Wegen eines Hackerangriffes ist ein Organisationstool für Coiffeurbetriebe in der Schweiz ausgefallen. Die Salons müssen wieder zu Papier und Stift greifen.
Eine Frau mit Lockenwicklern in den Haaren.
Eine Frau mit Lockenwicklern in den Haaren. - Pixabay
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Das Wichtigste in Kürze

  • An die 200 Schweizer Coiffeurgeschäfte sind vom Hackerangriff betroffen.
  • Für die Betroffenen bedeutet dies einen erheblichen Mehraufwand.

Am 16. November kam es zum Super-Gau für einige Schweizer Coiffeursalons. Das Online-Verwaltungstool «hellocut», mit dem Termine organisiert werden, soll gehackt worden sein. An die 200 Geschäfte sollen betroffen sein.

Wie «Tele Bärn» berichtet, schrieb «hellocut» auf seiner Website, dass der Server der Firma von einem der «schlimmsten Trojaner» angegriffen wurde. Die Daten seien verschlüsselt worden, und somit nicht mehr verwendbar. «hellocut» schreibt gar, alle Daten seien zerstört.

Die Coiffeursalons, die die Software verwenden, haben damit ein grosses Problem. Jegliche Termine sind, sofern nicht auf einem alternativen Datenträger gespeichert, nicht mehr einsehbar. Die Not macht nun erfinderisch: Auf Facebook rufen diverse Coiffeur-Firmen ihre Kunden dazu auf, ihre Termine zu melden, um sich so zu organisieren.

Sechs Stunden Mehraufwand

Tanja Reist, Inhaberin des Salons Stadtfriseurin in Langenthal BE, hat nicht nur mittels Facebook und Instagram über die Probleme informiert: «Wir sind den halben Tag mit Kunden am Telefon», sagt sie. Wegen des Ausfalls muss Reist wieder mit Stift und Papier den Kalender führen, ganz ohne Technik. Eine digitale Lösung ist momentan kein Thema, längerfristig aber dennoch eine Option.

Ähnlich klingt es beim Salon Coiffeur Chamäleon in Lyss BE. Auch hier ist ein grosser Mehraufwand nötig, wie Inhaberin Cornelia Scheurer sagt. Bereits am Samstag habe sie mehrere Stunden lang Kunden abtelefoniert, auch heute Montag sei sie bereits fünf Stunden am Telefon gesessen. Scheurer rechnet mit einem Mehraufwand bis Mittwoch. Ein enormer Zeitaufwand. «Die letzten Tage waren chaotisch», so Scheurer. Da der Salon über viel Laufkundschaft verfügt, kam es am Freitag und Samstag immer wieder zu Doppelbelegungen. 

Kulante Kundschaft

Jedoch seinen die Kunden äusserst kulant gewesen: «Viele haben Verständnis und Geduld mit uns», freut sie sich. Für die Angestellten des Salons bedeutet der Ausfall des Systems Überstunden. Der Hackerangriff sorgt innerhalb der Branche für Häme, Kollegen, die noch mit Papier-Agenden arbeiten, machten sich auf Facebook lustig. Zur Zeit verwenden Scheurer und ihr Teams auch wieder eine Agenda - zum ersten Mal seit vier Jahren. Längerfristig wird aber auch der Salon auf digitale Hilfsmittel setzten.  

«hellocut» war für keine Stellungnahme erreichbar. Der Intressensverband Coiffeur Suisse schreibt, «dass es einige Zeit dauert, bis das System eventuell wieder zum Laufen gebracht werden kann.»

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