Müde Menschen verhandeln schlechter
Schlafentzug und lange nächtliche Beratungen können die Qualität von Entscheidungen senken und Verhandlungen zum Scheitern bringen. Daran erinnern Schlafforscher nach den am Sonntag abgebrochenen Gesprächen über eine Jamaika-Koalition.
Müdigkeit
führe zu Konzentrationsmangel, gesteigerter Risikobereitschaft und Streitlust.
«Wer nicht genug schläft, kann Probleme schlechter lösen. Emotionen spielen
dann eine grössere Rolle», sagt Jürgen Zulley, ehemaliger Leiter des
Schlafmedizinischen Zentrums an der Universität Regensburg.
Ausserdem
sehen die Forscher einen starken Zusammenhang zwischen Müdigkeit und
Erinnerungsvermögen. «Schlafentzug führt dazu, dass das Langzeitgedächtnis
geschwächt wird», sagt Steffen Gais von der Universität Tübingen. Langfristig
könnten sich die Teilnehmer der Sondierungsgespräche schlechter an die
Verhandlungen erinnern, weil sie übernächtigt waren.
Überraschendes Aus
Die
Vertreter von CDU, CSU, FDP und Grünen hatten in den vergangenen Wochen
teilweise bis vier Uhr morgens über eine mögliche Regierungskoalition auf
Bundesebene verhandelt. Durch den Rückzug der FDP wurden die Gespräche am
Sonntagabend für gescheitert erklärt.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Verhandlungen von CDU, CSU, FDP und Grünen über ein Jamaika-Bündnis sind geplatzt.
- Nun erinnern Schlafforscher daran, dass Müdigkeit die Qualität von Massnahmen beeinträchtige.
- Die Vertreter der entsprechenden Parteien hatten sich in den letzten Wochen teils bis in die frühen Stunden zusammengesetzt.












