Lebensmittel

    Verbraucher kaufen Lebensmittel häufiger online

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    Deutschland,

    Noch ist es eine Nische, aber Unternehmerin Julia Köhn ist überzeugt, dass künftig Lebensmittel viel mehr online bestellt werden. Corona habe diese Entwicklung beschleunigt. Auch Bäckereien und Fleischereien setzen inzwischen auf den Trend.

    Bei der Stadtbäckerei Engelbrecht in Bremerhaven können sich Kunden die Ware auch per Paketdienst liefern lassen. Foto: Sina Schuldt/dpa
    Bei der Stadtbäckerei Engelbrecht in Bremerhaven können sich Kunden die Ware auch per Paketdienst liefern lassen. Foto: Sina Schuldt/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mit ein paar Klicks landen Roggenbrot, Toast und Baguette im digitalen Warenkorb.

    Wenige Klicks weiter sind die Backwaren bezahlt und zur Auslieferung bereit.

    Die Stadtbäckerei aus Bremerhaven ist ein traditioneller Handwerksbetrieb mit 26 Filialen in der Region - und hat einen eigenen Onlineshop. Er wolle die Digitalisierung nicht verschlafen, sagt Bäckermeister Gerd Engelbrecht: «Wir wollen mit dabei sein.»

    Für ihn biete der Online-Shop einen zusätzlichen Vertriebskanal in Corona-Zeiten. Seine Filialen waren immer geöffnet - nicht aber die angeschlossenen Cafés. Der Umsatz sank, ein Teil der 300 Beschäftigten musste in Kurzarbeit gehen. Das Online-Angebot habe den Ausfall zwar nicht wettmachen können. Aber das liege auch daran, dass es noch nicht so lange existiere.

    Digitale Angebote von einzelnen Erzeugern

    Julia Köhn hat Gerd Engelbrecht beim Aufbau seines Onlineshops unterstützt. Die promovierte Volkswirtin aus Dorum (Landkreis Cuxhaven) hilft einzelnen Landwirten und Erzeugergemeinschaften dabei, digitale Angebote zu erstellen. Diese können vielfältig aussehen: Nach dem Onlinekauf holen die Kunden die Ware selbst ab, sie bekommen sie per Rad oder Auto geliefert oder aber sie erhalten sie per Paketdienst.

    Vor drei Jahren gründete Köhn zudem « », einen überregionalen Online-Marktplatz für nachhaltige Lebensmittel. Er offeriert Produzenten von Fleisch-, Fisch- oder auch Käsewaren eine bundesweite digitale Verkaufsplattform, eine Art Wochenmarkt 4.0. Zu Beginn des Corona-Lockdowns sei das Kaufinteresse stark gestiegen. «Wir haben einen massiven Ansturm von Privatkunden gehabt», sagt Köhn. Der Monatsumsatz von Pielers habe sich im Vergleich zur Zeit vor Corona vervierfacht.

    Mit den zunehmenden Lockerungen habe sich der Absatz inzwischen zwar wieder normalisiert. Künftig rechnet die 34-Jährige dennoch mit steigenden Verkaufszahlen, denn immer mehr Kunden bestellten nicht nur Kleidung oder Spielwaren im Internet, sondern auch Lebensmittel. «Die Corona-Krise hat die Entwicklung noch befeuert.»

    Online-Marktplatz « » in Schleswig-Holstein

    Aber auch auf der Anbieterseite passiere viel, sagt Köhn. In der Coronazeit hätten viele Erzeuger Restaurants als Abnehmer verloren und neue Absatzmöglichkeiten gesucht. Pielers nutzten vor Corona 300 Erzeuger, inzwischen seien 100 neue Interessenten dazu gekommen. «Das sind sehr gut informierte, junge Landwirte, die besondere Produkte herstellen», so Köhn. Die digitale Direktvermarktung sichere den Produzenten höhere Margen als der Verkauf an Grossabnehmer.

    Seit kurzem ist auch der Online-Marktplatz « » in Schleswig-Holstein aktiv, initiiert von der dortigen Landwirtschaftskammer. 70 Produkte vom Ziegenkäse bis zum Honig von acht Erzeugern können gekauft werden, die Produzenten packen die Ware bei sich auf dem Hof ein und verschicken sie - der Kunde muss nur einen Bezahlvorgang machen, auch wenn er bei mehreren Anbietern einkauft. Manch Landwirt scheue den bürokratischen Aufwand beim Onlineverkauf, sagt Sandra van Hoorn von der Landwirtschaftskammer. Aber: «Wenn einmal alle Waren online gestellt sind, läuft der Shop von allein». Der Vorteil für die Landwirte: Die Zahlungsbereitschaft der Kunden sei höher, wenn sie die Produktionsbedingungen kennen.

    Bereits seit fünf Jahren verkaufet das Ehepaar Dhem hochwertige Fleisch- und Wurstwaren im eigenen Online-Shop und inzwischen auch bei Pielers an. Sarah Dehm, die aus einer Fleischerfamilie stammt, und ihr Mann Mirko betreiben im Landkreis Cloppenburg das Unternehmen . «Mein Schwiegervater hat uns am Anfang belächelt», erzählt Mirko Dhem. «Wenn ihr anfangt, Wurst mit der Post zu versenden, bin ich raus, hat er gesagt.»

    Die Ware kommt gut gekühlt per Paketdienst

    Doch Ehepaar Dhem wollte neben dem Stammbetrieb der Familie neue Wege gehen. «Der Onlinehandel bietet die Chance, mit den Kunden direkt in Kontakt zu treten», sagt Dhem. Von Anfang an sei klar gewesen, nicht an Supermärkte zu verkaufen. «Wir wollen unsere Ware nicht unter Wert verkaufen.» 300 Produkte von der Salami bis zum Kotelett bieten die Dhems an, auch bei ihnen explodierten zu Beginn der Coronakrise die Bestellungen. «Einer hat zehn 500 Gramm Packungen Hackfleisch gekauft. Das war Corona-Vorratshaltung», sagt Dhem.

    Sicherlich seien Onlineshops nicht für jeden Produzenten geeignet. «Man darf das nicht halbherzig machen.» Bei Kalieber habe es fünf Jahre bis zum Start gebraucht. So lange dauere es nicht bei jedem, «aber wer glaubt, in zwei Wochen einen Onlineshop aufbauen zu können, liegt falsch», so Dhem. Die Käufer kämen eher vom Land als aus der Stadt. «Bei denen ist die lokale Versorgung nicht mehr gegeben.» Verschickt wird die Ware gut gekühlt per Paketdienst - auch bis nach Spanien oder Österreich.

    Die Bremerhavener Stadtbäckerei Engelbrecht liefert bislang nur im Umkreis von 35 Kilometern - mit dem eigenen Lieferwagen. «Wir fahren sowieso durch die Stadt, das passt in unseren Tagesablauf», sagt Engelbrecht. Mittelfristig hat er sich aber ein Ziel gesetzt: In die gesamte norddeutsche Region zu liefern.

    © dpa-infocom, dpa:200623-99-530848/3

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