Polizei geht gegen mutmassliche IS-Anhänger vor

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    Deutschland,

    Als in Essen ein Tadschike durch eine Fussgängerzone fährt, klingeln bei der Polizei die Alarmglocken: Ist das der Auftakt zu einem Terroranschlag? Schon länger haben die Ermittler eine Gruppe unter anderem von Tadschiken im Visier, die dem IS nahestehen soll.

    Ein mutmasslich Verdächtiger wird von Polizeibeamten abgeführt, im Hintergrund eine Zivilfahnderin der Polizei. Foto: Stephan Witte/KDF-TV & Picture 2019
    Ein mutmasslich Verdächtiger wird von Polizeibeamten abgeführt, im Hintergrund eine Zivilfahnderin der Polizei. Foto: Stephan Witte/KDF-TV & Picture 2019 - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Aus Furcht vor einem Terroranschlag ist die Polizei in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gegen eine mutmassliche Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgegangen.

    Beamte durchsuchten am Freitag und Samstag Objekte in zehn Städten Nordrhein-Westfalens sowie in Ulm. Gesucht wurde nach Sprengstoff und Waffen, wie die federführende Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf am Samstag mitteilte. Elf Männer im Alter von 22 bis 35 Jahren wurden zeitweise festgenommen, überwiegend Tadschiken, aber auch ein deutscher Staatsangehöriger und ein Türke. Der Verdacht: Sie sollen etwas zu tun haben mit der Vorbereitung eines Terroranschlags. Ihre Freilassung wurde angeordnet, nachdem keine Waffen und Sprengstoff gefunden wurden.

    Eine Nachbarin beobachtete, wie in Essen sechs Zivilpolizisten mit Sturmhauben einen Verdächtigen festnahmen. «Sie haben ihm die Augen verbunden», erzählte sie am Tag danach. Erst habe sie gedacht, es sei eine Filmszene, doch dann seien immer mehr Beamte gekommen.

    Das Ermittlungsverfahren läuft offenbar schon länger: Ermittelt wird gegen eine Gruppe von mindestens sechs der elf Personen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, Daniel Vollmert, am Samstag sagte. Dort ist die Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen (ZenTer NRW) angesiedelt, die die Federführung aufhat.

    Die Polizei wirft der Gruppe vor, sich entweder als Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder als deren Sympathisanten Waffen und Sprengstoff verschafft zu haben. Damit hätten sie einen Anschlag in Deutschland geplant. Hinweise auf konkrete Ziele oder eine konkrete Tat gebe es jedoch nicht, betont der Sprecher. Es gebe aber eine «grundsätzliche allgemeine Befürchtung».

    Mehrere hundert Beamte durchsuchten Objekte auch in Düsseldorf, Wuppertal, Mönchengladbach und Duisburg, darunter auch Wohnungen. An mehreren Orten kamen Spezialkräfte zum Einsatz. Auch Sprengstoffspürhunde waren dabei.

    Allein: Die Beamten fanden weder Sprengstoff noch Waffen. Und so fehlte am Ende der dringende Tatverdacht, den es für einen Haftbefehl braucht. In der Folge wurde noch am Samstag die Freilassung aller elf Verdächtigen angeordnet.

    Auslöser für den Grosseinsatz war die Irrfahrt eines 19-jährigen Tadschiken in der Essener Innenstadt am Freitag. «Da hatte man die Befürchtung, dass das vielleicht der Auftakt ist für mehrere Anschlagsszenarien», berichtete der Behördensprecher weiter. Dies habe sich aber nicht bestätigt. Zwischen beidem gebe es keinen Zusammenhang.

    Der polizeibekannte 19-Jährige war am Freitagmorgen mit seinem Wagen durch eine Fussgängerzone der Essener Innenstadt gefahren. Mit «deutlich überhöhter Geschwindigkeit», wie die Polizei schrieb. Spezialkräfte nahmen den Mann später fest. Am Samstag erliess der Ermittlungsrichter einen Haftbefehl. Ermittelt wird wegen versuchter Tötung. Verletzt wurde niemand. Warum der junge Mann dort mit einem Wagen fuhr, blieb am Samstag offen.

    «Das war der Grund, dass die Durchsuchungsaktion am gestrigen Tage angelaufen ist, um sicherzustellen, dass die Verdächtigen in unserem Tatkomplex nicht tatsächlich an dem Tag etwas umsetzen», sagte Vollmert weiter. Es habe zwar nicht den Verdacht auf eine geplante Amokfahrt gegeben. «Aber es gibt ja genügend Beispiele für terroristische Anschläge unter Verwendung eines Kraftfahrzeugs.» In dem Moment sei nicht auszuschliessen gewesen, dass der Tadschike in Essen Teil der Gruppierung gewesen sei.

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