Bernerin erzählt: So arbeitet es sich auf einem Expeditionsschiff
Die Bernerin Marianne Wohler arbeitet als Managerin Housekeeping auf Expeditionsschiffen. Im Interview gewährt sie einen Blick hinter die Kulissen ihres Jobs.

Das Wichtigste in Kürze
- Marianne Wohler ist Managerin Housekeeping auf Expeditionsschiffen.
- Ihr Arbeitsort befindet sich in der Antarktis, der Arktis oder Grönland.
- Im Interview erzählt die Bernerin von ihrem Leben auf See.
BärnerBär: Marian Wohler, Sie sind Bernerin und in Uetendorf bei Thun aufgewachsen und arbeiten heute auf Expeditionsschiffen in den Polarregionen. Wie kam es dazu?
Marianne Wohler: Eigentlich eher zufällig. Nach meiner Ausbildung arbeitete ich zunächst in einer Arztpraxis in St. Moritz. Dort erzählten mir Arbeitskollegen von ihren Einsätzen auf Kreuzfahrtschiffen.
Das hat mich neugierig gemacht. Ich bewarb mich, kündigte meine Stelle und stieg wenig später in Montego Bay auf Jamaika erstmals auf ein Schiff. Seither hat mich das Leben auf See nicht mehr losgelassen.
BärnerBär: Aktuell sind Sie Managerin Housekeeping bei Oceanwide Expeditions. Was gehört zu Ihrem Aufgabenbereich?
Wohler: Ich bin für den gesamten Housekeeping-Bereich verantwortlich. Dazu gehören nicht nur die Gästekabinen, sondern auch die öffentlichen Bereiche, die Wäscherei und sämtliche Hygienestandards an Bord.
BärnerBär: Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Wohler: Mein Arbeitstag beginnt meist um sechs Uhr morgens mit Kontrollrundgängen. Danach folgen Inventuren, Bestellungen, Einsatzplanung und die Organisation meines Teams.
Zwischendurch kontrolliere ich immer wieder die verschiedenen Bereiche des Schiffes. Einen wirklich typischen Tag gibt es nicht. Der Ablauf ist zwar grundsätzlich ähnlich, gleichzeitig richtet sich vieles nach dem Wetter und dem Expeditionsprogramm. Flexibilität gehört deshalb ganz selbstverständlich zum Beruf.

BärnerBär: Was unterschätzen Gäste am häufigsten, wenn es um das Housekeeping auf einem Expeditionsschiff geht?
Wohler: Viele sehen natürlich nur das fertige Resultat. Dahinter steckt aber ein grosser logistischer Aufwand. Wir arbeiten in sehr sensiblen Regionen mit strengen Umweltauflagen.
Deshalb wird beispielsweise sämtlicher Abfall sorgfältig getrennt und entsorgt. Auch die Hygienevorschriften sind sehr hoch. Wenn Gäste ein wenig mithelfen, etwa ihren Abfall ordentlich entsorgen oder benutzte Tassen zurückbringen, erleichtert das unsere Arbeit bereits erheblich.
BärnerBär: Ein Expeditionsschiff ist gleichzeitig Hotel, Arbeitsplatz und Zuhause. Was macht das Leben an Bord besonders?
Wohler: Man lebt und arbeitet über mehrere Monate sehr eng zusammen. Die Crew kennt sich gut. Solche Einsätze funktionieren nur mit gegenseitigem Respekt. Gleichzeitig ist die Hierarchie bei Oceanwide Expeditions sehr flach. Jeder hilft mit, wenn es nötig ist. Das gefällt mir.
BärnerBär: Sie verbringen mehrere Monate fern der Heimat. Fällt Ihnen das manchmal schwer?
Wohler: Natürlich. Gerade wenn man jünger ist, denkt man darüber weniger nach. Mit den Jahren merkt man aber, dass man Geburtstage, Weihnachten oder andere wichtige Momente mit Familie und Freunden verpasst.
Auch die Eltern werden älter. Andererseits habe ich zwischen den Einsätzen längere freie Phasen, in denen ich viel Zeit zu Hause verbringen oder selbst reisen kann. Es ist eine andere Art zu leben, aber für mich stimmt die Balance.
BärnerBär: Der Nordland-Spezialist Kontiki Reisen chartert für eine Spitzbergen-Kreuzfahrt jedes Jahr ein Schiff exklusiv für Schweizer Gäste. Unterscheiden sich Schweizer Reisegruppen von internationalen Gästen?
Wohler: Ja, durchaus. Schweizer Gäste sind oft sehr rücksichtsvoll. Sie verursachen sehr wenig Foodwaste, halten sich auf dem Schiff und an Land an die Vorschriften und reinigen sowie desinfizieren nach Landgängen ganz selbstverständlich die Stiefel.
Zudem lassen am Ende der Reise wenig Abfall zurück. Solche Kleinigkeiten machen im Alltag einen Unterschied. Ausserdem ist die Atmosphäre vertraut, wenn praktisch alle dieselbe Sprache sprechen. Auch für die Crew vereinfacht das vieles.
BärnerBär: Sie bereisen die Arktis, die Antarktis oder Grönland. Haben Sie einen persönlichen Favoriten?
Wohler: Ja, Grönland. Vor allem die Westküste fasziniert mich immer wieder. Dort erlebt man nicht nur eine beeindruckende Landschaft, sondern begegnet auch den Menschen, ihrer Kultur und ihrem Alltag.
In Spitzbergen steht die spektakuläre Natur im Vordergrund, in der Antarktis begeistern mich vor allem die riesigen Tierkolonien und die unberührte Wildnis.
BärnerBär: Gibt es Tierbegegnungen oder Momente, die Sie besonders beeindrucken?
Wohler: Es sind oft gar nicht einzelne Erlebnisse, sondern das Gesamtbild. Wale, Seevögel oder Eisbären in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, bleibt jedes Mal etwas Besonderes. Gleichzeitig beeindruckt mich die Weite dieser Landschaften. Man merkt dort, wie klein der Mensch eigentlich ist.

BärnerBär: Was sollte jemand mitbringen, der ebenfalls auf einem Expeditionsschiff arbeiten möchte?
Wohler: Man muss gerne mit Menschen zusammenarbeiten und flexibel sein. Die Tage sind lang und nicht immer planbar. Vor allem aber sollte man die Natur wirklich lieben.
Wer sich nicht für die Landschaften, die Tierwelt oder das Leben in den Polarregionen interessiert und nur auf das nächste Wochenende wartet, wird auf einem Expeditionsschiff vermutlich nicht glücklich.








