Unter dem Titel «Bricolages» hat der literarische Hyperaktivist Hartmut Abendschein seine Projekte dokumentiert.
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Seit vielen Jahren realisiert der Verleger und Autor Hartmut Abendschein «konzeptuelle und visuelle Dichtungen», wie der Untertitel seiner Werkdokumentation «Bricolages» (Edition Haus am Gern, Biel 2022, 25 Franken) heisst.

Abseits des literarischen Betriebs experimentiert er mit Texten, Codes, Regeln und alltäglichen Dingen.

Es geht darin ebenso um Netzkunst wie um Objet trouvés, um algorithmische Schreibverfahren wie um einen einzigartigen Sammlerfuror. Der vorliegende Katalog widmet jedem der durchnummerierten 70 Projekte jeweils eine Doppelseite, auf der diese streng schematisiert, kategorisch beschrieben, verschlagwortet und mit Fotos visualisiert sind.

Das Werk erscheint so auf seine Abstraktion reduziert, doch wunderbarerweise bewahrt es trotzdem seine Lebendigkeit. Wovon erzählt der gefundene und eingescannte Waschkalender? Wie würde ich selbst eine Unterschrift leisten, die garantiert unleserlich ist? Und welcher Text liegt den Zeilen zugrunde, die in die einzelnen Vokale und Konsonanten zerlegt worden sind?

Glücklicherweise lassen sich einige der Fragen beantworten, weil der Katalog immer wieder auch eine URL angibt, die zum archivierten Werk hinführt. Der Katalog dieser Experimente bildet so etwas wie ein analoges Hyperfiction-Projekt, das ins Digitale verweist.