Frühling
Sie steht für den Beginn der vielleicht schönsten Jahreszeit: Die von zartrosa bis dunkelrot leuchtende Kamelie im Parco delle Camelie in Locarno. Ab Mittwoch lädt die 27. Internationale Kamelienschau zum Flanieren am Lago Maggiore.

Dieses Jahr hätten die Kamelien Glück gehabt, sagte der Präsident der Schweizerischen Kameliengesellschaft, Daniele Marcacci, auf dem Rundgang durch den Kamelienpark. Es habe nicht zu viel und auch nicht zu wenig geregnet in den vergangenen Monaten. «Am schlimmsten ist für die Kamelien langanhaltende Trockenheit im Winter.»
Noch blühen nicht alle Kamelien im Park. «Das ist gut so», sagt Marcacci. Werde es zu schnell warm und blühten die Pflanzen innert kurzer Zeit, sei das gar nicht gut. Der am Samstag gefallene Schnee bis in tiefere Lagen hat den Kamelien laut dem Experten nicht geschadet. «Eine oder zwei Nächte mit Temperaturen unter null Grad vertragen die Pflanzen gut.» Wichtig sei es bei Schneefällen, die Pflanzen vom Gewicht der weissen Pracht zu befreien, da der Schnee die empfindlichen Zweige brechen könne.
Schwierig werde es hingegen bei langanhaltenden Minustemperaturen. Um ihre berühmte Pillnitz-Kamelie vor der Kälte zu schützen, haben die Dresdener ein fahrbares Gewächshaus bauen lassen. Die Kamelie in Dresden (D) sei eine der ersten gewesen, deren Existenz man in Europa dokumentiert habe, sagt Marcacci.
Der Legende nach soll der schwedische Botaniker Karl Peter Thunberg vier Kamelienpflanzen von seiner Japanreise 1779 in die königlich-botanischen Gärten Kew bei London gebracht haben. Ein Exemplar verblieb in Kew, wie es auf der Internetseite von Schloss Pillnitz heisst. Die anderen drei sollen nach Hannover (D), Schönbrunn (A) und Pillnitz weiter gegeben worden sein. Überlebt habe nur das Exemplar in Dresden.
Dieses habe 1801 der Hofgärtner von Pillnitz an ihrem heutigen Standort gepflanzt. Heute gilt die Pflanze als älteste und grösste Kamelie nördlich der Alpen. 2025 wurde ihr von der Internationalen Kameliengesellschaft der Titel «Historische Kamelie» verliehen.
Zwei Tochterpflänzchen dieser sagenumwobenen Kamelie schenkte der Gartenchef von Pillnitz im Jahr 1990 dem Parco delle Camelie in Locarno. Ihr sattes Rot leuchtet unter dem blassblauen Frühlingshimmel. Mit den milden Temperaturen der kommenden Tage werden wohl noch mehr Blüten der Pillnitz aufgehen – und mit ihr zahlreiche andere.






