Feuerwerke in der Ostschweiz werden kritisch beäugt
Dass trotz der Trockenheit über das kommende Wochenende mehrere Grossfeuerwerke in der Ostschweiz geplant sind, stösst auf Kritik. Die Veranstalter verweisen auf die Sicherheitsvorkehrungen. Und den Organisatoren des Seenachtfests in Rapperswil-Jona steht der Stadtrat zur Seite.

Am diesjährigen 1. August blieb der Himmel auch über den Ostschweizer Kantonen dunkler als sonst. Raketen, wie in anderen Jahren am Nationalfeiertag üblich, erleuchteten den Nachthimmel dieses Jahr nicht. So richtig knallen soll es demnächst aber doch noch, und zwar mit Feuerwerken am Seenachtfest in Kreuzlingen TG sowie am Seenachtfest in Rapperswil-Jona SG, die beide am kommenden Wochenende über die Bühne gehen sollen.
Die geplanten Feuerwerke am Seenachtfest in Rapperswil-Jona am Freitag- und Samstagabend sorgen zusehends für Kritik. Ein Leser der «Linth-Zeitung» etwa wandte sich an die Redaktion und wies darauf hin, dass die Wetterlage extrem sei und landesweit Feuerverbote gälten. «Dass sich die Organisatoren sowie die bewilligenden Behörden mittels Sonderregelung über diese Sicherheitslage hinwegsetzen, empfinde ich – und mit mir viele Bürgerinnen und Bürger – als unverantwortlich und unverschämt», wird der Leser in der Ausgabe vom Montag zitiert.
Die Kritik war in den vergangenen Tagen offenbar so gross geworden, dass sich der Stadtrat von Rapperswil-Jona kürzlich von sich aus zu einer schriftlichen Stellungnahme veranlasst sah.
«Die Durchführung der geplanten Feuerwerke während des Seenachtfests wird derzeit intensiv und öffentlich diskutiert», hatte der Stadtrat am Freitag geschrieben. Es seien «zahlreiche kritische Meinungen» geäussert worden und der Stadtrat könne die Reaktionen angesichts der anhaltenden Trockenheit nachvollziehen.
Bei der Stadt seien die Kritikerinnen und Kritiker jedoch nicht an der richtigen Adresse. «Die Stadt Rapperswil-Jona ist nicht Veranstalterin des Anlasses», heisst es in dem Schreiben weiter. Das Seenachtfest wird von einem eigenständigen, externen Organisationskomitee veranstaltet und finanziert.
Auch dort können die Verantwortlichen nachvollziehen, dass zur Durchführung der Feuerwerke kritische Fragen gestellt werden, schieben jedoch ein Aber hinterher. «Das Seenachtfest verfügt über ein professionell geplantes und bewilligtes Feuerwerk, das unter anderen Voraussetzungen beurteilt wird als private Feuerwerke», schrieb Vera Trachsel vom Organisationskomitee auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Der wichtigste Unterschied sei, dass die Feuerwerke am Seenachtfest nicht vom Land aus gezündet werden, sondern von schwimmenden Plattformen auf dem See. Der Abstand der Abschussplattformen zum Ufer sei bereits vergrössert worden und die Brandwachen werden verstärkt. Sämtliche Auflagen der Behörden werden gemäss Trachsel eingehalten und die Situation fortlaufend beurteilt.
Vom aktuell geltenden Feuer- und Feuerwerksverbot im Kanton St. Gallen sind bereits bewilligte Feuerwerke auf Seen mit einem Mindestabstand von 350 Metern zum Ufer explizit ausgenommen. Von dieser Ausnahme hätte auch die Stadt Rorschach Gebrauch machen und ihr für den 31. Juli zusammen mit Rorschacherberg und Goldach geplantes Feuerwerk auf dem See durchführen können.
Dieses wurde aber kurzfristig abgesagt. «Es macht keine gute Falle, wenn wir beim aktuell geltenden Feuerverbot von der Ausnahmebewilligung Gebrauch machen», sagte der Rorschacher Stadtschreiber Richard Falk letzte Woche auf Anfrage. Die Absage sei auch als Zeichen der Solidarität mit dem von Waldbränden betroffenen Frankreich zu verstehen.
Kommt ein Verzicht auf die Feuerwerke auch für die Organisatoren des Seenachtfests in Frage? «Das Feuerwerk ist seit Jahrzehnten ein zentraler Bestandteil des Seenachtfests. Ein Seenachtfest ohne Feuerwerk wäre für viele Besucherinnen und Besucher kaum vorstellbar und würde den Charakter des Anlasses grundlegend verändern», schrieb Vera Trachsel weiter.
Gleichzeitig nehme das Organisationskomitee die Lage «sehr ernst». Sollten sich die Rahmenbedingungen wesentlich ändern oder die Behörden zu einer anderen Beurteilung kommen, werde die Situation «selbstverständlich» neu beurteilt.
Trotz der wachsenden Kritik an den Feuerwerken am Seenachtfest stellt sich der Stadtrat von Rapperswil-Jona hinter das Organisationskomitee und verwies analog zu diesem auf das «umfassende» Sicherheitskonzept oder die zusätzlich aufgebotenen Feuerwehrleute. Zudem werde das Feuerwerk am Seenachtfest nicht, wie bei privaten Böllern häufig, in der Nähe von Gebäuden oder Wäldern gezündet.
Der Stadtrat nehme die Sorgen aus der Bevölkerung ernst, heisst es weiter. Solange aber sämtliche rechtlichen Grundlagen eingehalten und die Sicherheitsvorgaben umgesetzt werden – was die Organisatoren machten – trage er die Durchführung der Feuerwerke mit.
Weiterhin Teil des Programms ist das Feuerwerk auch beim Seenachtfest Kreuzlingen. Im Thurgau sind bereits bewilligte Grossfeuerwerke vom Verbot ebenfalls ausgenommen.
«Die Leute kommen im Schwerpunkt am Samstag, um ein Feuerwerk zu geniessen. Was würden passieren, wenn wir das absagen würden? Wir hätten doch die Leute nicht. Und somit hätten wir die Kosten. Und wer bezahlt diese?» sagte Markus Baiker, Präsident des Organisationskomitees Seenachtfest Kreuzlingen, kürzlich in einem Beitrag des Ostschweizer Fernsehsenders TVO.
«Solange die Behörden die Durchführung bewilligen und aus Sicht der Fachstellen kein Sicherheitsrisiko besteht, sehen wir keinen Grund, das Feuerwerk abzusagen», ergänzten die Organisatoren auf Anfrage der SDA.






