Dieser Ostschweizer digitalisiert den Schweizer Breitensport
Was 2013 als Diplomarbeit begann, ist heute eine der meistgenutzten Sportplattformen der Schweiz: turnieragenda.ch verzeichnet jährlich fast zwei Mio. Besucher.

Unzählige Fussballturniere finden jedes Jahr in der Schweiz statt. Organisiert werden diese meist von Ehrenamtlichen in lokalen Vereinen. Eine Plattform aus Horn hat diese Welt digitalisiert: turnieragenda.ch ist heute eine der meistgenutzten Sportwebseiten der Schweiz mit fast zwei Millionen Besuchern und über 14 Millionen Seitenaufrufen pro Jahr.
Mit einem umfassenden Relaunch und neuen Funktionen wie der Online-Zahlung «Turnieragenda Pay» will der Verein den digitalen Standard für die Turnierorganisation im Breitensport weiter prägen.
Vom Chaos zur digitalen Lösung
Die Idee entstand 2013, als sich vier Personen aus der Ostschweiz im Rahmen einer Projektarbeit daran machten, die Organisation von Fussballturnieren für ehrenamtliche Vereinsmitglieder zu vereinfachen. Trainer und Veranstalter verzweifelten damals an unübersichtlichen Excel-Listen, verloren gegangenen Anmeldungen und chaotischen Abläufen – ein Problem, das im amateurorganisierten Breitensport weit verbreitet war.
«Unser Ziel war es, alles rund um Fussballturniere zu vereinfachen. Dass wir damit heute Millionen Menschen erreichen, hätten wir uns damals nicht vorstellen können», sagt Pascal Rüegg, Mitgründer von turnieragenda.ch.

Hinter der Weiterentwicklung stehen heute nebst Rüegg auch Pascal Huber im Bereich Produkt sowie Céline Edelmann im Bereich Technik; betrieben wird das Angebot vom Verein Turnieragenda in Horn.
Wachstum mit klaren Zahlen
Die Plattform wächst stetig. Aktuell sind 1872 Veranstalter und 17'602 Trainer registriert, und schweizweit können sich Mannschaften an 422 Turnieren anmelden. Jedes Turnier umfasst dabei mehrere Kategorien in verschiedenen Altersklassen.
«Im Prinzip wachsen wir pro Jahr mindestens 20 Prozent, da die Veranstalter uns selbstständig weiterempfehlen und die entsprechenden Turniere mit Turnieragenda-Link den Trainern zustellen», erklärt Rüegg.
Sponsoring und Premium-Angebote
Dabei finanziert sich Turnieragenda selbst über mehrere Säulen. Ein wichtiger Teil sind Sponsoring- und Werbepartnerschaften, daneben gibt es kostenpflichtige Angebote für Veranstalter und Trainer.
«Uns ist wichtig, dass Turnieragenda für den Breitensport bezahlbar bleibt. Die Plattform ist über viele Jahre gewachsen und sämtliche Einnahmen werden laufend wieder in Entwicklung, Betrieb, Support und die Weiterentwicklung der Plattform investiert», so Rüegg.
Entlastung für Ehrenamtliche
Der grösste Nutzen zeigt sich vor allem bei den vielen ehrenamtlich tätigen Personen in den Vereinen. «Ein Turnier auszuschreiben, Teilnehmer zu finden, Anmeldungen zu verwalten und Informationen aktuell zu halten, verursacht enorm viel Aufwand. Genau dort versuchen wir anzusetzen und möglichst viele Arbeitsschritte zu vereinfachen», sagt Rüegg.
Was früher unzählige Telefonate, Tabellen und Papierstapel bedeutete, erledigen Vereine heute mit wenigen Klicks: Turniere finden, anmelden, organisieren – alles digital und an einem Ort.
Das Herzstück bildet eine Live-Funktion, welche Resultate, Ranglisten und Spielstände in Echtzeit anzeigt. Ob am Spielfeldrand, 200 Kilometer entfernt auf der Gartenliege oder im Zug: Fans, Eltern und Grosseltern sind so immer mitten im Geschehen.
Datenschutz hat hohen Stellenwert
Datenschutz und Sicherheit haben für das Team dabei einen hohen Stellenwert – gerade mit der Einführung von Turnieragenda Pay. «Zahlungsdaten werden nicht einfach bei Turnieragenda gespeichert, sondern die Zahlungsabwicklung erfolgt über entsprechende professionelle Payment-Infrastruktur einer Schweizer Firma», erklärt Rüegg.

Gleichzeitig achte man darauf, nur jene personenbezogenen Daten zu erheben und zu verarbeiten, die für die jeweilige Funktion notwendig sind.
Internationalisierung
Die Zukunft von turnieragenda.ch geht jedoch über den Fussball hinaus. «Die technische Basis für eine Multisport-Plattform haben wir bereits entwickelt», sagt Rüegg. Für weitere Sportarten wie Handball, Volleyball oder Tennis suche man gezielt Personen aus den jeweiligen Bereichen, die gemeinsam mit uns die Plattform weiterentwickeln.
«Denn Handball, Volleyball oder Tennis haben andere Abläufe und Bedürfnisse als der Fussball – und diese Erfahrung muss direkt aus der jeweiligen Sportart kommen.»
Auch die internationale Expansion ist bereits ein konkretes Thema. «Wir waren beispielsweise schon in Wien beim Österreichischen Fussball-Bund, um eine mögliche Expansion nach Österreich zu besprechen», so Rüegg. «Wir sehen deshalb noch sehr viel Potenzial – sowohl in weiteren Sportarten als auch über die Schweizer Landesgrenzen hinaus.»
Auf Anfragen nach einem Verkauf der Plattform reagiert Rüegg klar: «Es gab bereits Anfragen in verschiedene Richtungen. Für uns ist aber der Fokus ganz klar auf der Weiterentwicklung unserer Marke und Plattform.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.








