Asiatische Hornisse: Winterthurer Imker schlägt Alarm!
In Seuzach ZH wurde eine Asiatische Hornisse gesichtet. Ein Imker schlägt Alarm.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Asiatische Hornisse ist in der Schweiz auf dem Vormarsch.
- Ein Winterthurer Imker schlägt nun Alarm.
- Er behauptet, der Kanton würde den Imkern die Bekämpfung überlassen.
- Diesen Vorwurf weist die Zürcher Baudirektion zurück.
Lange gefürchtet, ist sie nun definitiv da: Ein Exemplar der Asiatischen Hornisse wurde am 3. Oktober in Seuzach vom Imker Reto Braunschweiler eingefangen.
Zur Sichtung kam das Tier laut Braunschweiler in ein Königinnen-Zeichnungsgerät mit weicher Schaumstoffeinlage, das sonst in der Imkerei zur Markierung von Königinnen verwendet wird. Die Meldestelle «asiatischehornisse.ch» hat den Fund bestätigt: «Es handelt sich tatsächlich um eine Asiatische Hornisse.»
Deshalb hat Braunschweiler, der in der Rehweid Seuzach mit zwei Imkerkollegen Bienenvölker pflegt, Alarm geschlagen und sagt beim Telefongespräch: «Ein Sekundärnest der Asiatischen Hornisse beinhaltet einige tausend Tiere.» Dieses wird gebaut, wenn das Primärnest für das Volk zu klein geworden ist.
300 Nester untersucht
«Seit 2024 habe ich im Rahmen vom Bund finanzierten wissenschaftlichen Studien mehr als 300 Nester untersucht», schreibt Biologin Carine Vogel von der Meldestelle «asiatischehornisse.ch» auf Anfrage.

«Die beiden grössten Nester (eines im Jahr 2025 und eines im Jahr 2026), die wir bisher analysieren konnten, hatten in etwa die gleiche Grösse: etwa 90 cm lang und 60 cm breit», so Vogel. «Zum Zeitpunkt der Zerstörung enthielten die Nester etwas weniger als 12’000 Individuen (Eier, Larven, Puppen und ausgewachsene Tiere), darunter etwa 4000 ausgewachsene Insekten.»
Zum Vergleich: Grosse Kolonien Europäischer Hornissen umfassen laut Vogel etwa 2000 Individuen. Laut der Meldestelle gab es schweizweit – jeweils bis September – im Jahr 2025 8831 Meldungen Asiatischer Hornissen und im Jahr 2026 gingen im gleichen Zeitraum 12’593 Meldungen ein.
Imker bekämpfen Nester
Die Bekämpfung von Sekundärnestern erfolgt laut Imker Braunschweiler entweder mit starkem Wasserstrahl oder mit Aktivkohle. Eine Herausforderung stellt laut Braunschweiler die Suche der Sekundärnester im Herbst dar. Dies erfolgt durch das Aufstellen von Lockgläsern mit flüssigem Futter, welche von Asiatischen Hornissen angeflogen werden.
Einzelne Tiere werden am Lockglas gefangen und markiert. Beim wiederholten Anfliegen vom Lockglas und dem aufmerksamen Beobachten der Flugrichtung sowie der Zeitmessung bis zu einer Rückkehr zum Lockglas kann das Sekundärnest geortet werden.
Suche braucht viel Zeit
«Dies braucht viel Zeit, die ich als Berufstätiger nur schwer aufbringen kann», sagt der Imker. «Wenn man zu lange mit der Sekundärnestbekämpfung im Herbst wartet, dann überwintern die die jungen und begatteten Königinnen individuell und gründen im Frühling jeweils ein nächstes Volk, wiederum mit Tausenden von Tieren», so Braunschweiler.
«Diesen Sommer habe ich vier Bienenvölker verloren, was einerseits auf einen Wachsmottenbefall zurückzuführen ist, aber auch mutmasslich mit der Hornisse zu tun haben kann.» Die Honigbienen leisten laut Imker neben Wildbienen einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität.
«Der Kanton überlasst die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse mehr oder weniger den Imkern. Er geht die Bekämpfung zu wenig entschlossen an. Der Betrag von 30’000 Franken im letzten Jahr ist viel zu tief angesetzt», sagt Braunschweiler.
Kanton weist Vorwurf zurück
«Wir weisen diesen Vorwurf zurück», schreibt Myriam Hunn von der Baudirektion des Kantons Zürich.
«Die Asiatische Hornisse breitet sich nicht nur im Kanton Zürich aus, sondern von Westen her in der ganzen Schweiz. Deshalb ist es nicht möglich, sie im Kanton Zürich wieder zu eliminieren.
Ziel ist aber, die Ausbreitung so lange zu verlangsamen, wie dies mit verhältnismässigem Aufwand möglich ist. Dadurch gewinnen insbesondere Imkerinnen und Imker Zeit und können Massnahmen ergreifen, um ihre Bienenvölker besser zu schützen. Bis anhin hat der Kanton deshalb möglichst jedes Nest der Asiatischen Hornisse suchen und entfernen lassen.

Die Kosten für die aufwändige Suche und Entfernung von Sekundärnestern hat der Kanton bisher vollumfänglich übernommen. Aufgrund der stark steigenden Nestzahlen wird es künftig jedoch nicht mehr möglich sein, alle Nester zu entfernen. Deshalb erarbeiten wir derzeit Kriterien, um die Nestentfernung gezielt zu priorisieren.»
Gemeinden werden aktiv
Bei dem Forstbetrieb der Gemeinde Neftenbach, wo es ebenfalls eine Sichtung gab, ist der Imker Braunschweiler auf offene Ohren gestossen. Auch mit Seuzach ist er im Kontakt.
«Die Gemeinden haben erkannt, dass etwas passiert. Auch wenn die konkreten Massnahmen noch etwas zögerlich sind und das Wissen fehlt», sagt er.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.








