Stress

    Schweizer haben immer öfter neurologische Probleme

    Alexander König
    Alexander König

    Bern,

    Zitternde Hände, Gedächtnislücken, Kopfschmerzen. Neurologische Symptome sind vielfältig – und werden häufiger.

    Frau im Spitalbett
    Die Neurologie des Berner Inselspitals vermeldet einen Anstieg von neurologischen Beschwerden. - Pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Das Berner Inselspital vermeldet immer mehr Anmeldungen wegen neurologischer Beschwerden.
    • Die Gründe sind vielseitig: die alternde Gesellschaft, aber auch Stress und Sorge.

    15 Menschen in einer Warteschlange in der Neurologie des Inselspitals, nicht etwa im Warteraum, sondern bei der Anmeldung.

    Dieses Bild bleibt Nau.ch-Leser Ulrich Hofer* im Gedächtnis. Sein Routinebesuch offenbart eine beunruhigende Entwicklung.

    «Ich war nur wegen eines Checkups wegen gelegentlicher Kopfschmerzen da, aber die schiere Anzahl Leute machte mich stutzig.»

    Leidest du unter neurologischen Problemen?

    Hofer meint: «Das waren keine Notfälle, Termine werden teils im Voraus vergeben.»

    Bei seinem letzten Besuch habe er eine solche Situation nicht erlebt. Das ist kein Zufall.

    Mehr Fälle im Herbst und Winter

    Andrew Chan, Chefarzt und Leiter des Universitären Ambulanten Neurozentrums der Insel, bestätigt gegenüber Nau.ch: «Wir beobachten tatsächlich einen Anstieg von Konsultationen wegen neurologischer Beschwerden.»

    Andrew Chan im Portrait
    Prof. Dr. med. Andrew Chan ist Chefarzt und Leiter Universitäres Ambulantes Neurozentrum, Universitätsklinik für Neurologie. - Inselspital Bern

    Saisonale Schwankungen seien dabei durchaus normal. «Herbst und Winter sind typischerweise stärker frequentiert», erklärt Chan.

    Der Grund: Infektionskrankheiten können bestehende neurologische Symptome verschlimmern.

    Gleichzeitig müssten die Kliniken in dieser Zeit krankheitsbedingte Personalausfälle kompensieren, was zu längeren Wartezeiten führe.

    Doch die Problematik geht über saisonale Effekte hinaus. Der Mediziner erläutert: «Es handelt sich um einen kontinuierlichen Trend.»

    Neurologie: Mehr Anmeldungen wegen Long Covid

    Warum suchen immer mehr Menschen neurologische Hilfe? Chan nennt mehrere Faktoren.

    Zum einen habe die alternde Gesellschaft dazu geführt, dass Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer häufiger auftreten. Zum anderen würden auch Fälle von Multipler Sklerose zunehmen.

    Prekär: Erst 2022 kamen Forscher rund um Laurie A Manwell zum Schluss, dass eine erhöhte Bildschirmzeit das Risiko von Alzheimer erhöht.

    Gleichzeitig warnte Pro Senectute kürzlich bei Nau.ch: Immer mehr Senioren sind Smartphone-süchtig! Und auch viele Kinder verbringen zu viel Zeit am Handy.

    Schweizer achten sich immer mehr auf Symptome

    Ein weiterer Aspekt sei das gestiegene Gesundheitsbewusstsein.

    Der Chefarzt erklärt: «Die öffentliche Diskussion über Themen wie Demenz oder Long-Covid hat definitiv zu einem gesteigerten Bewusstsein geführt.»

    Tatsächlich wurde jüngst ein neues Verfahren vorgestellt, das Alzheimer bis zu 15 Jahre pro Ausbruch erkennen soll. Ob dies zu einem Anstieg an Anmeldungen führte?

    Besonders alarmierend scheint jedoch der Anstieg stressbedingter und funktioneller Störungen. Das sind Beschwerden, die nicht auf eine Schädigung der Hirnstruktur zurückzuführen sind.

    Die Deutsche Hirnstiftung beschreibt auf ihrer Website etwa «psychogene und funktionelle Anfälle»: Symptome seien Ohnmachtsanfälle, Verkrampfungen, Zuckungen und weiteres.

    Chan warnt: «Die Zunahme dieser Störungen gefährdet die allgemeine Gesundheit und erhöht das Risiko für andere neurologische Erkrankungen.»

    Angst vor Corona-Impfschaden sorgt für Anstieg

    Ein weiterer Grund für die hohe Nachfrage: Angst vor Impfschäden.

    Chan erklärt: «Gelegentlich sehen wir Patientinnen und Patienten, die ihre Beschwerden auf die Corona-Impfung zurückführen, obwohl dies medizinisch nicht begründet ist.»

    Coronavirus
    Weltweit werden immer mehr Fälle von Impfschäden anerkannt. - afp

    Vereinzelte Berichte hätten zu einem leichten Anstieg dieser Konsultationen geführt.

    Erst im September wurde bekannt, dass in der Schweiz erstmals eine Person für einen Corona-Impfschaden entschädigt wird.

    Der Neurologe beruhigt aber: «Beschwerden, die möglicherweise auf eine Corona-Impfung zurückzuführen sind, treten sehr selten auf.»

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    Kommentare

    User #1078 (nicht angemeldet)

    Ich bleib bei meinen V8 Diesel

    Minimaus

    Wenn in der Schweiz endlich such Borreliose in Betracht gezogen werden, würde. Hätte man etwas weniger. Leider ist man in der Schweiz noch im mittelalter oder Steinzeit, was das anbelangt. Leider

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