Während Angriffe auf Juden in der Schweiz auf tiefem Niveau bleiben, nimmt Antisemitismus im Netz zu. Zu diesem Befund kommt der Antisemitismusbericht 2018.
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Der Spruch «Gegen jeden Antisemitismus!» auf einer Kachelwand. (Symbolbild) - DPA
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Das Wichtigste in Kürze

  • Antisemitismus in der Schweiz bleibt stabil.
  • Online wird jedoch zu wenig dagegen vorgegangen.

Während es in Frankreich regelmässig zu gewalttätigen Übergriffen gegen jüdische Bürger kommt, ist es in der Deutschschweiz vergleichsweise ruhig. Was aber nicht heisst, dass es nicht zu Aggressionen kommt.

Der Bund erhebt kein Zahlen zu antisemitischen Vorfällen. Dafür veröffentlicht der Schweizerisch Israelitische Gemeindebund (SIG) in Zusammenarbeit mit der GRA Stiftung gegen Rassismus (GRA) einen jährlichen Bericht. Dazu werden Vorfälle gesammelt und erfasst.

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Die Inhalte der antisemitischen Botschaften. - Screenshot: Antisemitismusbericht

«Die Anzahl der physischen Vorfälle, von denen wir wissen, bleibt einigermassen stabil», sagt Jonathan Kreutner. Er ist Generalsekretär des SIGs. Laut dem Bericht ist es in der Deutschschweiz zu einem tätlichen Angriff gekommen. Ein orthodoxer Jude wurde mit einem Messer angegriffen.

Antisemitismus im Netz omnipräsent

Zudem kam es wiederholt zu Beschimpfungen («Euch schneide ich die Kehle auf») und judenfeindlichen Schmierereien («Hier wohnt ein Jude»). «Antisemitismus findet also nur wenig auf der Strasse statt», sagt Kreutner. Im Netz ist der Antisemitismus weitaus verbreiteter.

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Antisemitismus im Netz nach Plattform aufgeschlüsselt. - Screenshot

535 Kommentare und Beiträge mit antisemitischem Inhalt wurden gemeldet. Online nehmen die Vorfälle stark zu. Vor allem: Je mehr man sucht, desto mehr wird gefunden. Am meisten kommen im Netz antisemitische Verschwörungstheorien vor.

Darunter fallen etwa die «jüdische Weltverschwörung» oder Unwahrheiten um George Soros. Kreutner erklärt sich die Präsenz der Theorien folgendermassen: «Allgemein sind jüdische Stereotype noch immer weit verbreitet

Obwohl die Verschwörungstheorien oft widerlegt wurden. Man müsse mehr auf Aufklärung und Information setzen. Populär ist auch als Israel-Kritik getarnter Antisemitismus.

Besorgt über Aufkommen von Verschwörungstheorien

Ähnlich klingt es bei Dominic Pugatsch von GRA. Er sei besorgt über «das Ausmass an antisemitischen Vorfällen im Internet». Viele Menschen würden jegliche Hemmungen verlieren.

Viele antisemitische Aussagen mit Klarnamen im Netz geäussert werden. «Dies zeigt deutlich, wie stark Antisemitismus wieder salonfähig geworden ist.»

Dominic Pugatsch Fasnacht Basel
Dominic Pugatsch ist Geschäftsführer der GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus. - zVg

Im Gegensatz zu Twitter und Co. kam es in den Kommentarspalten von Online-Zeitungen zu weniger Antisemitismus. Dies, weil die Inhalte dort moderiert werden.

Laut Pugatsch würden ausserdem zu oft antisemitischen Äusserungen an Orten wie Schulen und Sportplätzen ohne Intervention hingenommen. Das müsse sich ändern.