«Mehr Abgase»: Wirbel um Strassen-Sanierung im Toggenburg
Die geplante Sanierung der Oberdorfstrasse sorgt in Ganterschwil SG für Diskussionen. Während die Gemeinde das Projekt vorantreibt, formiert sich Widerstand.

Die Gemeinde führte im Mai 2025 ein Mitwirkungsverfahren zur Sanierung der Oberdorfstrasse durch. Nach Ansicht der Kritiker wurde auf die damals eingebrachten Anliegen jedoch zu wenig eingegangen.
Zudem sei die Stellungnahme der Gemeinde den Betroffenen erst einen Tag vor Beginn der öffentlichen Planauflage und der damit verbundenen 30-tägigen Einsprachefrist zugestellt worden.
Die Gegner des Projekts betonen, dass sie nicht gegen die Sanierung der Oberdorfstrasse sind. Sie sind jedoch der Ansicht, dass das Vorhaben in seiner aktuellen Form noch nicht ausreichend durchdacht sei. Insbesondere die geplanten Verengungen werden kritisch beurteilt.
Problem für Forst und Landwirte
Zu den Kritikern gehört Daniel Nussbaumer. Als Waldbesitzer und pensionierter Lastwagenchauffeur befürchtet er Schwierigkeiten für den Forstbetrieb und den Holztransport: «Wenn Fahrzeuge für den Holztransport durch die Oberdorfstrasse müssen, wird es schon heute manchmal knapp. Mit zusätzlichen Verengungen wird das für Lastfahrzeuge extrem schwierig.»
Auch der Landwirt Thomas Scherrer sieht Probleme für die Bewirtschaftung seiner Flächen. Er habe verschiedene Landparzellen, die er regelmässig mit grossen Maschinen anfahren müsse.
«Es kann zu sehr gefährlichen Situationen führen, wenn man in einer unübersichtlichen Kurve zurückfahren muss. Das kann doch nicht im Sinne einer modernen Infrastrukturplanung sein», stört sich Scherrer.
Auch die Menschen in der Umgebung würden durch die Verengung vor Problemen stehen. Der Anwohner Peter Küpfer befürchtet, dass die Verengungen zu häufigeren Brems- und Beschleunigungsvorgängen führen.
«Auf einer Hanglage wie der Oberdorfstrasse heisst das: häufigeres Anfahren, mehr Motorenlärm, mehr Abgase – direkt vor unseren Fenstern. Das ist keine Lösung, sondern eine Verschiebung des Problems.»
Eltern und Gewerbe warnen
Zusätzlich wird die Verkehrssicherheit für alle thematisiert. Petra Meier sieht Risiken für den Fussverkehr. Ihre Kinder gehen täglich auf dieser Strasse zur Schule.
«Wenn die Lenkenden ihre Aufmerksamkeit auf die Engstellen richten, kommen die Kinder später ins Blickfeld», befürchtet Meier. «Und wenn im Sommer die Kinder am Dorfbrunnen spielen und die Autos durch die Verengungen noch näher daran vorbeifahren müssen, dann läuft mir ein Schauer über den Rücken. Der Schutz unserer Kinder muss auch gewichtet werden.»

Für das lokale Gewerbe könnten die geplanten Massnahmen ebenfalls Folgen haben. Die Gewerblerin Karin Ramsauer weist darauf hin, dass es die Zulieferer schon heute nicht leicht hätten. Die Verengung würde die Anlieferung unnötig komplizierter machen.
«Was passiert, wenn an einem der Höfe ein grösserer Umbau ansteht und kein Baukran oder kein Betonmischer mehr durchkommt?», fragt sich Ramsauer. «Das Gewerbe braucht funktionierende Zufahrten ohne zusätzliche Hindernisse, auch für Viehtransport zur Alpung oder Milchlastwagen. Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Grundlage.»
Petition und Einsprachen
Die Gegner des Projekts fordern, auf die vorgesehenen Verengungsmassnahmen zu verzichten. Stattdessen sollen die zu schützenden Gebäudeelemente ihrer Ansicht nach mit alternativen Massnahmen wie Bodenmarkierungen, Reflektoren oder Höhenangaben gekennzeichnet werden.
Gegen die Verengungen soll nun eine Petition lanciert werden. Zudem werden Einsprachen gegen das Vorhaben vorbereitet. Ziel sei es, das Projekt gemeinsam weiterzuentwickeln und eine Lösung zu finden, die von einer breiten Mehrheit getragen werden kann.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Toggenburger Zeitung» erschienen.








