Frisbee im Trend: Wo die Sportwelt eine Scheibe ist
Blickpunkt Frisbee kennen viele nur als Nebentätigkeit in einem Freibad. Dabei ist das Spiel mit der Kunststoffscheibe viel mehr als nur ein Hobby.

Zwar wurde der Frisbee in seiner heutigen Form bereits Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre vom US-Amerikaner Walter Frederick Morrison entwickelt, doch erst Ende der 60er Jahre erreichte die Welle um die 175 Gramm schwere Scheibe aus Kunststoff auch die Schweiz. Etwa zur selben Zeit kreierten Schüler der Columbia High School in New Jersey das erste strukturierte Spiel mit dem Frisbee, welches sie Ultimate nannten. Dieses gelangte ab den 80ern in die Schweiz, wo in der Folge auch die ersten Klubs und Meisterschaften aus der Taufe gehoben wurden.
Dennoch fristete der Sport lange ein Schattendasein. Dabei ist das Regelwerk nicht sonderlich kompliziert. Auf einem Spielfeld mit den Massen 100 x 37 Meter stehen sich zwei Teams mit je 7 Spielerinnen beziehungsweise Spielern gegenüber.

Ziel ist es jeweils, die Scheibe durch Pässe in die gegnerische Endzone zu werfen und dort zu fangen – ähnlich wie American Football, aber ohne Körperkontakt und ohne Laufen mit der Scheibe. Hierfür wird jeweils ein Punkt vergeben. Wer die Scheibe hält, muss an Ort und Stelle bleiben und innerhalb von zehn Sekunden weiterwerfen.
Ein Team greift an, das andere verteidigt. Abgefangene oder auf den Boden gefallene Scheiben wechseln den Besitz. Gespielt wird 90 Minuten oder bis ein Team 15 Punkte erreicht – was immer zuerst kommt.
Das Bemerkenswerteste ist jedoch, dass bis ins höchste Level ohne Schiedsrichter gespielt wird, die Spielerinnen und Spieler also Regel verstösse selbst melden und ahnden. Auch Lynn Bolliger war Ultimate Frisbee gänzlich unbekannt, als sie vor 12 Jahren als Kantischülerin in einem Austauschprogramm in Neuseeland weilte. «Eine Bekannte sagte mir, dass sie zu einem Ultimate-Training gehe und fragte mich, ob ich mitkommen wolle. Ich hab spontan zugesagt und konnte gleich mitmachen. Alles war total unkompliziert, es herrschte eine lockere Atmosphäre, man spielte barfuss oder in Turnschuhen, es waren Jung und Alt versammelt. Da hat es mir den Ärmel reingezogen. Und so machte ich mich nach meiner Rückkehr in die Schweiz auch gleich auf die Suche nach einem Klub», erinnert sich die heutige Präsidentin von Zürich Ultimate.
Fusion brachte den Erfolg
Fündig wird sie bei den Zurich Ultimate Flyers, die 2018 beschliessen, mit dem Klub Headless zu fusionieren, woraus dann 2019 Zürich Ultimate hervorging. «In beiden Klubs gab es solche, die Ultimate als Spitzensport und solche, die es als Hobby ausüben wollten, für eine gesunde Basis aber jeweils zu wenige Spielerinnen und Spieler hatten. Durch die Fusion war es möglich, die Bedürfnisse besser abzudecken und Ressourcen gemeinsam zu nutzen», erklärt Bolliger. Eine Massnahme, die sich auch sportlich auszahlt.
Dreimal konnte Zürich Ultimate seit seiner Gründung bislang die Schweizer Meisterschaft in der Kategorie Mixed/ Rasen gewinnen. Im Vordergrund stehen aber die Faszination und die Freude am Sport. «Mir gefällt an Ultimate, dass es eine schnelle Sportart ist, die technisches Verständnis und Geschick erfordert, aber dennoch von allen – egal ob alt oder jung, Frau oder Mann – gemeinsam gespielt wird. Ausserdem hat man die Möglichkeit, quasi von Beginn weg an internationalen Turnieren mitzumachen» betont Bolliger.
«Am besten macht man sich selbst ein Bild und schaut bei einem unserer Trainings – die Hobbyteams trainieren auf der Tunnelwiese gegenüber dem Sihlhölzli am Dienstag- und Mittwochabend, die Fortgeschrittenen am Dienstag- und Donnerstagabend in der Buchlern in Altstetten – vorbei.»
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.






