Fenaco-Chef sieht Potenzial für Volg in der Westschweiz
Die Agrargenossenschaft Fenaco steht unter Druck durch tiefe Margen, geopolitische Unsicherheiten und den harten Wettbewerb im Detailhandel. CEO Michael Feitknecht erklärt im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP, warum Volg trotz Discounterkonkurrenz wächst und wo er noch Potenzial sieht.

AWP: Der Detailhandel gilt als hart umkämpfter Markt. Wie stark spürt Fenaco den Preisdruck durch Discounter und den Onlinehandel?
Michael Feitknecht: Der Preis ist im Detailhandel immer ein wichtiger Faktor. Unsere Konzepte setzen aber stark auf Frische und Nähe und sind deshalb weniger preisorientiert als andere Modelle. Bei Volg konnten wir zuletzt sogar einen Rekordumsatz erzielen. Das bestätigt uns in unserer Strategie. Bei Landi spüren wir insbesondere den Druck des Onlinehandels. Unsere Antwort darauf sind effiziente Prozesse und Investitionen in die Logistik.
AWP: Wo sehen Sie noch Wachstumspotenzial im Detailhandel?
MF: Bei Volg mit rund 600 Verkaufsstellen sehen wir insbesondere in der Westschweiz noch Potenzial. Wir prüfen aber sehr gezielt einzelne Standorte. Deshalb setzen wir uns auch kein konkretes Ziel für eine bestimmte Anzahl neuer Filialen. Bei Landi mit den 270 Läden haben wir im vergangenen Jahr im Zuge der Restrukturierung der Migros einzelne Standorte übernehmen können. Insgesamt ist das Netz heute gut ausgelastet.
AWP: Der Weinmarkt steht unter Druck. Wie schwierig ist die Lage dort?
MF: Der Markt ist strukturell rückläufig. Der Weinkonsum in der Schweiz ist im vergangenen Jahr um rund 16 Prozent gesunken. Deshalb müssen wir uns überlegen, welche Strukturen und Standorte wir in Zukunft noch brauchen. Es geht darum zu unterscheiden, ob ein Markt nur temporär schwächer ist oder ob sich das Konsumverhalten dauerhaft verändert.
AWP: Fenaco spricht von Effizienzsteigerungen und Strukturmassnahmen. Müssen Mitarbeitende einen Stellenabbau befürchten?
MF: Struktur- und Effizienzanpassungen gehören für uns zum laufenden Geschäft. Wir müssen uns ständig fragen, wie wir in den jeweiligen Märkten richtig aufgestellt sind. Besonders gross ist der Druck in der Lebensmittelindustrie. Dort stehen wir zwischen den Interessen unserer Mitglieder nach möglichst hohen Produzentenpreisen und den Konsumenten, die möglichst günstige Preise erwarten. Aktuell haben wir aber keine kurzfristigen Pläne für einen wesentlichen Stellenabbau.
AWP: Welche Auswirkungen hat der Nahostkonflikt auf Fenaco?
MF: Wir sehen vor allem mehr Instabilität in den Märkten. Das führt mittelfristig oft zu höheren Kosten. Deshalb diversifizieren wir unsere Lieferantenbasis, bauen Lager und Infrastruktur aus und investieren stärker in Innovationen. Ziel ist es, weniger abhängig von einzelnen Rohstoffen oder Lieferketten zu werden. Kritische Engpässe sehen wir derzeit aber keine.









