Berner Sportlehrer erfindet App zum Namen-Lernen!
Jedes Jahr lernt der Berner Sportlehrer Markus Scharnowski neue Gesichter kennen. Weil er sich Namen nicht merken kann, entwickelte er eine digitale Lernhilfe.

«Hallo Andrea!» «Oh äh – hallo – äh, schön dich zu sehen!» Andrea lächelt und freut sich aufrichtig. Nur hat sie leider absolut keine Ahnung, wie der nette Mensch heisst, der sie soeben angesprochen hat.
Ach, das geht doch vielen so, mögen Sie jetzt denken. Stimmt. Und dennoch wäre es manchmal deutlich angenehmer, und irgendwie auch höflicher, wenn man sich Namen besser merken könnte.
Insbesondere dann, wenn man in einem neuen Unternehmen zu arbeiten beginnt. Wenn man an einer Tagung plötzlich dutzenden neuen Gesichtern gegenübersteht. Oder wenn man als Lehrer nach den Sommerferien wieder neue Klassen übernimmt.
Jedes Jahr 150 neue Gesichter
Markus Scharnowski ist Sportlehrer. Wir treffen ihn vor seiner Arbeitsstätte, der BFF-Turnhalle in Bern. Jedes Jahr steht er hier vor 50 bis 150 neuen Gesichtern.

«Ich unterrichte etwa zwölf Klassen parallel. Die jeweiligen Lernenden sehe ich also nur ein- bis zweimal pro Woche für 40 Minuten.» Trotzdem wollte er ihre Namen möglichst rasch beherrschen. Nicht bloss, weil es praktisch ist, sondern weil es für ihn mit Respekt und Wertschätzung zu tun hat, jemanden mit seinem Namen anzusprechen.
Schon Dale Carnegie formulierte 1936 in «How to Win Friends and Influence People» den berühmten Grundsatz: «Remember that a person’s name is to that person the sweetest and most important sound in any language.» Sinngemäss: Für einen Menschen ist sein eigener Name der schönste und wichtigste Klang in jeder Sprache.
Davon ist auch der innovative Turnlehrer überzeugt: «Der eigene Name signalisiert persönliche Aufmerksamkeit und Individualität. Wenn jemand unseren Namen kennt und richtig ausspricht, entsteht schnell das Gefühl: Der nimmt mich wahr, ich bin für ihn nicht irgendeiner.»
Also druckte Scharnowski jeweils die Klassenlisten mit Namen und Bildern aus, klebte sie zusammen und versuchte, sich die Gesichter einzuprägen. Irgendwann fragte er sich allerdings: Muss das wirklich noch auf Papier sein?
«Ich fand es irgendwie seltsam, dass ich überall digital unterwegs bin, aber ausgerechnet hier noch komplett analog.»
Gesucht: Duolingo für Namen
Scharnowski machte sich auf die Suche nach einer App, mit der sich Namen ähnlich spielerisch lernen lassen wie Vokabeln bei Duolingo. Gefunden hat er nichts, das seinen Vorstellungen entsprach. Also galt: selbst ist der Mann.
Der technikaffine Sportlehrer und Startup-Berater begann, mithilfe der KI Claude eine eigene App zu entwickeln. Die Geschwindigkeit überraschte selbst ihn: An einem Dienstag hatte er die Idee, am Samstag lief bereits die erste Demo auf seinem Handy.
Von Anfang an war für ihn dabei ein Punkt nicht verhandelbar: der Datenschutz. Schliesslich geht es um Fotos von Menschen, meist sind diese sogar noch minderjährig. «Es verlässt nichts das Handy. Kein Konto, keine Cloud, keine Auswertung. Alles läuft lokal auf dem Gerät.»
Dieses zückt er nun und zeigt uns seine App. Also die Demoversion. Seine Lernenden bleiben für uns verborgen.
Lernen, bis der Name sitzt
Seine App funktioniert denkbar einfach: Man importiert eine Liste mit Gesichtern und Namen – beispielsweise eine Klassenliste als PDF, Foto oder ein Word-Dokument – und GudMem erstellt daraus automatisch Namen-Gesichtspaare.
Ebenfalls automatisch werden passende Lernübungen vorbereitet. Danach wird trainiert, bis die Namen sitzen. Dabei stehen verschiedene Modi zur Verfügung: Ein Gesicht erscheint und der passende Name muss gefunden werden. Oder umgekehrt: Zu einem Namen wird das richtige Gesicht gesucht.
Möglich sind zudem freie Eingaben und ein Aussprachetraining. Dafür lässt sich sogar aufnehmen, wie jemand seinen eigenen Namen ausspricht.
Besonders clever ist der sogenannte «Confusion»-Mechanismus. Wer zwei Personen immer wieder miteinander verwechselt, bekommt genau dieses Paar von der App gezielt häufiger vorgelegt.
GudMem konzentriert sich also auf jene Namen, bei denen es noch hapert. So lernt man neue Namen innerhalb kürzester Zeit.
Nicht nur fürs Klassenzimmer
Was für Schulklassen funktioniert, lässt sich genauso gut im Berufs- oder Vereinsleben einsetzen. Als Grundlage eignet sich grundsätzlich jede Liste mit Gesichtern und Namen, beispielsweise auch die Team-Seite einer Firmenwebsite.
Wer neu in einem Unternehmen beginnt, vor einer Tagung steht oder gerade in einen Vereinsvorstand gewählt wurde, kann sich so bereits im Voraus mit den wichtigsten Gesichtern vertraut machen. Und kennt am ersten Tag vielleicht tatsächlich schon alle Namen. Oder zumindest deutlich mehr als ohne Training.

Für Scharnowski ist das alles andere als eine Nebensächlichkeit. «Es ist ein Türöffner und verschafft einem viele Sympathiepunkte. Ausserdem hebt man sich damit von der Masse ab, die sich kaum einen Namen merken kann!»
Damit die Ausrede «Ich bin einfach schlecht mit Namen» künftig etwas weniger zieht, bietet Scharnowski seine Erfindung zu einem bewusst moderaten Preis an. Ohne Abo und ohne langfristige Verpflichtung. Weil sämtliche Daten auf dem Gerät bleiben, funktioniert GudMem zudem komplett offline.
«So kann man jederzeit und überall bequem üben.» Und beim nächsten unerwarteten «Hallo Andrea!» folgt dann kein verlegenes «Äh, hallo …» mehr, sondern ganz selbstverständlich «Hey, salü Markus!»










