Coiffeuse (16) frisierte sich schon aufs Podest
Nach mehreren Schnupperlehren fand Selina Rüegg ihren Traumberuf. Die 16-Jährige ist heute im zweiten Lehrjahr als Coiffeuse EFZ.

Selina Rüegg wusste lange nicht, was sie beruflich lernen möchte. Geschnuppert hat sie deshalb in vielen Bereichen: von der Tiermedizinischen Praxisassistentin über Floristin bis hin zu Coiffeuse. «Danach wollte ich am liebsten Floristin werden», erzählt sie.
Weil sie in diesem Berufsfeld keine Lehrstelle fand, entschied sie sich schliesslich für die Ausbildung zur Coiffeuse. Heute ist sie froh darüber: «Ich bereue den Entscheid überhaupt nicht und würde nicht mehr wechseln wollen.» Ihre Lehre absolviert sie beim Coiffeursalon «haar und mehr» in Rapperswil.
Dort zeigt sie grossen Einsatz und erzielt sowohl in der Berufsfachschule als auch in den überbetrieblichen Kursen sehr gute Leistungen. «Ich schreibe mir zum Lernen immer Kärtchen, damit ich mir die Inhalte besser merken kann.»
Besonders stolz ist Selina auf ihre Teilnahme am Art of Hair Lehrlingsfrisieren in Wattwil SG. Zusammen mit ihren «Oberstiftinnen» hat sie in der Kategorie Transformation teilgenommen. Gemeinsam planten sie ein Styling zum Thema Disney, welches sie mit der Eiskönigin verwirklicht haben. Selina machte die Haare, während ihre Kollegin sich ums Make-Up kümmerte.

Mit dem Ergebnis konnten sie sehr zufrieden sein: Sie schafften es auf den dritten Rang. Solche Wettbewerbe könne Selina allen Lernenden empfehlen. «Es ist die beste Möglichkeit, um auszutesten, was man schon alles kann», erklärt sie.
Färben und Kurzhaarschnitte
Der normale Arbeitsalltag ist vielleicht nicht ganz so aufregend wie solche Wettbewerbe, aber langweilig wird es definitiv nicht. «Es gibt immer etwas zu tun», sagt Selina. Zu ihren Aufgaben gehören die Betreuung der Kundschaft und das Bedienen der eigenen Modelle.
Regelmässig übernimmt sie auch das Färben der Haare, zupft Augenbrauen oder unterstützt die Coiffeusen bei allen Dienstleistungen und Tätigkeiten. «Und wenn ich selbst Modelle mitbringe, darf ich meine eigenen Haarschnitte verwirklichen», ergänzt Selina. Dabei arbeitet sie selbstständig, darf aber jederzeit um Rat bitten.
An ihren ersten Langhaarschnitt bei einer Kollegin kann sich Selina noch gut erinnern. Diese hatte lange und lockige Haare, die schwer zu bändigen waren. «Als alles geklappt hat, war ich sehr erleichtert.»
Besonders gerne arbeitet Selina mit Farben. Farbrezepte zusammenzustellen und Haare zu färben, gehören zu ihren Lieblingsaufgaben. Auch das Aufstecken von Haaren macht ihr Spass.
Mit männlichen Kunden komme Selina ebenfalls gut zurecht. «Mit ihnen kann man oft etwas lockerer reden und scherzen», sagt sie mit einem Schmunzeln. Daneben gibt es auch Arbeiten, die Selina nicht so gerne macht, wie beispielsweise das Einlegen.

Dabei werden die Haare nass in Wickler eingewickelt und unter der Haube getrocknet. Und wenn eine Kundin sehr viele und lange Haare hat, könne auch das Waschen manchmal etwas schwieriger sein.
Herausfordernd findet Selina auch Frauen-Kurzhaarschnitte: «Da muss ich noch ein bisschen üben, denn das Personalisieren von Haarschnitten ist sehr anspruchsvoll.»
Was es für den Beruf braucht
Für den Beruf Coiffeuse seien Offenheit und Freundlichkeit enorm wichtig. «Das ist das A und O», betont Selina. Ausserdem müsse man freundlich sein und dürfe keine Berührungsängste haben. Zudem brauche es Kreativität, ein Gespür für Gestaltung und den Umgang mit Menschen.
«Viele Kundinnen und Kunden erzählen persönliche Geschichten. Man muss damit umgehen können und lernen, diese Erlebnisse nicht mit nach Hause zu nehmen.» Jugendlichen, die sich für den Beruf interessieren, rät sie, möglichst viele Schnupperlehren zu absolvieren.
«Am besten schaut man sich mehrere Betriebe an und bleibt gleich mehrere Tage.» Auch Einblicke in andere Berufe seien wertvoll. «Oft merkt man erst durch das Ausprobieren, was einem wirklich gefällt.»
Auch für ihre eigene Zukunft ist Selina offen. Sie kann sich gut vorstellen, später die Bäuerinnenschule zu besuchen, die BMS oder eine Zweitausbildung zu machen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Toggenburger Zeitung» erschienen.








