3000 Menschen: So plant Pfadi St. Gallen-Appenzell das Kantonallager

Stefanie Rohner
Stefanie Rohner

Wil,

Am 12. Juni startet das Kantonallager der Pfadi St. Gallen-Appenzell. Die aufwendigen Vorbereitungen laufen aber bereits seit rund zwei Jahren.

Lagerleitung
Die Lagerleitung (v.l): Noah Zarro/Calmo, Lidia Truxius/Elmex, Carina Wick/Pesca, Sarah Peter/Nameiki, Melanie Herold/Sommeil, Dimitri Keller/Tauros, Tariq Gloor/Soriso, Toni Helbling/Kaiko, Yanick Stadler/Callafie, Nina Mäder/Silencia, Michael Stamm/Allegro, Daniel Brunner/Memo, Patrick Schneider/Räx. Es fehlt Markus Reschke/Amon. - pd

Zwischen Wald, Zelten und Lagerfeuer entsteht im Sommer in Jonschwil eine eigene kleine Welt: Tausende Kinder und Jugendliche. Organisiert wird das Lager von der Pfadi St. Gallen-Appenzell.

Die Pfadis werden zwei Wochen gemeinsam verbringen. Das Kantonallager findet nur etwa alle vierzehn Jahre statt. Hinter dem Kantonallager steckt viel ehrenamtliches Engagement.

Das Team steckt bereits seit über zwei Jahren in den Vorbereitungen. Die Lagerleitung besteht aus 13 Personen, das gesamte Team aus ca. 100 Leuten.

«Ohne das ehrenamtliche Engagement und kostenlos geleisteten Arbeitsstunden, wäre das Kantonallager schlicht nicht umsetzbar», sagt Yanick Stadler/Callafie, Co-Leiter des Ressorts Logistik und Teil der Lagerleitung. Er betont, man wolle etwas zurückgeben.

Yanick Stadler, Co-Leiter des Ressorts Logistik. Bild: pd
Yanick Stadler, Co-Leiter des Ressorts Logistik. - pd

«Wir durften selbst oft genug von der Arbeit anderer profitieren, wenn wir an Kantonal- oder Bundeslagern teilgenommen haben. Die Pfadibewegung wie wir sie kennen, gibt es nur solange Ehrenamtliche sich einsetzen.»

Kriterien für den passenden Platz

Ein sehr wichtiges Ressort ist jenes, dass sich mit der Logistik und Infrastruktur befasst. Wie plant man die Infrastruktur für eine Zeltstadt mit rund 3000 Menschen überhaupt – wo beginnt man?

«Zuerst muss natürlich ein passender Platz gefunden werden. Wir haben uns in allen drei Kantonen – St. Gallen, Appenzell Ausser- und Innerrhoden auf die Suche begeben», sagt Stadler.

Ob ein Platz geeignet ist, hängt von einigen Faktoren ab: Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, Strassen und Logistikwege sowie ob die Fläche für alle Zelte und für Spiele ausreicht. Da die Pfadi der Nachhaltigkeit Gewicht geben möchte, war die Anbindung an den ÖV zentral.

«Wir haben nebst eigener Recherche auch eine Ausschreibung gemacht, auf die sich Gemeinden bei uns melden konnten», so Stadler. Schlussendlich seien rund 30 Plätze in der Auswahl gewesen, zehn hatte das Leitungsteam besichtigt. Der Platz in Jonschwil habe schliesslich alles erfüllt, was die Organisatoren gesucht haben.

«Abläufe müssen abgestimmt sein»

Das Ressort Logistik hat vor und während des Lagers alle Hände voll zu tun und muss alles genau koordinieren.

«Wir müssen den Platz in die diversen Nutzungsflächen einteilen. Jede Pfadi, die am Lager teilnimmt, hat ihre eigene Einheit unterteilt in Alterskategorien. Hinzu kommt die Verpflegung, die ein zentraler Punkt ist. Wir haben mit der Migros respektive Migros Kulturprozent eine Verpflegungspartnerin, damit die Pfadis nicht alle selbst einkaufen gehen müssen», sagt Stadler.

Auch in den Aufgabenbereich Logistik gehört die Personenbeförderung und die Absprache mit Bahn und Bus. «Die Transportabläufe müssen gut abgestimmt sein – sonst entsteht ein Chaos. Zuerst kommt die Infrastruktur, bevor die ganzen Pfadieinheiten ihr Material bringen können», so Stadler.

Bist du in der Pfadi?

Zur Infrastruktur gehören die sanitären Anlagen, Strom und auch die Entsorgung. «Die ist uns besonders wichtig. Wir wollen eine gute Trennung des Abfalls, das ist in unserem Nachhaltigkeitskonzept festgeschrieben.»

Rund 300 Helfende

Das Kantonallager dauert zwei Wochen. Bereits eine Woche davor wird alles aufgebaut, eine Woche danach soll alles bereits wieder abgebaut sein.

«Dabei sind wir natürlich auf Helfende angewiesen – die teilnehmenden Pfadis sind selbst damit beschäftigt, Teilnehmende und Material auf den Platz zu bringen», sagt Stadler. Gesamthaft werden ca. 2500 Personen teilnehmen, Jugendliche, Kinder und Leitende.

«Wir haben rund 300 Helfende in vielen Bereichen. So zum Beispiel für diverse Programmpunkte, an denen die Einheiten teilnehmen können. Im Hintergrund helfen weitere Ehrenamtliche in der Küche für die Helfenden, in der Logistik oder beim Sanitätsposten.»

«In der Tatzäpraxis möchten wir kleinere Wunden selbst versorgen, damit die Kinder und Jugendlichen nicht extra in ein Spital müssen», sagt Stadler.

«Stimmung ist immer schön»

Während die Kinder und Jugendlichen also unbeschwert ein Pfadilager geniessen können, werden im Hintergrund alle Ehrenamtlichen dafür sorgen, dass die Unbeschwertheit bleibt. «Viele müssen einen unglaublichen Job leisten – gerade die gesamte Koordination mit allen teilnehmenden Einheiten war schon ein grosser Lupf.»

«Bedürfnisse abholen, das Programm ausarbeiten, Informationen zusammenstellen, Fragen beantworten und vieles mehr», meint Stadler. Es gehe darum, gemeinsam mit den Pfadis ein Lager zu organisieren, damit es für alle stimmt.

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Zwischen Wald, Zelten und Lagerfeuer entsteht im Sommer in Jonschwil eine eigene kleine Welt. (Symbolbild) - pexels

«Jede Einheit soll ein Lager erleben, wie sie es gewohnt sind», sagt Stadler. Je näher der Juni rückt, desto realer wird die Planung nun.

«Die erste Realisation kam schon, als die ersten Termine stattfanden, Offerten und Bestätigungen eintrudelten. Aber spätestens, wenn wir auf dem Platz ankommen und immer mehr Leute eintrudeln, wird es konkret», sagt er.

Stadler freut sich auf den Moment, in dem das Lagerleben so richtig losgeht. «Die Stimmung ist immer schön und es werden viele gemütliche Stunden verbracht – mit bekannten Menschen und jenen, die man neu kennenlernt», sagt Stadler.

«Das Miteinander geniesse ich»

Er und sein Co-Leiter, Dimitri Keller / Tauros konnten für das Ressort Erfahrungen aus vergangenen Lagern sammeln. So waren beide am Bundeslager, wo sie viel lernen konnten.

«Ausserdem bin ich seit über 20 Jahren in der Pfadi, da lernt man viel. Die grösste Herausforderung war, alle Bedürfnisse der knapp 3000 Personen aufzunehmen, damit alle zum richtigen Zeitpunkt alles haben, was sie brauchen.»

Dass er nun das Kantonallager mitorganisiert, hätte er 2024 nicht gedacht. Damals wollte er eigentlich aufhören als Aktiver. Doch scheinbar konnte er das dann doch nicht.

«Als damals Siebenjähriger war ich 2004 erstmals in der Pfadi. Seit diesem ersten Samstag war ich Feuer und Flamme und habe alle Stufen bis zum Leiter und Abteilungsleiter absolviert», sagt er. Noch heute ist das Schönste für ihn die Vernetzung untereinander.

«Mein Freundeskreis durfte dadurch wachsen und überall, wo ich hingehe, finde ich immer irgendjemanden in der Pfadi, der ähnliche Interessen vertritt. Dieses Miteinander geniesse ich sehr», sagt Yanick Stadler.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.

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