Goldacher erzählt: So wird man Biersommelier!
Der Goldacher Andreas Gschwend ist einer von 17 frisch diplomierten Biersommeliers der Schweiz und fasziniert von diesem Beruf.

Vom Lagerbier bis zum India Pale Ale: Andreas Gschwend kennt die Welt des Bieres. Der frisch gebackene Biersommelier spricht über seine Ausbildung, überraschende Geschmackserlebnisse und die Lust, Neues zu probieren.
Redaktion: Herr Gschwend, herzliche Gratulation zum Abschluss als Biersommelier. Was hat Sie dazu motiviert, diese Ausbildung zu absolvieren?
Andreas Gschwend: Vielen Dank. Bier hat mich schon immer fasziniert. Als Leiter des Schützengarten Getränkemarkts in St. Gallen wollte ich mein Fachwissen vertiefen, um unsere Kundinnen und Kunden noch besser beraten zu können.
Viele wissen gar nicht, worin sich untergärige und obergärige Biere unterscheiden oder was naturtrübes Bier ausmacht. Mir ist es wichtig, für jeden Geschmack das passende Bier empfehlen zu können.
Besonders spannend fand ich auch die Erkenntnis, dass nicht nur Wein, sondern auch Bier ein hervorragender Essensbegleiter ist. Gerade zu Käse passt ein gutes Bier ausgezeichnet.

Redaktion: Wie lange dauerte die Ausbildung und was hat Sie dabei am meisten überrascht?
Gschwend: Die Ausbildung dauerte rund drei Monate und war anspruchsvoller, als ich erwartet hatte. Neben den Kurstagen gab es viel Selbststudium und zahlreiche Fachbegriffe zu lernen. Am meisten überrascht hat mich die unglaubliche Vielfalt der Biere weltweit.
Heute weiss ich, wie unterschiedlich selbst Biere derselben Kategorie schmecken können. Ob Witbier, Sauerbier oder ein in Whisky- oder Portweinfässern gereiftes Bier: jedes hat seinen ganz eigenen Charakter. Selbst das richtige Einschenken will gelernt sein.
Vorher war ich ein typischer Lagerbiertrinker und nun habe ich erkannt, dass es auch andere Sorten gibt, die ich sehr gut finde.
Redaktion: Ist der Beruf des Biersommeliers heute gefragt?
Gschwend: Für mich standen weniger neue Berufschancen als vielmehr die persönliche Weiterbildung im Vordergrund. Ich wollte meinen beruflichen Rucksack besser füllen und mein Wissen im Arbeitsalltag einsetzen. ´
Für Gastronomieberufe ist dieser Titel sicher von Vorteil. Von den 17 Absolventinnen und Absolventen kam die Mehrheit aus der Gastronomiebranche.
Aber es gab auch Kursteilnehmer, die diese Weiterbildung einfach aus persönlichem Interesse und Leidenschaft zum Bier absolviert haben.
Redaktion: Welche Bier-und-Essen-Kombination sollte jeder einmal probiert haben?
Gschwend: Ganz klar: Bier und Käse. Diese Kombination hat mich während der Ausbildung am meisten beeindruckt.
Beide Aromen ergänzen sich wunderbar und entfalten im Mund ihre ganze Geschmacksvielfalt. Aber auch ein kräftiger Braten harmoniert hervorragend mit einem passenden Bier.
Gschwend: Dann würde ich zu einem Biermischgetränk wie einem Grapefruit- oder Exotic-Bier raten oder zu einem Bier, das in einem Whisky- oder Portweinfass gereift ist.
Diese Biere schmecken oft ganz anders, als man es erwartet.
Redaktion: Welche Pläne haben Sie als frisch diplomierter Biersommelier?
Gschwend: Eine berufliche Veränderung ist nicht geplant. Ich möchte das Gelernte in meinem Arbeitsalltag einsetzen und unsere Mitarbeitenden sowie die Kundschaft noch kompetenter beraten.
Langfristig ist es das Ziel von Schützengarten, dass in allen sieben Getränkemarktfilialen eine solche Fachperson tätig ist.
Redaktion: Welche Botschaft möchten Sie Bierliebhaberinnen und Bierliebhabern mit auf den Weg geben?
Gschwend: Einfach einmal etwas Neues ausprobieren. Rund 95 Prozent der Menschen greifen zum klassischen Lagerbier.
Dabei gibt es so viele spannende Bierstile – vom Weizenbier über Schwarzbier und India Pale Ale bis hin zu Starkbieren oder modernen alkoholfreien Bieren, die geschmacklich heute wirklich überzeugen.
Redaktion: Zum Schluss: Welches Bier trinken Sie persönlich am liebsten?
Gschwend: Mein Favorit ist ganz klar das Weizenbier. Es ist vielseitig, aromatisch und für mich immer wieder ein Genuss.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.








