«Ein Meilenstein für die Entwicklung von Rorschach»
Am Stadtbahnhof Rorschach ist mit der Grundsteinlegung der Startschuss für zwei neue Wohn- und Geschäftshäuser gefallen.

Noch klafft am Stadtbahnhof ein grosses Loch, direkt daneben rattern die Züge vorbei. Doch wo heute Erde ausgehoben wird, soll in gut zwei Jahren ein neues Stück Rorschach stehen: Wohnungen, Gewerbe, Büros und ein neuer urbaner Platz. Am Dienstag wurde der Grundstein für das neue Quartier Stadtbahnhof gelegt.
Eine mit Bauplänen, Projektbeschreibungen, Vermietungsunterlagen und aktuellen Bildern gefüllte Kiste wurde dabei für künftige Generationen versenkt. Viel wichtiger als der symbolische Akt ist jedoch, was darüber entstehen wird: zwei neue Wohn- und Geschäftshäuser direkt beim Stadtbahnhof.
Achteinhalb Jahre seit der Idee
Bis es so weit kommen konnte, war Geduld gefragt. Die Wurzeln des Projekts reichen bis ins Jahr 2017 zurück, als die erste städtebauliche Studie entstand. 2019 folgten erste Workshops mit der Stadtplanung und dem Architekturbüro Bereuter, 2021 die öffentliche Mitwirkung. Die Baubewilligung lag schliesslich im Dezember 2025 vor.
Achteinhalb Jahre vergingen damit von der ersten Idee bis zur Baubewilligung. Für Stadtpräsident Röbi Raths ist das «eine lange Zeit». Gleichzeitig betont er, wie anspruchsvoll die Entwicklung an dieser zentralen Lage war.
Die unmittelbare Nähe zu den SBB-Gleisen stellt auch beim Bau besondere Anforderungen. Für den Gleisschutz war ein sechsmonatiges Bewilligungsverfahren inklusive Gutachten der SBB notwendig. Seit April 2026 wird die Baugrube zudem mit mehr als 100 Messpunkten überwacht.

Bauen auf engstem Raum
Auch architektonisch und bautechnisch ist das Projekt alles andere als alltäglich. Der Spezialtiefbau läuft bereits. Der Aushub unmittelbar neben den Gleisen verlangt höchste Präzision.
Ende Oktober übernimmt die Stutz AG den Rohbau, der rund zwölf Monate dauern soll. Geplant sind zwei sehr unterschiedliche Gebäude: An der Dufourstrasse entsteht ein viergeschossiger Längsbau, während sich beim Stadtbahnhof ein neungeschossiger Hochbau erhebt. Zusammen mit den Neubauten auf dem angrenzenden Feldmühle-Areal soll dazwischen ein neuer, urban gestalteter Stadtbahnhofplatz entstehen.
57 Wohneinheiten
Die Dimensionen sind beträchtlich. Insgesamt entstehen 44 Wohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern sowie 13 möblierte Studios. Im Erdgeschoss des Hochbaus wird Coop auf 372 Quadratmetern Verkaufsfläche einziehen.
Die KESB Region Rorschach bezieht im Längsbau 580 Quadratmeter Büro- und Dienstleistungsfläche. Weitere 193 Quadratmeter Gewerbefläche sind noch zu vermieten. Ab dem dritten Obergeschoss reicht der Blick über den Bodensee bis zum Rorschacherberg.
Auch die Verkehrsanbindung ist Teil des Konzepts. Eine bereits erstellte Fuss- und Velounterführung verbindet das Areal direkt mit den Gleisen, dem Stadtzentrum und dem Bodensee. Für Autos entstehen in zwei Untergeschossen rund 77 Einstellplätze.
32 Millionen Investitionsvolumen
Hinter dem Vorhaben steht die Selectivbau AG als Bauherrin und Projektentwicklerin. Für Architektur und Ausführungsplanung zeichnet das Bereuter Architekturbüro AG aus Rorschach verantwortlich. Die BAUKLA AG aus St.Gallen übernimmt die Projekt- und Bauleitung, während die Wälli AG Ingenieure für die Bauingenieurleistungen verantwortlich ist.
Für den anspruchsvollen Spezialtiefbau sind weitere Unternehmen im Einsatz. Ende Oktober 2026 soll schliesslich die Stutz AG als Baumeisterin den Rohbau übernehmen. Auch Hans Peter Bereuter vom verantwortlichen Architekturbüro machte an der Grundsteinlegung deutlich, wie speziell die Aufgabe ist.
Direkt neben den Gleisen müsse auf engstem Raum und mit zahlreichen technischen Anforderungen gearbeitet werden. Gleichzeitig solle die neue Bebauung den Stadtbahnhof städtebaulich neu definieren und ihm ein deutlich urbaneres Gesicht geben. Das Investitionsvolumen für das Gesamtprojekt beträgt rund 32 Millionen Franken.
Entstehen sollen rund 40 000 Kubikmeter Gebäudevolumen – ein Projekt, das nicht nur Wohnraum schafft, sondern auch Arbeitsplätze, Dienstleistungen und neue Einkaufsmöglichkeiten an einen zentralen Ort der Stadt bringt.
«Hier kommt Leben rein»
Für Röbi Raths ist das Projekt weit mehr als eine neue Überbauung. «Hier entsteht ein weiterer Meilenstein in der positiven Entwicklung der Stadt Rorschach», sagte der Stadtpräsident an der Grundsteinlegung. Wohnen und Arbeiten direkt am Bahnhof seien für die weitere Entwicklung der Stadt von grosser Bedeutung.
Mit dem neuen Quartier werde zudem neues Leben an den Stadtbahnhof gebracht: «Hier kommt Leben rein, hier kommt Gewerbe rein. Das gibt Wertschöpfung für Rorschach und die Region», so Raths. Noch ist davon allerdings wenig zu sehen. Wo heute Baumaschinen arbeiten und die Baugrube direkt neben den Gleisen liegt, soll bis 2028 ein neues Stück Stadt entstehen.
Die Gewerbeflächen sollen ab Sommer 2028 ausgebaut werden, die ersten Wohnungen und Studios voraussichtlich Ende Oktober 2028 bezugsbereit sein. Nach achteinhalb Jahren Planung beginnt damit nun die sichtbarste Phase des Projekts. Raths brachte seine Zuversicht an der Grundsteinlegung auf eine besonders bodenständige Formel: Die Investoren würden hier «etwas Hammermässiges für die Zukunft» auf die Beine stellen.
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.






