Städter klagen über Kuhglocken in den Bergen

Aaron Studer
Aaron Studer

Italien,

Touris nerven sich über Kuhglocken in Italien. Der Dorf-Bürgermeister kontert: «Das ist, als würdest du dich am Strand über das Geräusch der Wellen beschweren.»

glocke
Die Kuhglocken in einem norditalienischen Ferienort sorgen für Ärger unter den Touristen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In einem italienischen Bergdorf haben sich Touristen über zu laute Kuhglocken beschwert.
  • Der Bürgermeister Michele Villarboito spricht von einer «Entfremdung» der Städter von der Bergwelt.
  • Er empfiehlt Ohrstöpsel als Lösung.

Touristen beschweren sich über Kuhglocken in den Bergen von Italien und verlassen darauf sogar den Ferienort: Was kurios klingt, ist in der norditalienischen Gemeinde Serina in der Provinz Bergamo passiert.

Der Bürgermeister Michele Villarboito sagt gegenüber der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera» trocken: «Meine Tür steht allen offen. Aber hier sind wir in den Bergen, Kuhglocken und der Duft von Weide sind im Preis mit inbegriffen.»

Das Problem sei vielschichtig, so der Bürgermeister. Es gehe nicht einfach um Lärm. Es gehe um eine zunehmende «Entfremdung zwischen der urbanen Welt und der Realität der Berge».

Touristen verwechseln Natur mit Freizeitpark

Die Menschen aus der Stadt seien die Geräusche der Bergwelt schlicht «nicht gewohnt», erklärt Villarboito. «Aus akustischer Sicht sprechen wir nicht von einer Baustelle oder einem Abrisshammer, sondern vom typischen Klang des Berglebens.»

Doch dahinter stecke mehr als blosse Gewohnheit. Städtische Gäste brächten oft Erwartungen mit, die nicht zur Bergwelt passten.

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Ein Ausschnitt vom italienischen Sender Tgr zu der Kuhglocken-Problematik. - Quelle: Facebook / Tgr Rai Lombardia

Villarboito formuliert es gegenüber der Zeitung klar: «Immer öfter nähern sich Touristen der Natur, als wäre sie eine statische Postkarte, ein Freizeitpark oder ein verschlafenes Resort.»

Für ihn ist das ein Zeichen für ein grösseres gesellschaftliches Phänomen.

Züchter schützen ihre Tiere mit Glocken

Der Bürgermeister erklärt auch den praktischen Zweck der Glocken: Landwirte nutzen sie, um ihre Tiere zu identifizieren und sie vor Raubtieren zu schützen. Es handle sich also um ein Arbeitsmittel.

In Serina leben rund 500 Kühe, die auf den Weiden der Umgebung grasen.

Ohne diese Tiere würde die Berglandschaft leiden, warnt Villarboito: «Es muss erklärt werden, dass es ohne Pferd oder Kuh weder gut gepflegte Weiden noch Produkte gäbe.»

Über die Kuhglocken-Kritik der Touris sagt er: «Es ist, als würdest du dich am Strand über das Geräusch der Wellen beschweren.»

Bürgermeister empfiehlt Ohrstöpsel als Übergangslösung

Eine Lösung will der Bürgermeister dennoch anbieten – wenn auch eine pragmatische. Reisende, die empfindlich auf Geräusche reagierten, könnten Ohrstöpsel nutzen.

Langfristig setzt er auf Bewusstsein und Aufklärung: «Die wirkliche Alternative ist die Kultur der Willkommensaufnahme.» Damit meint er, dass Gemeinden ihren Gästen die Bergkultur aktiv vermitteln sollten.

Störst du dich an Kuhglockengebimmel?

Die Kuhglocke soll für Besucher kein Ärgernis sein. Villarboito wünscht sich, dass sie als Zeichen für einen «gesunden und authentischen Ort» wahrgenommen wird.

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Kommentare

User #1694 (nicht angemeldet)

Na liebe Städter, dann ab zurück in die Stadt. Aber da nerven euch wahrscheinlich die lauten Kirchenglocken :-)

User #5791 (nicht angemeldet)

Man will Natur erleben aber selber bestimmen wie aus aussehen soll. Das ist einfach nur arrogant. Kuhglocken gehören nun mal zum Landleben. Wenn man schon keine Ahnung hat vom Landleben bitte vorher informieren.

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