Türkischer Comedian verurteilt - Haftentlassung angeordnet
Ein Istanbuler Gericht hat den türkischen Comedian Deniz Göktas am ersten Prozesstag wegen «Verunglimpfung religiöser Werte» zu rund sieben Monaten und wegen Präsidentenbeleidigung zu rund elf Monaten Haft verurteilt.

Gleichzeitig sprach ihn das Gericht vom Vorwurf der «Verherrlichung von Verbrechen und Straftätern» frei und ordnete seine Entlassung aus der Untersuchungshaft an, wie die private Nachrichtenagentur Demirören berichtete.
Beschwerdeführer in diesem Prozess war neben anderen auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Da geringe Freiheitsstrafen für gewöhnlich nicht abgesessen werden müssen, wurde mit der Freilassung des Künstlers im Laufe des Tages gerechnet.
Der 32-jährige Göktas war Anfang Juli festgenommen worden und sass seitdem in Untersuchungshaft im Hochsicherheitsgefängnis Karatepe. Festgenommen wurde er nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub am Flughafen Istanbul. Er rechnete damals bereits mit einer Festnahme, erklärte er laut der oppositionellen Zeitung «Birgün» im Gerichtssaal. Dennoch zähle er sich zu denjenigen, die junge Menschen überzeugen wollten, die Türkei nicht zu verlassen. Auch die Polizisten, die ihn festgenommen haben, hätten sich über seine Rückkehr gewundert, berichtete er.
Die in der Anklageschrift genannten Vorwürfe beruhten grösstenteils auf einem Stand-up-Comedy-Programm, das Göktas im Juni auf YouTube veröffentlicht hatte. Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass freie Meinungsäusserung zwar rechtlich gesichert sei, diese aber Grenzen habe, wenn es um die Ehre und das Ansehen von Personen gehe.
Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, Witze über Frauen gemacht zu haben, die mit islamisch-konservativer Badebekleidung im Meer schwimmen gehen. In der Anklageschrift hiess es zudem, Göktas habe sich lobend über eine kriminelle Gruppe geäussert und den türkischen Präsidenten Erdogan als «Diktator» bezeichnet. Er wies alle Vorwürfe zurück und erklärte, er habe die Show zuvor bereits vielerorts aufgeführt, erst nach Veröffentlichung des Videos habe es Beschwerden gegeben. Das Video wurde millionenfach angeschaut.










