Appenzellerland

    «Die Insektenwelt ist diesen Fressmaschinen schutzlos ausgeliefert»

    Stefanie Rohner
    Stefanie Rohner

    Herisau,

    Das Nest der Asiatischen Hornisse in Herisau wurde nach zwei Monaten intensiver Suche gefunden und bereits das erste Mal mit Kieselgur behandelt.

    Mit der Drohne wurde das Nest der Umwelt und den heimischen Insekten zuliebe mit Aktivkohle behandelt. z.V.g.
    Mit der Drohne wurde das Nest der Umwelt und den heimischen Insekten zuliebe mit Aktivkohle behandelt. - Stefanie Rohner

    Die Imkerinnen und Imker in und rund um Herisau haben zusammengespannt, nachdem in Herisau immer wieder Asiatische Hornissen gesichtet wurden. Mit einem WhatsApp-Gruppenchat, mit Wärmebildkameras ausgestatteten Drohnen, selbst gemachten Hornissenfallen und wachen Augen haben sie dem Schädling den Kampf angesagt. Im Chat wurden Fotos der Hornisse geteilt, wo der Schädling gesichtet wurde und Suchtrupps wurden organisiert.

    Mit Erfolg: Das Nest wurde nach zwei Monaten gefunden, nun geht es darum, dieses durch Experten zerstören zu lassen. «Erste Sichtungen der Asiatischen Hornisse gab es im Mai. Die Imker und die Bevölkerung wurden aufgefordert, wachsam zu sein und Sichtungen dem Kanton zu melden», sagt Michael Bullinger. Und die Bevölkerung war sehr wachsam, beim Kanton gingen viele Meldungen ein, die an Fachleute weitergegeben wurden.

    «Wir haben Locktöpfe mit Futtermittel aufgestellt und beobachtet, wo es allenfalls regelmässige Flugbewegungen hat», so Bullinger. Einzelne Tiere wurden markiert, um sie identifizieren zu können – diese seien aber verschwunden. «Per Zufall haben wir eine Privatperson gefunden, welche die Tiere gefüttert hat, deswegen sind sie nicht in unsere Fallen geflogen», sagt Bullinger.

    Nach dem Fund dieser Stelle sei alles schnell vorwärts gegangen. «Der Kanton beschaffte Mikrosender, die wir an den Hornissen angebracht haben. So wussten wir, in welche Richtung sie fliegen und konnten das Gebiet, wo das Nest sein muss, eingrenzen», sagt der Imker. Das Nest hätten sie erst nicht gesehen, erst mit etwas Distanz.

    Das Nest der Asiatischen Hornissen in Herisau wurde gefunden (links im Bild) z.V.g.
    Das Nest der Asiatischen Hornissen in Herisau wurde gefunden (links im Bild). - Stefanie Rohner

    Nest nochmal behandeln

    Ein Nest zu finden und identifizieren sei das eine, das Herunterholen des Nestes sei das Schwierige.«Das dürfen wir nicht selbst tun, das ist Sache des Kantons. Dieser trägt auch die Kosten», sagt Bullinger. Nach dem Fund wurde eine Herisauer Drohenfirma beauftragt, das Nest mittels Drohne mit Kieselgur zu behandeln. Dabei handelt es sich um ein feines Pulver – es wirkt nicht giftig, sondern mechanisch.

    Die scharfkantigen Partikel beschädigen die Kutikula und verstopfen die Atemöffnungen, was zur Austrocknung und zum Ersticken führt. «Für den Wald und andere Tiere ist das nicht giftig und wurde nur ins Nest injiziert.» Die erste Behandlung mit dem Pulver erfolgte letzten Dienstag.

    «Inzwischen haben wir festgestellt, dass das Nest noch einmal behandelt werden muss – scheinbar war die erste Dosis zu schwach», sagt Bullinger.

    Nest wird seziert

    Die Asiatische Hornisse fliegt in der Nacht nicht, sitzt aber aussen auf dem Nest. «Der Zivilschutz hat Suchflüge mit der Drohne gemacht – diese ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. So sehen wir, den Temperaturunterschied zwischen Umgebung und Nest», so Bullinger. Die Locktöpfe werden nach der Nestbehandlung noch länger kontrolliert.

    Nach der zweiten Behandlung gehe es dann darum, das Nest vom Baum zu holen. Es sei denn, es wäre auch dann noch aktiv. «Ist das geschafft, kommt das Nest zu André Megroz für die Untersuchung», sagt Bullinger.

    Das Nest müsse zuerst zwei Mal tiefgefroren werden, bevor es seziert werden kann. Megroz wird dann analysieren, wie viele Tiere im Nest waren und ob die Königinnen schon geschlüpft sind. «Sollten die Jungköniginnen schon ausgeflogen sein, wissen wir, dass wir im kommenden Jahr viel mehr Nester suchen müssen», meint Bullinger.

    Bei diesem Fund habe es sich um ein Sekundärnest gehandelt – diese sind viel schwerer zu finden als die Primärnester. «Die Sekundärnester sind weit oben in der Baumkrone und kaum sichtbar. Die Primärnester befinden sich in vernünftiger Höhe und sind einfacher zu finden», so Bullinger. Meist würden sie sich an geschützten Stellen an Balkonen oder Hauswänden befinden.

    Nicht nur das Erscheinungsbild der Asiatischen zur heimischen Hornisse unterscheidet sich, sondern auch jenes des Nestes. «Bei den Heimischen ist das Nest unten geöffnet, bei der Asiatischen Hornisse ist das Flugloch in Golfballgrösse auf der Seite des Nestes», sagt Bullinger. Er betont, dass es auch nach wie vor nötig wäre, die Augen offen zu halten, auch wenn dieses eine Nest gefunden wurde – im Frühling wenn die neuen Königinnen Primärnester bauen, sei das dann aber auch wieder sehr wichtig.

    «Allen, die mitgeholfen haben, gilt grosser Dank, an erster Stelle der sehr kooperativen Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt. Alle Suchteams haben das unentgeltlich gemacht und viel Zeit investiert. Das ist nicht selbstverständlich», betont Bullinger. Sollten sich solche Nester in Zukunft häufen, wird es extrem schwierig, die Zusatzbelastungen im Griff zu behalten. Es braucht viel Zeit und Material.

    Viele der bereits stark betroffenen Kantone haben die Mittel zur Bekämpfung bereits stark reduziert oder gar aufgegeben», meint er. Gerade in der Westschweiz komme man mit der Bekämpfung gar nicht mehr hinterher. «Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Er weist darauf hin, dass bei vermehrtem Aufkommen die Fachstelle des Kantons wie auch die Suchtrupps an den Anschlag kommen könnten. «Es ist wichtig, dass man sich schon heute überlegt, wie man in Zukunft damit umgehen will. Da ist die Politik gefordert», meint er.

    Man dürfe nicht vergessen, dass durch die Asiatische Hornisse alle heimischen Insekten gefährdet sind. «Sie fressen einfach alles. Die Bienen können durch angepasste Betriebsweise, gittergeschütztes Flugloch und speziellem Fluglochschieber geschützt werden. Die Biodiversität und alle Insektenarten sind diesen Fressmaschinen aber schutzlos ausgeliefert – auch weil die Asiatisch Hornisse hier keine Gegenspieler in der Natur hat.»

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «St.Galler Nachrichten» erschienen.

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