Verbraucherzentralen für Zucker-Abgabe bei Süssgetränken

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    Deutschland,

    Um weniger «Dickmacher» in Limos, Saft und anderen Fertigprodukten wird seit längerem gerungen. Darum geht es auch jetzt zur Bundestagswahl. Nur was sind sinnvolle Instrumente?

    Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), steht in der Zentrale des VZBV in Berlin. Foto: Christophe Gateau/dpa
    Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), steht in der Zentrale des VZBV in Berlin. Foto: Christophe Gateau/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Verbraucherzentralen dringen für eine gesündere Ernährung auf eine Abgabe auf Zucker in Süssgetränken.

    Der Chef des Bundesverbands, Klaus Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dies wäre neben der Nährwertkennzeichnung mit dem Logo Nutri-Score ein wichtiger Baustein.

    Damit würden Produkte ja nicht verboten. «Aber sie werden eben zu dem, was sie sein sollten: Genussmittel für eine besondere Situation. Und nicht zum Alltagsgetränk morgens in der Schule, nachmittags mit Freunden und noch beim Abendessen.»

    Klöckner weiter gegen Zucker-Abgabe

    Ernährungsministerin Julia Klöckner wandte sich erneut gegen eine Zucker-Abgabe und warb für ein umfassenderes Vorgehen. «Über eine Limo-Steuer erreichen Sie nicht automatisch eine bessere Ernährung und eine Gesamt-Zuckerreduzierung», sagte die CDU-Politikerin der dpa. Sie setze daher auf die bereits begonnene Strategie für eine bessere Zusammensetzung von Fertigprodukten. «Es ist doch nichts gewonnen, wenn der Gesamtzuckerkonsum nicht zurückgeht, weil er durch andere Zuckeraufnahmen kompensiert wird oder Hersteller den Zucker zum Beispiel durch mehr Fett ersetzen.»

    Verbraucherschützer Müller argumentierte, Grossbritannien habe mit einer Süssgetränkesteuer gezeigt, wie es gehe, und damit Erfolge erzielt. Ausweichreaktionen, statt des Zuckers Süssstoffe einzusetzen, seien allerdings auch nicht gesundheitsfördernd. Diese sollte man daher mit einbeziehen, damit Produkte am Ende weniger Zucker und weniger Kalorien enthielten und auch weniger süss schmeckten. «Wir brauchen ein umfassendes Konzept, damit es für alle leichter wird, gesünder zu konsumieren.» Müller verwies auch auf Empfehlungen einer vom Kabinett eingesetzten Regierungskommission, Abgaben auf Zucker, Fett und Salz einzuführen. Dies sei ein Durchbruch dafür, ein Signal zu senden, um für ein gesünderes Lebensmittelangebot zu sorgen.

    Streit schwelt schon länger

    Über die ganze Vorgehensweise gibt es seit längerem Streit: Braucht es mehr Vorschriften oder eher Anreize? Klöckner setzt auf eine vom Kabinett beschlossenen «Reduktionsstrategie» - demnach sollen sich Hersteller zu schrittweisen Rezepturänderungen verpflichten. Wie eine im Frühjahr vorgelegte Analyse des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts ergab, ging der Zuckergehalt etwa in Müsli-Riegeln mit Schokolade um 10,9 Prozent gemessen an einer Ausgangserhebung von 2016 herunter.

    Klöckner sagte, Forschungsergebnisse zeigten, dass es machbar und sinnvoll sei, diesen Weg «mit dem Geschmack der Verbraucher» zu gehen - über allmähliche Abbaupfade für Salz, Fette oder Zucker. «Mit einer gesetzlichen Höchstgrenze lässt sich der Geschmack der Verbraucher eben nicht austricksen. Wenn zu Hause nachgesalzen und nachgezuckert wird, wird es nicht funktionieren.» Zum Konzept gehört ausserdem das mit einem Rechtsrahmen in Deutschland eingeführte Logo Nutri-Score, das zusehends in Supermärkten zu finden ist. Es biete Herstellern die Chance, Verbesserungen für gesündere Rezepturen auch darzustellen, sagte Klöckner. «Das schafft positiven Wettbewerbsdruck.»

    Das in Frankreich entwickelte System können Anbieter auf freiwilliger Basis verwenden, müssen sich dann aber an Vorgaben halten. Es bezieht neben Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Elemente wie Ballaststoffe oder Anteile an Obst und Gemüse ein. Heraus kommt ein einziger Gesamtwert, der in einer fünfstufigen Skala abgebildet wird: von «A» auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes «C» bis zum roten «E» für die ungünstigste.

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