Studie

    Studie: Corona-Krise könnte Geschlechter-Ungleichheit bei Arbeitszeit vertiefen

    AFP
    AFP

    Deutschland,

    Die Folgen der Corona-Krise könnten die Ungleichheit zwischen erwerbstätigen Frauen und Männern langfristig verschärfen.

    Schularbeiten im Homeoffice
    Schularbeiten im Homeoffice - AFP/Archiv

    Das Wichtigste in Kürze

    • DGB fordert Gegensteuern der Politik.

    Möglich sei vor allem eine «dauerhafte Verschlechterung der Arbeitszeit-Situation» von Frauen, heisst es in einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Daher müsse an dieser Stelle rechtzeitig gegengesteuert werden. Die Ergebnisse lagen AFP am Sonntag exklusiv vor.

    Der Studie zufolge waren vor allem im ersten Lockdown beide Geschlechter von einer Reduzierung der Arbeitszeit wegen der Kinderbetreuung betroffen - allerdings unterschiedlich stark. So gaben rund 24 Prozent der erwerbstätigen Mütter im April an, ihre Arbeitszeit wegen der Kinder reduziert zu haben, unter den Vätern waren es knapp 16 Prozent. Im November waren es bei den Müttern knapp zehn Prozent, bei den Männern knapp sechs Prozent.

    Es bestehe nun die Gefahr, dass ein Teil dieser Reduzierungen auch nach dem Ende der Krise nicht zurückgenommen werden könne, da Arbeitgeber hier einen höheren Einfluss hätten, warnten die beiden Forscherinnen und Autorinnen des Reports, Yvonne Lott und Aline Zucco. Das sei bei der Kurzarbeit anders, denn hier passiere die Rückkehr zur vorherigen Arbeitszeit «automatisch». Der sogenannte Gender Time Gap drohe sich also zu verschlechtern.

    Wie die Studie weiter ergab, änderte sich an den Verhältnissen bei der unbezahlten Arbeit bei der Kinderbetreuung wenig, die nach wie vor in erster Linie von den Frauen übernommen werde. So gaben rund 75 Prozent der arbeitenden Eltern an, die Verteilung der Betreuungszeit sei im Vergleich zur Zeit vor Corona gleich geblieben. In gut sieben Prozent der Partnerschaften zeigte sich ein Wechsel zur traditionellen Arbeitsteilung: Die Frauen übernahmen den grössten Anteil der zusätzlichen Sorgearbeit, obwohl diese vor der Krise einigermassen gleich verteilt war.

    Zugleich gaben fast zwölf Prozent der Befragten an, in ihrem Haushalt sei die Kinderbetreuung nun ausgeglichener verteilt. Bei weiteren knapp fünf Prozent sprachen die Forscherinnen von einer «umgekehrten Traditionalisierung» und sahen hier durchaus «Modernisierungspotenzial» bei der partnerschaftlichen Arbeitsteilung.

    Kurzfristig gesehen müssten unter anderem die Kinderbetreuung ausgebaut und betriebliche Angebote zu orts- und zeitflexiblem Arbeiten gestärkt werden, forderten die Autorinnen. Ausserdem sei eine Aufwertung sozialer Dienstleistungsberufe nötig. Langfristig regte der Bericht etwa eine Reform des Ehegattensplittings und einen Ausbau der Partnermonate beim Elterngeld an.

    Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Elke Hannack, erklärte zu der Studie, es liege nun «in den Händen der Politik», ob Frauen beruflich wie privat «langfristig als Verliererinnen» aus der Krise gingen. Die Differenzen bei der Aufteilung der Sorgearbeit blieben trotz Verbesserungen gross und drohten sich zu vertiefen.

    Auch Hannack zufolge ist es wichtig, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Pflegebedürftige auszubauen. Ausserdem könnten staatliche Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen bei der Vereinbarkeit helfen. Nicht zuletzt müsse die Relevanz frauendominierter Berufe mit höheren Löhnen anerkannt werden.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Campingfeuer Bella Italia
    «Fire! Fire!»
    Dealer
    1 Interaktionen
    Zu lange Knast

    MEHR IN NEWS

    Man muss die Eltern kritisieren, nicht die Kinder!
    10 Interaktionen
    Schweigepfad-Lärm
    Ostschweizer Kantonsrat will heimliche Kameras auf Nase stoppen
    2 Interaktionen
    Smart Glasses
    Tierpark Bern Artenschutz
    Tierpark Bern
    Xi Jinping
    1 Interaktionen
    Bei Trump-Besuch

    MEHR STUDIE

    Kinder
    8 Interaktionen
    Bewegungsaktiv
    Einsamkeit Mann Parkbank
    169 Interaktionen
    Pro Senectute warnt
    Hilfswerke
    37 Interaktionen
    Studie
    KI
    17 Interaktionen
    Laut Studie

    MEHR AUS DEUTSCHLAND

    Oktoberfest 2026
    Rekord
    Oktoberfest
    Tragischer Unfall
    schokolade
    241 Interaktionen
    Wie geht das?
    Merz weidel
    121 Interaktionen
    Neue Umfrage