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Gymi-Prüfungen in Zürich stehen an – der Druck ist riesig

Valentin Köpfli
Valentin Köpfli

Zürich,

Vom Motivationskiller zum Freudentanz: In Zürich stehen Gymi-Aufnahmeprüfungen an. Für manche Kinder geht es um alles – und Der Druck ist riesig.

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Manche Kinder investieren viel Zeit in die Prüfungsvorbereitung. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Bald finden im Kanton Zürich die Aufnahmeprüfungen fürs Gymnasium statt.
  • Die Eltern spielen eine Schlüsselrolle, sowohl positiv als auch negativ.
  • Manche Kinder stehen unter grossem Erfolgsdruck.
  • Die Gymiprüfungen könnten weiterentwickelt werden, um den Jungen das Leben zu erleichtern

Bücher pauken statt Bälle kicken: In Zürich finden am 2. März die Gymiprüfungen statt. Während die Sechstklässler büffeln und bangen, sorgen sich Eltern um den Nachwuchs.

Wie gross der Traum vom Gymi wirklich ist – und welchen Stellenwert Nachhilfe einnimmt.

«Manche Eltern möchten alles tun, damit Kind ins Gymi kommt»

«Eltern spielen eine zentrale Rolle – sowohl positiv als auch zum Teil belastend,» sagt die Nachhilfe-Stiftung Fit4school gegenüber Nau.ch.

Diese Unterschiede beobachtet auch Giuseppe D'Antico vom Bildungsinstitut «Fokus Nachhilfe»: «Manche Eltern möchten alles tun, damit das Kind ins Gymi kommt.»

Andere gehen entspannter an die Sache heran. Ganz nach dem Motto: «Wir probieren es einfach und schauen, ob es klappt», so D'Antico.

Schüler berichten Nachhilfe-Lehrer von hohem Druck

Doch der Leistungsdruck prallt an den Jungen nicht einfach ab. «Die Gymi-Prüfung wird zur Belastungsprobe für die Familie», sagt Lehrer Jan Spengler von der Online-Nachhilfeschule Edunomads.

Wie stark dieser Druck wirkt, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. «Ich habe einen Schüler, den ich persönlich betreue, der mir von sehr hohem Druck und Versagensängsten berichtet», so Spengler.

«Er weiss zum Beispiel gar nicht, wie sein weiterer Werdegang aussehen soll, falls er durch die Prüfung fällt. Dies finde ich aus dem Mund eines 13-Jährigen sehr bedenklich», sagt Spengler.

Kids können wegen Stress nicht schlafen

Solche extremen Versagensängste sind zwar nicht die Regel, aber auch keine Einzelfälle.

Die Nachhilfe-Stiftung Fit4school beobachtet bei einem Teil der Kinder typische Stressreaktionen: Prüfungsangst, Vermeidungsverhalten, Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen.

Häufig kommen Selbstzweifel hinzu – Gedanken wie: «Ich schaffe das sowieso nicht.»

Findest du es wichtig, dass Kinder ans Gymi gehen?

Bei der Nachhilfe geht es darum längst nicht nur um Bücher, Aufsätze oder Gleichungen – sondern auch um emotionale Unterstützung. Fehlt dieses Fundament, gerät der Gymi-Traum ins Wanken.

Geht's auch ohne Nachhilfe?

Fest steht: Schulische Überflieger kommen ohne Nachhilfe aus – doch das sind Ausnahmen.

«Die Gymi-Prüfungen sind ohne gezielte Vorbereitung fast nicht zu schaffen», sagt Nachhilfe-Lehrer Spengler. Besonders im Kanton Zürich würden die Anforderungen ständig steigen, da immer mehr Kinder ans Gymi wollen.

Auch das subjektive Stressempfinden habe zugenommen, bestätigen mehrere Nachhilfelehrpersonen.

Gründe seien etwa eine stärkere Fixierung auf Bildungswege, frühe Weichenstellungen und die hohe Vergleichbarkeit – etwa durch Übungsmaterialien oder Erfahrungsberichte.

Schon Achtjährige müssen in die Nachhilfe

Einige Eltern schicken ihre Kinder schon früh in den Nachhilfe-Unterricht.

Elisha Jay Fringer vom Lernzentrum Perspectiva Nova sagt zu Nau.ch: «Gerade in städtischen und vorstädtischen Regionen beginnt die Dynamik teilweise bereits ab der dritten Primarklasse.»

Ein Grund sind auch hier Vergleiche: Wenn der beste Freund der Tochter bereits sehr früh Nachhilfe nimmt, verunsichere das gewisse Elternkreise rasch.

Deshalb steht für Fringer fest: Vor der sechsten Primarschulklasse werden keine Kinder gezielt auf die Gymi-Prüfungen vorbereitet.

Denn eine verführte Fokussierung kann oft langanhaltenden Druck erzeugen. Und dadurch zum Bumerang werden.

Vom «Motivationskiller» zum «Freudentanz»

Doch es gibt auch eine positive Entwicklung: «Wir beobachten eine wachsende Sensibilität für psychische Belastung – Eltern suchen eher Unterstützung als früher», so die Nachhilfe-Stiftung Fit4school.

Schlechte Noten können schnell zum «Motivationskiller» werden. Umgekehrt stärken sichtbare Fortschritte das Selbstvertrauen und können sogar einen kleinen «Freudentanz» auslösen. Das sagt Benedikt Oberli von der Nachhilfe-Organisation Learning Institute: «Ziel der Nachhilfe ist es, die Negativspirale aus geringer Motivation und schlechten Noten zu durchbrechen.»

Brauchts eine Reform?

«Grundsätzlich betrachten wir die Gymi-Prüfung als sinnvolles Selektionsinstrument», sagt Oberli. Sie sei transparent und für alle gleich – biete aber durchaus Potenzial zur Optimierung.

Sollten die Aufnahmeprüfungen fürs Gymi verschwinden?

Fringer vom Lernzentrum Perspectiva Nova ergänzt: «Die Gymiprüfung an sich ist nicht grundsätzlich problematisch. Sie könnte aber weiterentwickelt werden, um Aspekte wie Chancengerechtigkeit und psychische Stabilität stärker zu berücksichtigen.»

Mehrere Nachhilfeinstitutionen finden, dass eine stärkere Gewichtung der Jahresleistung Sinn machen würde. Auch ein geringerer Zeitdruck während der Gymi-Prüfung könnte Abhilfe schaffen.

Ist das noch fair?

Zentral bleibt die Frage der Chancengleichheit. Der schulische Erfolg darf nicht davon abhängen, wie gross das Portemonnaie der Eltern ist.

Zusätzliche schulische Förderprogramme könnten hier einen wichtigen Ausgleich schaffen, wie mehrere Nachhilfelehrpersonen bestätigen.

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Kommentare

User #6271 (nicht angemeldet)

Beruhigt euch, ist nur ein Lückenfüller von Nau.

User #1969 (nicht angemeldet)

Wenn die Kindli heute schon keinen Druck mehr aushalten, warum sollen die dann ins Gymi?

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