Städter klagen über Kuhglocken in den Bergen
Touris nerven sich über Kuhglocken in Italien. Der Dorf-Bürgermeister kontert: «Das ist, als würdest du dich am Strand über das Geräusch der Wellen beschweren.»

Das Wichtigste in Kürze
- In einem italienischen Bergdorf haben sich Touristen über zu laute Kuhglocken beschwert.
- Der Bürgermeister Michele Villarboito spricht von einer «Entfremdung» der Städter von der Bergwelt.
- Er empfiehlt Ohrstöpsel als Lösung.
Touristen beschweren sich über Kuhglocken in den Bergen von Italien und verlassen darauf sogar den Ferienort: Was kurios klingt, ist in der norditalienischen Gemeinde Serina in der Provinz Bergamo passiert.
Der Bürgermeister Michele Villarboito sagt gegenüber der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera» trocken: «Meine Tür steht allen offen. Aber hier sind wir in den Bergen, Kuhglocken und der Duft von Weide sind im Preis mit inbegriffen.»
Das Problem sei vielschichtig, so der Bürgermeister. Es gehe nicht einfach um Lärm. Es gehe um eine zunehmende «Entfremdung zwischen der urbanen Welt und der Realität der Berge».
Touristen verwechseln Natur mit Freizeitpark
Die Menschen aus der Stadt seien die Geräusche der Bergwelt schlicht «nicht gewohnt», erklärt Villarboito. «Aus akustischer Sicht sprechen wir nicht von einer Baustelle oder einem Abrisshammer, sondern vom typischen Klang des Berglebens.»
Doch dahinter stecke mehr als blosse Gewohnheit. Städtische Gäste brächten oft Erwartungen mit, die nicht zur Bergwelt passten.
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Villarboito formuliert es gegenüber der Zeitung klar: «Immer öfter nähern sich Touristen der Natur, als wäre sie eine statische Postkarte, ein Freizeitpark oder ein verschlafenes Resort.»
Für ihn ist das ein Zeichen für ein grösseres gesellschaftliches Phänomen.
Züchter schützen ihre Tiere mit Glocken
Der Bürgermeister erklärt auch den praktischen Zweck der Glocken: Landwirte nutzen sie, um ihre Tiere zu identifizieren und sie vor Raubtieren zu schützen. Es handle sich also um ein Arbeitsmittel.
In Serina leben rund 500 Kühe, die auf den Weiden der Umgebung grasen.
Ohne diese Tiere würde die Berglandschaft leiden, warnt Villarboito: «Es muss erklärt werden, dass es ohne Pferd oder Kuh weder gut gepflegte Weiden noch Produkte gäbe.»
Über die Kuhglocken-Kritik der Touris sagt er: «Es ist, als würdest du dich am Strand über das Geräusch der Wellen beschweren.»
Bürgermeister empfiehlt Ohrstöpsel als Übergangslösung
Eine Lösung will der Bürgermeister dennoch anbieten – wenn auch eine pragmatische. Reisende, die empfindlich auf Geräusche reagierten, könnten Ohrstöpsel nutzen.
Langfristig setzt er auf Bewusstsein und Aufklärung: «Die wirkliche Alternative ist die Kultur der Willkommensaufnahme.» Damit meint er, dass Gemeinden ihren Gästen die Bergkultur aktiv vermitteln sollten.
Die Kuhglocke soll für Besucher kein Ärgernis sein. Villarboito wünscht sich, dass sie als Zeichen für einen «gesunden und authentischen Ort» wahrgenommen wird.



















