Tessiner Forschungsteam entdeckt Antikörper gegen West-Nil-Fieber

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    Bellinzona,

    Ein Tessiner Forschungsteam hat Antikörper gegen das gefährliche West-Nil-Virus entdeckt. Die Entdeckung könnte den Weg für neue Therapien und langfristig auch für Impfstoffe ebnen.

    Verschiedene Mückenarten können das West-Nil-Virus übertragen. Darunter die heimische Gemeine Stechmücke, aber auch eingewanderte Arten wie die Asiatische Tigermücke. (Archivbild)
    Verschiedene Mückenarten können das West-Nil-Virus übertragen. Darunter die heimische Gemeine Stechmücke, aber auch eingewanderte Arten wie die Asiatische Tigermücke. (Archivbild) - KEYSTONE/DPA/PATRICK PLEUL

    Das von Mücken übertragene West-Nil-Virus stelle eine wachsende Bedrohung dar, teilte die Università della Svizzera italiana (USI) am Mittwoch mit. In der Schweiz wurde im Jahr 2022 erstmals das West-Nil-Virus bei einheimischen Mücken nachgewiesen. 2025 wurde zudem der erste lokal von Mücken übertragene Fall von West-Nil-Fieber beim Menschen bestätigt.

    Zwar verlaufen die meisten Infektionen ohne Symptome, doch in schweren Fällen kann das Virus das Nervensystem angreifen, Hirnentzündungen auslösen und tödlich enden. Bis heute existieren weder eine spezifische Behandlung noch eine vorbeugende Therapie.

    Für die in der Fachzeitschrift «Immunity» publizierte Studie analysierte das Team um den Immunologen Davide Robbiani von der USI Blutproben von Menschen, die eine West-Nil-Infektion überstanden hatten.

    Dabei stiessen sie auf zwei aussichtsreiche Antikörper: Der erste Antikörper mit der Bezeichnung W010 erwies sich in Tierversuchen als aussergewöhnlich wirksam. Bereits geringe Mengen schützten Mäuse vor einer tödlichen Infektion. Bemerkenswert ist, dass der Schutz nicht nur vor einer Ansteckung funktionierte: Selbst wenn der Antikörper erst bis zu fünf Tage nach der Infektion verabreicht wurde, überlebten die Tiere. Der Effekt blieb sogar bestehen, wenn wichtige Signalwege des Immunsystems beeinträchtigt waren.

    Der zweite Antikörper, W014, zeigte eine ungewöhnlich breite Wirkung. Er neutralisierte nicht nur das West-Nil-Virus, sondern auch mehrere verwandte Erreger, darunter das Japanische-Enzephalitis-Virus, das Murray-Valley-Enzephalitis-Virus, das St.-Louis-Enzephalitis-Virus und das Usutu-Virus. Auch dieser Antikörper schützte Mäuse vor einer tödlichen Erkrankung.

    Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren liefern die Ergebnisse wichtige Grundlagen für die Entwicklung medizinischer Gegenmassnahmen gegen West-Nil-Viren. In der Studie bezeichnen sie sie als «vielversprechende Kandidaten für die Entwicklung antikörperbasierter Therapien».

    Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Forschenden aus den USA, Tschechien und Serbien sowie der Universität Zürich.

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