Berner Teenie-Schüler von Fussball-Turnier ausgeschlossen

Sina Barnert
Sina Barnert

Bern,

Buben der 8. und 9. Klassen dürfen im Kanton Bern nicht mehr am Schülerturnier UBS Football Cup teilnehmen. Brisant: Der Entscheid wurde nie öffentlich gemacht.

UBS Football Cup
2026 werden Buben der 8. und 9. Klassen im Kanton Bern nicht am UBS Football Cup teilnehmen dürfen. - Instagram / @ubsfootballcup

Das Wichtigste in Kürze

  • Der UBS Football Cup ist die offizielle Schweizer Schülermeisterschaft im Fussball.
  • 2026 sind alle Buben der 8. und 9. Klassen im Kanton Bern kollektiv ausgeschlossen.
  • Selbst der SFV hat wegen der Massnahme «Bedenken» geäussert.

Seit den 1970er Jahren gibt es sie in der Schweiz: Schüler-Fussballturniere.

1981 fand das erste schweizweite Turnier unter dem Namen Philips Cup statt. Teil nahmen in ihren Jugendjahren auch Fussballgrössen wie der aktuelle GC-Sportchef Alain Sutter oder Ex-FCB-Stürmer Alex Frei.

Nach einigen Namenswechseln – darunter auch CS Cup – heisst die offizielle Schweizer Schülermeisterschaft mittlerweile UBS Football Cup. Und erfreut sich grosser Beliebtheit.

Hast du einmal an der Schweizer Schülermeisterschaft im Fussball teilgenommen?

Über 7000 Teams nehmen an kantonalen Ausscheidungen teil. Allein am Finaltag treten 3100 Kinder und Jugendliche gegeneinander an, um sich eine der 13 begehrten Trophäen zu sichern.

Berner Buben wurden ausgeschlossen

Heuer keine Gewinnchancen haben Buben der 8. und 9. Klassen aus dem Kanton Bern.

Denn: Sie wurden von der Teilnahme am UBS Football Cup ausgeschlossen, wie Nau.ch erfahren hat.

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Impressionen des UBS Football Cups 2025. Am diesjährigen Finaltag werden keine Buben der 8. und 9. Klassen des Kantons Bern dabei sein. - instagram / ubsfootballcup

Grund dafür ist das Durchgreifen des Fussballverbands Bern / Jura (FVBJ). «In den letzten Jahren hatten wir bei den Knaben-Kategorien diverse Sachbeschädigungen», heisst es in einer Mail, die Nau.ch vorliegt.

Kollektivstrafe als Mittel?

Auch zu Schiedsrichterbeleidigungen und unrechtmässig eingesetzten Spielern sei es gekommen. Darum gebe es keine andere Lösung, als den Ausschluss der Buben der 8. und 9. Klassen aus dem Kanton Bern.

Eine Kollektivstrafe also als Lösung für Probleme, die längst nicht alle Schulen und Teams betreffen.

Man hoffe auf Verständnis für die Sachlage, heisst es in der Mail weiter. Und man bedaure, dass solche Massnahmen nötig gewesen seien.

SFV hat wegen Kollektivstrafe «Bedenken»

Dass nun alle Acht- und Neuntklässler aus dem Kanton Bern ausgeschlossen werden, sorgt jedoch nicht nur für Zuspruch.

Auf Anfrage erklärt der Schweizerische Fussballverband (SFV) gegenüber Nau.ch: «Die operative Durchführung der Ausscheidungsturniere des UBS Football Cup obliegt grundsätzlich den Schulfussball-Verantwortlichen der jeweiligen Region oder des jeweiligen Kantons.»

SFV Peter Knäbel
Der SFV (im Bild Präsident Peter Knäbel) hat wegen des Entscheids des FVBJ «Bedenken» geäussert. - keystone

Man habe vom Entscheid im Rahmen eines Austausches erfahren. «Der SFV hat damals seine Bedenken angemeldet, kollektiv zwei Kategorien von der Teilnahme auszuschliessen.»

Aber: «Wie erwähnt treffen die organisierenden Schulfussball-Verantwortlichen den finalen Entscheid selbst. Der SFV bedauert die Entwicklung, dass der Ton gegenüber Organisatoren und Referees rauer geworden ist. Und dass zwei ganze Kategorien ausgeschlossen worden sind.»

Sicherheitsfirma? «Die Kosten wären enorm hoch gewesen»

Nach wie vor hinter seinem Entscheid steht der Schulfussballverantwortliche des FVBJ. Denn: «Die Sachbeschädigungen konnten keiner Schule zugeordnet werden.»

Zudem hätte man sehr wohl fehlbare Spieler bei Beleidigungen und unsportlichem Verhalten sanktioniert. Auch den Einsatz von nicht-einsatzberechtigten Spielern habe man geahndet. Nur: «Die Lehrerschaft interessierte dies nicht.»

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Um diesen Pokal und diese Medaillen geht es am UBS Football Cup. Nicht gewinnen können heuer die Buben der 8. und 9. Klassen des Kantons Bern. - instagram / ubsfootballcup

Man habe zudem in Erwägung gezogen, das Turnier durch eine Sicherheitsfirma begleiten zu lassen. Doch: «Die Kosten wären enorm hoch gewesen.»

Berappt hätte man dies aus dem eigenen Sack. Denn: Eine Entschädigung dafür hätte der SFV nicht bezahlt.

Verband informierte nicht einmal über den Entscheid

Die Reaktionen auf den Entscheid seien zudem mehrheitlich positiv ausgefallen. «Fast alle teilten mit, den Entscheid vollkommen zu begreifen.»

Gegenüber Nau.ch gibt es jedoch auch kritische Stimmen. Diese berichten von mangelnder Kommunikation seitens des FVBJ.

Wie findest du den Kollektiv-Ausschluss?

Denn: Der Ausschluss-Entscheid wurde offenbar nicht öffentlich kommuniziert. Erfahren habe man vom Kollektiv-Bann erst, als man angefragt habe, wann man die Teams anmelden könne.

Schulen nicht mit einbezogen

Auch Unverständnis für die Massnahme an sich ist da. Man bestrafe mit dem Ausschluss wahllos Schulen und vor allem Kinder, die immer anständig gewesen seien.

Das sei für die betroffenen, unbescholtenen Schüler ungerecht – und schlecht nachvollziehbar.

UBS Football Cup
Der Verhaltenskodex des UBS Football Cup. - UBS Football Cup

Ausserdem habe man es verpasst, die Schulen stärker ins Boot zu holen, um Lösungen zu suchen. Die Charta des Schülerturniers sei zudem kaum verankert und präsent gewesen.

Am Ausschluss ändert die Kritik aus dem Schweizerischen Fussballverband und von Betroffenen wenig. Das Turnier wird wird ohne die Berner 8.- und 9.-Klässler stattfinden.

Kommentare

User #1693 (nicht angemeldet)

UBS ist ein Hobbybetrieb. Kein Wunder klappt nichts.

User #1760 (nicht angemeldet)

Ich verstehe das nicht, diese Vorkommnisse passen doch perfekt zum Fussball.

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