Israelische Filmschaffende gegen mögliche Abberufung Tuttles

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Israel,

In einem offenen Brief haben fünf führende israelische Filmschaffende gegen eine mögliche Abberufung von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle protestiert.

Tricia Tuttle
Festivalchefin Tricia Tuttle steht bei der Ankunft zur Preisverleihung der Berlinale auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale Palast. - keystone

«Tuttle abzusetzen wäre ein schwerwiegender Fehler», hiess es in dem Schreiben, das das Filmmagazin «Screen Daily» veröffentlichte. Bei einer vom deutschen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einberufenen Krisensitzung zur Berlinale wurde am Morgen zunächst noch keine Entscheidung über die Zukunft der Intendantin getroffen.

Die «Bild»-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass Tuttle vorzeitig ihren Posten verlassen könnte. Die israelischen Filmemacher zeigten sich «zutiefst besorgt und alarmiert» über den Bericht. Laut einem Sprecher von Weimer werden die Gespräche zwischen Tuttle und dem Aufsichtsratsgremium in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Zu den Unterzeichnern des an Weimer gerichteten Briefs gehört unter anderem der israelische Regisseur Yuval Abraham, einer der Co-Regisseure des Oscar-prämierten Films «No Other Land». Auch der israelische Filmemacher Tom Shoval unterschrieb ihn. Shovals Dokumentarfilm «Michtav Le’David» (Ein Brief an David) wurde 2025 auf der Berlinale gezeigt und ist eine persönliche Botschaft an den von der Hamas zwei Jahre lang als Geisel festgehaltenen israelischen Schauspieler David Cunio.

Während des Festivals gab es Debatten zum Umgang mit dem Nahostkonflikt. Mehrere Filmschaffende wie Tilda Swinton und Javier Bardem hatten der Berlinale vorgeworfen, sich im Gaza-Krieg nicht an die Seite der Palästinenser zu stellen. In Deutschland stiess indes eine Rede des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib auf heftigen Widerspruch.

Er hatte Deutschland vorgeworfen, Partner «des Völkermords im Gazastreifen» zu sein. Umweltminister Carsten Schneider verliess daraufhin den Saal. Israels Regierung streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen und spricht von Selbstverteidigung nach dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023. Auch die deutsche Regierung weist den Völkermord-Vorwurf zurück.

«Wir waren in der Vergangenheit nicht immer einer Meinung mit Tricia Tuttle, da wir ihre Haltung als Zugeständnisse an den politischen Druck empfanden, der den kulturellen Diskurs in Deutschland prägt», schrieben die israelischen Filmemacher. Sie schätzten dennoch Tuttles «Integrität und ihre ehrlichen Bemühungen um einen Dialog in einem öffentlichen Klima, das dies äusserst erschwert». Die Berlinale-Chefin habe ihre «volle Unterstützung.»

Der israelische Filmemacher Tom Shoval lobte auf Instagram Tuttle als «unersetzliche Bereicherung für die Berlinale». Sie habe auch die Familie des von der Hamas entführten Schauspielers David Cunio «unter Tränen» getroffen. «Sie sah das menschliche Leid der Familie und verstand die dringende Notwendigkeit, ihnen Gehör zu verschaffen», schrieb er weiter.

In einem weiteren offenen Brief hatten sich bereits Hunderte Filmschaffende, darunter Regisseur Tom Tykwer («Babylon Berlin»), gegen eine mögliche Abberufung von Tuttle ausgesprochen.

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