Die St. Galler Zeichnerin Lika Nüssli präsentiert am Literaturfestival Wortlaut ihren zweiten Comicroman. Nachdem sie von der Demenz ihrer Mutter erzählte, widmet sich die Künstlerin nun der Kindheit ihres Vaters Ernst, der im Toggenburg verdingt wurde.
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Die St. Galler Zeichnerin Lika Nüssli präsentiert am Literaturfestival Wortlaut ihren zweiten Comicroman. (Symbolbild) - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Schon in ihrer ersten Graphic Novel «Vergiss dich nicht» beschäftigte sich Lika Nüssli mit den eigenen Wurzeln.

Die 1973 geborene Zeichnerin widmete die Geschichte der eigenen Mutter. Das Buch hält Momente fest, schreibt sie, die stetig vorübergehen und «zu eigenen unsteten Bildern im Kopf» werden.

Lika Nüsslis Mutter leidet seit Jahren an Demenz. Die Besuche bei ihr im Heim waren für die Künstlerin quälend, bis sie entdeckte, dass es hilft, wenn sie dabei zeichnet. Aus diesen Zeichnungen ist ein berührendes Buch über das Vergessen entstanden.

In ihrer zweiten Graphic Novel «Starkes Ding» zeichnet sie die Geschichte ihres Vaters nach. Inspiriert von der Senntumsmalerei, erzählt Lika Nüssli in ihrem unverkennbaren Comicstil die jungen Jahre ihres Vaters Ernst als Verdingbub.

In «Starkes Ding» verschmelzen unbeschwerte Kindheitsmomente mit dem harten Alltag und Überlebenskampf der Toggenburger Bauernfamilien und dem im Nachbarland tobenden Krieg. «Kleine Pausen voller Glück bringen der Hauptfigur ihre verlorene Jugend und Freiheit zurück», heisst es im Klappentext.

Nüssli selber schreibt: «Mein ganzes Leben wusste ich, dass mein Vater als Kind verdingt wurde.» Er habe nur wenige Episoden aus dieser Zeit erzählt und immer die gleichen. Erst durch gezielte Fragen offenbarte sich der Vater der Tochter.

Ab Samstag ist Lika Nüssli auch in Basel präsent. Das Cartoonmuseum Basel präsentiert bis 28. Mai die erste grosse Retrospektive der Künstlerin. Die Ausstellung umfasst Arbeiten aus allen Schaffensphasen der Künstlerin, von Comics und Comicreportagen bis zu grossformatigen Malereien auf Stoff und Dokumentationen ihrer Performances.

Ergänzt werden diese durch aktuelle, eigens für die Ausstellung geschaffene Werke. Dabei sind auch Originalzeichnungen ihrer gleichzeitig erscheinenden Graphic Novel «Starkes Ding» zu sehen.

www.wortlaut.ch, www.cartoonmuseum.ch

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