Kein Rindsfilet mehr: Firmen knausern jetzt beim Weihnachtsessen
Trotz Entlassungen und Sparmassnahmen verzichten Schweizer Firmen nicht aufs Weihnachtsessen. Die Budgets werden aber kleiner. Hackbraten statt Rindsfilet!

Das Wichtigste in Kürze
- Insbesondere an Freitagen sind Restaurants bereits mit Weihnachtsessen von Unternehmen ausgebucht.
- Wegen der Krisenzeit fallen viele Essen kleiner aus. Manche haben nur noch die Hälfte des Vorjahres-Budget zur Verfügung.
- Ein Sozialpsychologe betont die Bedeutung von Weihnachtsessen. Doch auch ein selbstgemachtes Fondue könne den Zweck erfüllen.
Beinahe täglich verkünden Schweizer Unternehmen Entlassungen und Sparmassnahmen. In der derzeit wirtschaftlich angespannten Lage drehen viele Firmen jeden Rappen um.
Das merken auch die Beizer. Viele Weihnachtsessen (die jetzt schon gebucht werden müssen) finden dieses Jahr in abgespeckter Form statt, wie eine Nau.ch-Umfrage zeigt.
Das Restaurant Riithalle im Zürcher Kreis 1 stellt bei Firmenanlässen eine Zurückhaltung fest. «Bei einzelnen wiederkehrenden Firmen liegen sie rund 20 bis 50 Prozent unter dem Vorjahresniveau», bestätigt Teilhaber Gian Gross.
Teilweise versuchten Firmen, denselben Umfang günstiger zu erhalten, und fragten gezielt nach Rabatten. «Beispielsweise mit der Begründung, dass man als grössere Gruppe komme.»
Von einer grundsätzlichen Krisenstimmung will Gross aber nicht sprechen. Die Unternehmen wollten weiterhin ihre Anlässe durchführen und ihren Mitarbeitenden etwas bieten. «Man feiert also nach wie vor – allerdings vielerorts mit angezogener Handbremse.»
Weniger Alkohol und Hackbraten statt Rindsfilet
Dass beim Weihnachtsessen gespart wird, merkt auch das Restaurant Rosengarten in Bern. Statt Rindsfilet gebe es jetzt Hackbraten. Zudem würden weniger alkoholische Getränke konsumiert.
Der Kursaal Bern bemerkt eine Tendenz zu günstigerem Wein. Und auch das Menü falle etwas rustikaler aus. «Die Firmen möchten keine euphorischen Signale setzen», erklärt CEO Jonas Scharf.
Weniger eindeutig ist es beim Hotel Uto Kulm auf dem Zürcher Uetliberg. «Die einen lassen es krachen, die anderen sind plötzlich sparsamer», sagt Strategiechef Benjamin Styger.
Der Berner Gastrounternehmer Tobias Burkhalter stellt folgende Tendenz fest: «Eher weniger Personen, dafür ein gutes Menü.» Wird ein Essen organisiert, seien keine Sparmassnahmen sichtbar.
Auch die Kramer Gastronomie, die mehrere Restaurants in Zürich betreibt, betont, dass Unternehmen beim Essen selbst nicht sparen. «Viele Firmen wählen weiterhin bewusst ein gehobenes Menü und guten Wein. Weil der gemeinsame Jahresabschluss für die Mitarbeitenden einen hohen Stellenwert hat.»
Dennoch planten auch bei der Kramer Gastronomie einzelne Unternehmen mit einem knapperen Budget. Gespart werde etwa bei der Dekoration oder beim Rahmenprogramm.
Weihnachtsessen fördert Teamgeist
Johannes Ullrich ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Zürich. Er betont die Wichtigkeit von Weihnachtsessen – auch in Krisenzeiten.

Es sei «eines von vielen Mitteln zur Förderung von Teamgeist, Zusammenhalt, Motivation». Ein Weihnachtsessen zeige Wertschätzung und biete Platz für einen Jahresrückblick oder eine inspirierende Ansprache. Oft werde es allerdings als «unkreatives Ritual» zelebriert.
Sein Rat: «Ein gemeinsames, selbstgemachtes Fondue kann viel lustiger sein als eine steife Tafel im Restaurant.»
Wieder Weihnachtsessen bei Migros und Aldi
Die Migros und Aldi Suisse sorgten letztes Jahr für Unmut, weil sie ihre Weihnachtsessen ausfallen liessen. Bei der Migros gabs stattdessen ein Weihnachtsapéro. Aldi verteilte 10-Franken-Gutscheine für ein kleines Festli direkt in der Filiale.
Als Grund nannten die beiden Grossverteiler damals die Jubiläumsfeste, die früher im Jahr stattgefunden hatten. Aldi Suisse feierte sein 20-Jahre-Jubiläum, die Migros ihr 100-jähriges Bestehen.

Die Mitarbeitenden beider Firmen dürfen sich heuer wieder auf eine Weihnachtsfeier freuen. Bei der Migros gibt es je nach Standort und Team ein Apéro, gemeinsames Essen oder einen anderen Anlass zum Jahresabschluss. Ins Detail geht der Merci-Konzern nicht.
Auch Aldi schreibt: «Wir werden in diesem Jahr wieder Weihnachtsfeiern mit unseren Mitarbeitenden durchführen. Die genauen Rahmenbedingungen werden zurzeit noch abgestimmt.»
Schweizer Beizen sind im Dezember gut gebucht
Andere von Nau.ch angefragte Unternehmen lassen sich ebenfalls nicht in die Karten blicken. Sie betonen aber unisono, an den Weihnachtsessen festzuhalten.
«Gerade in anspruchsvollen Zeiten sind persönlicher Austausch und Zusammenhalt aus unserer Sicht besonders wertvoll», schreibt etwa die Swiss. Dafür möchte die Airline bewusst Raum schaffen. «Wenn wir gleichzeitig sehr genau darauf achten müssen, wofür wir unsere finanziellen Mittel einsetzen.»
Wer die Feier noch nicht organisiert hat, sollte sich beeilen. Besonders Freitage sind vielerorts bereits ausgebucht. Und: Für grosse Gruppen empfiehlt es sich, bereits jetzt für das Jahr 2027 zu reservieren.











