Littering – Solothurner Bauer: «Verliere pro Jahr eine Kuh!»
Die Cleanwalkers Hägendorf haben zuletzt herumliegende Aludosen gesammelt. Insbesondere für die Bauern stellt Littering ein Problem dar.

Die Cleanwalkers Hägendorf sind eine lokale Gruppierung des gleichnamigen nationalen Vereins, der sich gegen Littering und für eine saubere Umwelt engagiert.
Nachdem die Gruppe in Hägendorf im vergangenen Jahr auf die unzähligen, täglich weggeworfenen Zigarettenstummel im Dorf aufmerksam gemacht hatte, lag der Fokus bei der neuen Aktion nun auf Aludosen, die vom Boden aufgesammelt wurden.
«Innert zweier Monate sind so rund 3500 Aludosen zusammengekommen», erklärt Thomas Hänggi von den Cleanwalkers Hägendorf. Der Kern der Gruppe besteht aus rund zehn Personen, die regelmässig im Raum Hägendorf unterwegs sind und Abfall zusammenlesen.

Die Leidtragenden, welche die Konsequenzen des Litterings zu spüren bekommen, sind oft Tiere. Die Hägendörfer Bauern Lorenz Kissling und Christoph Haefely müssen dies regelmässig bei ihren Nutztieren feststellen.
«Ob Fussgänger, Velo- oder Autofahrer – immer wieder gibt es Leute, die den Abfall einfach aus Bequemlichkeit an den Strassenrand werfen», sagt Lorenz Kissling. «Jeder aufgesammelte Abfall verhindert, dass dieser am Ende in der Futterkrippe landet», ergänzt Christoph Haefely. Daher sei das Engagement der Cleanwalkers entsprechend zu würdigen.
Besonders in der arbeitsintensiven Futtergewinnungszeit sei es ein grosser zusätzlicher Aufwand, den Abfall zusammenzulesen, bevor er in der Futterration landet. Eine Kuh fresse zwar beispielsweise keine ganzen Aludosen oder Glasflaschen, doch wenn die Felder gemäht werden, können kleinere Teile absplittern.
Selbst wenn der Inhalt der Futterkrippe nochmals überprüft werde, könne es daher vorkommen, dass gelegentlich ein kleines Abfallteil im Magen eines Tieres lande.
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«Man darf die Thematik daher nicht verharmlosen, denn es kann für ein Tier effektiv tödlich enden», so Christoph Haefely. «Wenn ein Fremdkörper im Darm oder Pansen des Tieres landet, kann dies zu inneren Schnittverletzungen führen, was wiederum Fressunlust, Fieber und Entzündungen hervorrufen kann», berichtet Lorenz Kissling.
Oft habe dies eine Notschlachtung zur Folge. Bei Christoph Haefely sei bei fast jedem zweiten Antibiotika-Einsatz ein Fremdkörper der Auslöser. «Pro Jahr verliere ich sicher eine Kuh», so der Landwirt.

«Die Tiere haben dermassen starke Schmerzen, dass ich mir gelegentlich wünsche, dass jene Person, welche das entsprechende Stück Abfall weggeworfen hat, nur mal fünf Minuten mit ansehen muss, wie es dem Tier geht.»
Littering-Situation habe sich nicht verbessert
«Diese Aludosen-Aktion hier ist eigentlich nur ein kleiner Augenschein von dem, was wir über das gesamte Jahr hinweg aufsammeln, um auf die Thematik aufmerksam zu machen», so Hänggi.
Gleichwohl weiss er, dass man jene, welche ihren Abfall illegal entsorgen, damit kaum erreichen wird beziehungsweise diese gar nicht erst damit konfrontiert werden wollen. So gleicht die Arbeit der Cleanwalkers denn auch einer nicht enden wollenden Sisyphusarbeit.
Wo heute Abfall eingesammelt wird, liegt morgen bereits wieder neuer Unrat. «Ein grosser Teil der gesammelten Dosen stammt von den Verbindungsstrassen Hägendorf-Kappel, Kappel-Boningen und Hägendorf-Egerkingen. Insbesondere die letzte Verbindung ist eine totale Katastrophe, was das Littering betrifft», erklärt Thomas Hänggi.
Was Hänggi aktuell besonders aufregt, ist, dass die IG für eine Saubere Umwelt (IGSU) in den letzten Monaten propagiere, dass das Littering abnehme.
«Wir, die aktiv auf den Strassen unterwegs sind, nehmen dies mitnichten so wahr», hält Hänggi fest. «Es wird zwar mehr geputzt, aber am Problem selbst hat sich rein gar nichts verbessert.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Neue Oltner Zeitung» erschienen.
Er war lange der Meinung, dass ein Pfand nicht die Lösung sein kann, um dem Littering zu begegnen. «Aber wenn man sieht, dass sich die Situation schlicht nicht verbessert, bleibt nun mal kein anderer Weg. Wir sind steuerbar über unser Portemonnaie. Büchsen beinhalten bereits heute eine vorgezogene Recyclinggebühr, diese fällt aber viel zu tief aus, als dass sie Wirkung zeigen würde», hält Thomas Hänggi abschliessend fest.








