Wasser

Kanton gibt ehemaligen Feuchtgebieten das Wasser zurück

Fast 90 Prozent der Schweizer Moore sind verschwunden. Der Kanton Thurgau will ausgewählte Feuchtgebiete wiedervernässen.

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Tobias Schmid, Matthias Künzler und Ruedi Lengweiler stehen im Gebiet Gampen vor einer Streuwiese, die das Wasser speichert. - zVg

Es ist heiss, es ist trocken und das schon seit Wochen. Die Folge: Im Kanton Thurgau besteht aktuell grosse Waldbrandgefahr. Während vielerorts die Blätter der Bäume bereits gelb verfärbt sind, ist im Gampen nichts von derlei Stresssymptomen zu sehen.

Im Gegenteil, trotz extremer Trockenheit ist der Boden hier Feucht. Der Grund: Beim Gebiet, das in der Gemeinde Berg liegt, handelt es sich um ein ehemaliges Feuchtgebiet, das seit 2022 durch den Kanton wiedervernässt wird.

«Ende des 19. Jahrhunderts war der Boden hier zu nass, um Holz zu produzieren», sagte Ruedi Lengweiler, Förster Waldbiodiversität des Thurgauer Forstamtes, am Donnerstag im Rahmen einer Sommermedienfahrt.

Es folgte eine planmässige Bodenverbesserung, sprich: Das Gebiet Gampen wurde entwässert und aufgeforstet. Übrig blieb am Ende ein kleines Feuchtgebiet, das wegen der tiefen Entwässerungsgräben regelmässig austrocknete.

Bäume
Während vielerorts die Blätter der Bäume bereits gelb verfärbt sind, ist im Gampen nichts von derlei Stresssymptomen zu sehen. (Symbolbild) - keystone

«Damit hatte es eine seiner wichtigsten Funktionen verloren», sagte Tobias Schmid, Teamleiter in der Abteilung Natur und Landschaft, «denn bei Starkniederschlägen dienen Feuchtgebiete als Schwämme, die das Wasser aufnehmen.»

Dadurch sinke nicht nur die Gefahr für ein Hochwasser, das Wasser werde danach auch gleichmässiger wieder an die Umgebung abgegeben. «Das ist in extremen Trockenperioden, wie wir aktuell eine haben, besonders wertvoll.»

Mithilfe tierischer Unterstützung

2022, über 100 Jahre nach der Trockenlegung, entschied der Kanton, dem Gampen das Wasser zurückzugeben. Möglich war das auch dank der Grundeigentümer und Bewirtschafter der betroffenen Parzellen, mit denen Lösungen gefunden werden konnten.

Sollte der Schutz von Feuchtgebieten höhere Priorität haben?

In einem ersten Schritt wurde der Kernteil des Gebiets mithilfe von zwei Absperrschiebern eingestaut. «Ein Jahr später erhielten wir tierische Unterstützung», sagte Lengweiler.

Der Biber sei eingezogen und habe den Wasserstand nochmals um rund 30 Zentimeter angehoben. «Seither ist das Feuchtgebiet von 3.6 auf 8.4 Hektare angewachsen und nie mehr ganz ausgetrocknet.»

Der Biber ist nicht der einzige Bewohner im Gampen. Dank der Wiedervernässung sind zwei sehr seltene Libellen im Gebiet aufgetaucht: Beide wurden im Thurgau erst ein- respektive zweimal gesichtet. Und auch der Laubfrosch ist zurückgekehrt.

«Das zeigt, dass die Massnahmen der Biodiversitätsstrategie Wirkung entfalten», freute sich Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Kreuzlinger Nachrichten» erschienen.

Dieser Artikel ist zuerst in den «Kreuzlinger Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #1887 (nicht angemeldet)

Schlächtes gewissen. Da sind etliche Lebewesen und Pflanzen froh. 🧐🤓🥸

User #5155 (nicht angemeldet)

Solche News will ich lesen! 🤩

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