Bildhauer Ernst Bösch (87) gewährt Einblicke

    Nico Wrzeszcz
    Nico Wrzeszcz

    Bodensee,

    Bildhauer Ernst Bösch meisselt im hohen Alter noch immer – nächste Werke sind bereits in Arbeit.

    Für eine dieser beiden Katzen hat Ernst Bösch rund 100 Stunden gebraucht
    Für eine dieser beiden Katzen hat Ernst Bösch rund 100 Stunden gebraucht. - Nico Wrzeszcz

    Das Wichtigste in Kürze

    • Seit 27 Jahren arbeitet Ernst Bösch hauptberuflich als Bildhauer.
    • Selbst mit 87 Jahren denkt er nicht ans Aufhören.
    • An den Novemberwochenenden lädt er Besucherinnen und Besucher zu sich für eine offene Ausstellung ein.

    Es ist von aussen ein unscheinbares Haus an der Kirchgasse 22 in Steckborn. Doch wenn man durch seine Türen tritt, erwartet einen eine kleine, persönliche Kunstsammlung. Eine Sammlung, die Bildhauer Ernst Bösch selbst geschaffen hat.

    Die meisten seiner Werke stellen Menschen oder Tiere dar. «Ich habe aber auch eine grosse Vorliebe für alte Mythologien, wie etwa die Griechische.» Viele seiner Werke stehen heute noch in seinem Haus, das vermutlich bereits im 17. Jahrhundert gebaut wurde, wie er selbst herausgefunden hat.

    Alles mitgenommen, was ging

    Für seine Werke habe er alle gängigen Materialien verwendet. «Egal ob Holz, Stein, Gips, Ton oder Metall, ich habe alles verarbeitet. Das musste ich auch, um genügend Aufträge zu haben. Nur mit Metall habe ich nie gerne gearbeitet, deshalb gibt es nur wenige bis keine Kunstwerke daraus von mir.»

    Seine Stube im oberen Stockwerk seines Hauses gleicht einem Ausstellungsraum. Doch bis dahin hatte er einen langen Weg hinter sich.

    Auch mit 87 Jahren nimmt Ernst Bösch regelmässig Hammer und Meissel in die Hand
    Auch mit 87 Jahren nimmt Ernst Bösch regelmässig Hammer und Meissel in die Hand. - Nico Wrzeszcz

    «Anfangs der 80er-Jahre habe ich mit der Bildhauerei als Nebenberuf begonnen. Erst sein 1999 ist es mein Vollzeitjob.» Zuvor habe er als pädagogischer Angestellter in einer Justizanstalt gearbeitet, bis er keine Lust mehr auf den Job hatte.

    Bei einem Landbildhauer habe er alles gelernt, was er heute könne. «Vom Grabstein über Figuren. Man kann in diesem Beruf nur verdienen, wenn man sich auf alles einlässt.»

    1979 hat er seine vierjährige Lehre begonnen. Anfangs waren seine Werke nur für ihn, er habe Reliefs erstellt aber auch Figuren, die einen Bezug zur griechischen Mythologie haben.

    Sieben Stunden am Tag

    Nach einer Zeit habe er dann auch für Ausstellungen und Aufträge gearbeitet. Heute noch ist er sieben Stunden am Tag mit Bildhauen beschäftigt. Aktuell arbeite er an einer von vier Schalen, die er zum offenen Haus im November im Eingang präsentieren will.

    «Die vier Schalen haben die Elemente als Thema. Wasser und Feuer sind schon fertig, an der Luftschale arbeite ich gerade, danach folgt noch die Erde.»

    Generell halte sich der Aufwand für sein «offenen Haus» gering. «Ich organisiere selbst nur äusserst ungern Ausstellungen. Ich habe es lieber, wenn ich nur meine Werke bereitstelle, wie letztes Jahr zu einer Ausstellung in Steckborn und Winterthur.» Hier und da werde das ein oder andere Stück an einer Ausstellung verkauft.

    Künstler Ernst Bösch zeigt seine Reliefs, die von beiden Seiten gestaltet sind
    Künstler Ernst Bösch zeigt seine Reliefs, die von beiden Seiten gestaltet sind. - Nico Wrzeszcz

    «Allerdings sind dann meist 33 bis 45 Prozent vom Verkauf weg, als Provision sozusagen.» Für ihn heute ohnehin nur noch Bonus. «Ich lebe recht einfach und brauche nicht viel. Mein Geld beziehe ich über die AHV, zudem habe ich früher recht gut verdient», so Bösch.

    100 Stunden für eine Katze

    Am liebsten arbeitet Ernst Bösch mit Stein. «Der Zeitaufwand, ob ich mit Holz, Stein oder sonst einem Material arbeite, unterscheidet sich nicht. Es kommt auf die Art an, was es wird, wie perfekt es sein muss. Der Ausdruck eines Kunstobjekts ist wichtig», betont der 87-Jährige.

    In seiner Sammlung befinden sich auch zwei Katzen. «Für eine Katze habe ich 50 Stunden für das Bildhauen investiert. Für das Polieren und Schleifen gingen nochmals 50 Stunden drauf, also insgesamt 100 Stunden.»

    Je nach Objekt erstellt Ernst Bösch zuvor ein Modell aus Gips. «Dort messe ich dann bestimmte Punkte, um sie auf den Stein zu übertragen. So kann ich ein genaues Arbeiten sicherstellen. Denn Stein verzeiht einen Fehler nicht so sehr wie Holz.»

    Interessierst du dich für Kunst?

    Grundsätzlich geniesst er seine Arbeit, auch wenn sie sehr zeitintensiv ist. «Das Arbeiten erfordert Konzentration, ist aber entspannend zugleich. Es ist ein schöner Prozess zu sehen, was aus den Materialien entsteht.»

    Einen Grossteil der Materialien, mit denen er arbeitet, holt er selbst. «Für die Steine gehe ich zum Steinhändler Marazzi nach Kreuzlingen. Ein Teil sind Mitbringsel aus dem Ausland, etwa aus Italien oder Schottland.» Ein Stein seiner Sammlung stammt aus der Äquatorgegend, wurde aber in Irland gefunden.

    «Offenes Haus» im November

    Im November öffnet Ernst Bösch an jedem Wochenende sein Haus für Interessierte. Von 13.30 bis etwa 17.30, 18 Uhr kann man sein Haus und seine Kunst besichtigen.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Untersee Nachrichten» erschienen.

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