Schwester von Mordopfer empört über Amanda Knox
Fast 20 Jahre nach dem Mord an der britischen Studentin Meredith Kercher in Italien ist das bis heute nicht geklärte Verbrechen nun Thema einer Comedy-Show.

Die US-Amerikanerin Amanda Knox, die wegen des Verbrechens zunächst verurteilt und dann endgültig freigesprochen wurde, tritt bis Mitte des Monats bei einem Festival im schottischen Edinburgh damit auf – was bei der Familie des Opfers für Empörung sorgt. Stephanie Kercher warf Knox vor, mit dem Namen ihrer Schwester Profit machen zu wollen.
Die Engländerin bezeichnete die Idee, aus einem tatsächlich geschehenen Mord eine Komödie zu machen, als «schockierend». Der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» (Freitag) sagte sie über die US-Amerikanerin: «Es stört mich, dass sie ständig den Namen meiner Schwester erwähnt. Ich finde, man sollte der Verwendung des Namens meiner Schwester Grenzen setzen.»
Zu Knox' Äusserungen, Meredith Kercher würde das Programm lustig finden, wenn sie noch am Leben wäre, meinte sie: «Das glaube ich überhaupt nicht. Meine Schwester war ein sehr lebensfroher Mensch. Aber über eine solche Komödie würde sie niemals lachen.» Das Programm der inzwischen 39-jährigen US-Amerikanerin heisst: «Amanda Knox: Cartwheel» (auf Deutsch: Radschlag). Darin geht es auch um ihre jahrelange Inhaftierung. Premiere ist an diesem Freitagabend.
Die Ermordung der 21-jährigen Austauschstudentin in der Stadt Perugia hatte 2007 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Schnell gerieten Knox – oft auch «Engel mit den Eisaugen» genannt – und ihr damaliger Freund unter Verdacht. Knox wurde in einem spektakulären Prozess zunächst zu einer langen Haftstrafe verurteilt und musste vier Jahre im Gefängnis in Italien verbringen. 2015 wurden beide aber vom Vorwurf des Mordes in höchster Instanz komplett freigesprochen. Knox hat inzwischen zwei Kinder. Sie lebt in den USA.
In dem Fall wurde nur ein weiterer Mann rechtskräftig verurteilt. Wegen Beteiligung an einem gemeinschaftlich begangenen Mord bekam der heute 39-Jährige in Italien 16 Jahre Haft. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuss. Weitere Tatbeteiligte sind bis heute nicht bekannt.
Knox hat ihre Erlebnisse bereits in einem Buch («Zeit, gehört zu werden») verarbeitet. In einer Netflix-Dokumentation «Amanda Knox» kam sie ebenfalls ausführlich zu Wort. Im August vergangenen Jahres erschien zudem eine Mini-Dramaserie.
Stephanie Kercher sagte «La Repubblica», solche Sendungen rissen immer wieder alte Wunden auf. Zum Angebot von Amanda Knox für ein persönliches Gespräch sagte sie: «Wir haben keine Anfrage von ihr erhalten. Ich glaube nicht, dass das nötig wäre.»






