Die Adresse beeinflusst den Bildungserfolg
Wo man in der Schweiz lebt, hat Einfluss auf den Bildungserfolg. Die Städte hinken im nationalen Vergleich besonders hinterher. Das zeigt eine neue Statistik.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz ist der Wohnort für den Bildungserfolg mitentscheidend.
- Das geht aus einer neuen Statistik des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.
- In grossen Städten haben weniger Jugendliche einen Abschluss als im Landesdurchschnitt.
Die Postleitzahl entscheidet mit über den Schulerfolg: Neue Zahlen zeigen, dass in Städten die Lehr- und Matura-Abschlussquoten oft unter dem Landesdurchschnitt liegen. Selbst zwischen Quartieren gibt es grosse Unterschiede.
91,7 Prozent der Jugendlichen bis 25 erreichen einen Abschluss der Berufslehre oder Maturität. Das teilt Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mit.
In grossen städtischen Gemeinden lagen die Werte im Erhebungszeitraum dagegen häufig tiefer.
In Zürich und Lugano betrug die Quote 88 Prozent, in Bern 90 Prozent, in Basel 86 Prozent. In der Westschweiz lag die Quote in Lausanne mit 84 Prozent und in Genf mit 82 Prozent noch tiefer.
Städte liegen bei Abschlüssen zurück
Das BFS führt die tieferen Quoten in städtischen Gemeinden auf komplexe soziale Strukturen zurück.
Aber auch der höhere Anteil fremdsprachiger Schülerinnen und Schülern sei entscheidend. Ebenso einen Einfluss hat die Tatsache, dass es dort mehr Haushalte mit tiefem Einkommen gibt.
Deutliche Unterschiede zeigen sich jedoch nicht nur zwischen Stadt und Land, sondern auch innerhalb der Städte.
Im Zürcher Langstrassenquartier lag die Abschlussquote bei 80 Prozent, in Fluntern hingegen bei 96 Prozent.
Ähnliche Muster gibt es in anderen Städten: In Basel reichte die Spanne von 80 Prozent im Matthäusquartier bis 92 Prozent in Bachletten. In Luzern erreichte Reussbühl 88 Prozent, während Halde und Wesemlin auf 94 Prozent kamen.
Lateinische Schweiz hat mehr Maturitätsabschlüsse
Auch bei den Maturitätsabschlüssen bestehen grosse räumliche Unterschiede. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 41,9 Prozent.
In der lateinischen Schweiz erreichten die Quoten für gymnasiale, Berufs- oder Fachmaturitäten häufig Werte um 50 Prozent.

In der Deutschschweiz war der Anteil generell tiefer, innerhalb der Kantone aber stärker unterschiedlich.
So wiesen in den Kantonen Bern, Zürich, Luzern und St. Gallen einzelne Gemeinden Maturitätsquoten von rund 60 Prozent auf, während andere im selben Kanton unter 20 Prozent lagen.
Krasse Unterschiede auf Quartierebene
Auch auf Quartierebene sind die Unterschiede beträchtlich. In der Stadt Bern erlangten in den Quartieren Länggasse, Muesmatt, Stadtbach und Neufeld 68 Prozent der Jugendlichen eine Maturität. Im benachbarten Bethlehem waren es lediglich 24 Prozent.
In St. Gallen betrug der Anteil im Lachen-Quartier 28 Prozent, in Rosenberg und Rotmonten hingegen 64 Prozent.
Die Analyse des BFS basiert auf Daten von Jugendlichen, die zwischen 2010 und 2014 15 Jahre alt wurden.












