Jagd

    Ausbruch aus Thuner Knast: Das blüht jetzt dem Jugendlichen

    Yannick Zimmermann
    Yannick Zimmermann

    Thun,

    In Thun bricht ein Jugendlicher aus dem Knast aus. Nach einer Verfolgungsjagd wird er wieder geschnappt. Hier kommen die Antworten zu den drängendsten Fragen.

    Regionalgefängnis Thun
    Ein Jugendlicher ist aus dem Regionalgefängnis Thun ausgebrochen. Nach drei Stunden wird er wieder geschnappt. - BärnerBär

    Das Wichtigste in Kürze

    • Am Dienstag bricht ein Jugendlicher aus dem Regionalgefängnis Thun aus.
    • Nach einer dreistündigen Verfolgungsjagd durch die halbe Stadt wird er wieder geschnappt.
    • Obwohl der Gefängnisausbruch allein nicht strafbar ist, drohen nun Konsequenzen.
    • Sicherheitslücken gibt es im Gefängnis Thun nicht. Ausbrüche sind im Kanton Bern selten.

    Am Dienstag sorgt in Thun BE ein Jugendlicher für Aufregung. Er bedroht eine Aufsichtsperson mit einem «gefährlichen Gegenstand» und schafft so die Flucht aus dem Regionalgefängnis.

    Es kommt zu einer Verfolgungsjagd durch die halbe Stadt Thun – Spezialdienste und Diensthunde sind im Einsatz. Nach drei Stunden kann der Ausbrecher unter Waffenhoheit angehalten werden. Mittlerweile ist er zurück in Haft im Gefängnis.

    Hand aufs Herz: Warst du schon einmal im Gefängnis?

    Es dürften filmreife Szenen gewesen sein, die sich unter der Woche in Thun abgespielt haben. Unweigerlich stellt sich schnell die Frage nach den Konsequenzen für den Ausbrecher.

    Und diese mögen teilweise überraschen. Denn: «Allein für den Ausbruch ist keine zusätzliche Strafe zu erwarten», erklärt Kriminologe Dirk Baier gegenüber dem BärnerBär. Ein Gefängnisausbruch sei in der Schweiz, übrigens auch in anderen Ländern, nicht strafbar, da der natürliche Freiheitsdrang als straffrei gilt.

    Das bedeute aber nicht, dass der Gefängnisausbruch ohne Konsequenzen bleibt. «Strafbar ist das Bedrohen mit einem gefährlichen Gegenstand, was als Drohung bzw. Nötigung mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe belegt werden kann», so Baier.

    Regionalgefängnis Thun
    Diese Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. (Symbolbild) - keystone

    Neben dem Strafmass wirft der Ausbruch weitere Fragen auf – auch in Bezug auf das Regionalgefängnis Thun. Wie kann es sein, dass ein Häftling an einen «gefährlichen Gegenstand» kommt? Gibt es im Gefängnis in Thun gar Sicherheitslücken?

    Olivier Aebischer, Leiter Kommunikation im Amt für Justizvollzug des Kantons Bern, verneint gegenüber dem BärnerBär: «Unsere Mitarbeitenden haben bezüglich Sicherheit absolut professionell reagiert, nämlich deeskalierend, so dass niemand verletzt worden ist. Zudem wurde gleichzeitig die Polizei alarmiert, was zur raschen Anhaltung des Jugendlichen durch die Einsatzkräfte geführt hat.»

    Details, um was für einen «gefährlichen Gegenstand» es sich handelt, könne Aebischer aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht machen.

    Baier
    Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. - ZHAW

    Dirk Baier teilt diese Einschätzung und ergänzt: «Es gibt kein Gefängnis, in dem solch eine Tat mit absoluter Sicherheit verhindert werden kann.»

    Dennoch gebe ein solcher Ausbruch in jedem Fall Anlass, die vorhandenen Vorkehrungen kritisch zu prüfen. Bestenfalls auch unter Beteiligung externer Stellen, um mögliche blinde Flecken umfassend identifizieren zu können.

    Sind die Haftbedingungen in den Schweizer Gefängnissen angemessen?

    Gefängnisausbrüche sind im Kanton Bern extrem selten. «Ich erinnere mich im Zeitraum der letzten sieben Jahre an drei geglückte Ausbruchsversuche aus Gefängnissen», so Olivier Aebischer.

    Und Aebischer weiter: «Im Regionalgefängnis Thun ist es in 25 Jahren zwei Mal vorgekommen, dass sich insgesamt drei eingewiesene Personen kurzzeitig absetzen konnten. Die beiden Fluchten dauerten einmal drei Stunden und einmal acht Stunden.»

    Zum Vergleich: In diesem Zeitraum seien im Regionalgefängnis Thun über 900'000 Vollzugstage erfolgt.

    «Jugendliche haben eher die Motivation, das System auszutricksen»

    Obwohl ein Gefängnisausbruch selten und schwierig ist, zeigt der aktuelle Vorfall: Es ist nach wie vor möglich.

    Dirk Baier geht dennoch nicht davon aus, dass es jetzt zu einem «Nachahmungseffekt» kommt. Ausbruchsversuche und Gefängnisausbrüche werde es aber auch in Zukunft immer wieder geben – gerade mit Blick auf Jugendliche.

    «Ihre Fluchtbereitschaft ist höher. Jugendliche haben eher die Motivation, das System auszutricksen, kalkulieren die Folgen weniger ein, sind waghalsiger», so Baier.

    Regionalgefängnis Thun
    Kriminologe Dirk Baier: «Es gibt kein Gefängnis, in dem solch eine Tat mit absoluter Sicherheit verhindert werden kann.» - BärnerBär

    Auch Olivier Aebischer rechnet nicht mit einem «Nachahmungseffekt»: «Das konkrete Beispiel zeigt ja auch, dass der Ausbruch nicht sehr erfolgreich war.» Die überwiegende Mehrheit der Häftlinge sei zudem daran interessiert, die Haft möglichst rasch und ohne Zwischenfälle hinter sich lassen zu können.

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    Kommentare

    User #8043 (nicht angemeldet)

    Ich plädiere den schweizer knast noch viel viel lascher zu führen. Aus wunsch damenbesuch, freie höndywahl unbeschränkte mb, am schluss auszahlung von minimum 3000.-. 5 menu jeglicher ausrichtung, jeden tag 3 std unbegleiteter ausgang mit 100.- sackgeld. Ganz nach rot grüner reintegrationspolitik. Ihre sp schweiz

    User #5878 (nicht angemeldet)

    Nationalität? Warum schreibt Nau nichts dazu?

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